Walter Benjamin

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Walter Bendix Schoenflies Benjamin (15. Juli 1892 in Charlottenburg − 26. September 1940 in Portbou) war ein deutscher Philosoph, Kulturkritiker und Übersetzer.

Provenienzmerkmale

Die Bücher aus Benjamins Besitz weisen vermutlich keine leicht identifizierbaren Provenienzmerkmale auf. Die Verwendung eines Stempels oder Exlibris ist bislang nicht bekannt, Namenseinträge sind bisher nur aus Widmungsexemplaren nachgewiesen. In vielen Fällen dürften allerdings eigenhändige Notizen und Marginalien vorhanden sein.

Autogramm

Marginalie

Bibliothek

Über den Verbleib von Walter Benjamins Bibliothek ist bis heute nichts bekannt. Nur die Kinderbuchsammlung Walter Benjamin, nach der Scheidung seiner Frau Dora zugefallen, hat sich erhalten. Sie konnte 1985 von der Goethe-Universität Frankfurt a. M. für die Bibliothek für Jugendbuchforschung angekauft werden.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang Benjamin, im September 1933 nach Paris ins Exil zu gehen. Nachdem große Teile seiner Bibliothek mehrere Jahre bei Bertold Brecht in Svendborg untergebracht waren, stand diese zuletzt in seiner Wohnung in der Rue Dombasle Nr. 10 in Paris. Benjamin musste Paris im Juni 1940 verlassen und erfuhr noch auf der Flucht, dass die Gestapo in seine Wohnung eingedrungen war.

Seine Papiere wurden mit dem Archiv der Pariser Tageszeitung nach Deutschland verbracht. Dieser Nachlassteil wurde 1945 von der Roten Armee nach Moskau transportiert und 1957 an die DDR übergeben. Heute gehört dieser Bestand zum Walter Benjamin Archiv der Akademie der Künste in Berlin.

Benjamins Bibliothek enthielt nicht nur seltene Ausgaben und bibliophile Sammlerstücke, sondern nach einer Erinnerung Theodor W. Adornos auch viele Reclambändchen[1].

Der Stuttgarter Antiquar Herbert Blank hat vor einigen Jahren den Versuch unternommen, Benjamins Bibliothek zu rekonstruieren. Sein Katalog „In Walter Benjamins Bibliothek“ – bislang ist nur der erste Band erschienen – enthält neben dem, was Benjamin ausdrücklich als Besitz erwähnt, auch Bücher, die er rezensiert hat. Die Exemplare aus Benjamins Besitz konnten jedoch bis heute nicht aufgefunden werden.

Als Buchbesitz Benjamins nachgewiesene und näher beschriebene Exemplare:

  • In seinem Aufsatz „Ich packe meine Bibliothek aus“ (1931) erwähnt Benjamin eine Ausgabe von Balzacs „La Peau de chagrin“, erschienen 1838 in Paris, die er 1915 auf der Auktion Rümann bei Emil Hirsch erworben hat. Benjamins Exemplar enthielt das Etikett der Buchhandlung, in der der erste Käufer die Ausgabe erworben hat: Papeterie I. Flanneau [2].
  • Das erste Heft von Brechts „Versuchen“ (Berlin 1931), von dem Benjamin ein „über und über annotierte[s]“ Exemplar erwähnt [3].

Literatur

  • Ingebord Daube u. a. (Hg.): Die Kinderbuchsammlung Walter Benjamin. Katalog zur Ausstellung des Instituts für Jugendbuchforschung und der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Frankfurt a. M. 1987.
  • In Walter Benjamins Bibliothek. Gelesene, zitierte, rezensierte Bücher und Zeitschriften in der Edition in der sie Benjamin kannte und nutzte. Dokumentation einer verlorenen Bibliothek, Teil 1, Stuttgart: Antiquariat Herbert Blank, 2006.
  • Peter Reuter: Walter Benjamin in Gießen. Die Benjamin-Sammlung in der Universitätsbibliothek. In: Irmgard Hort, Peter Reuter (Hrsg.): Aus mageren und aus ertragreichen Jahren. Gießen: Univ.-Bibl. 2007, S. 224-257. Online-Ausg.
  • Detlev Schöttker: Walter Benjamin (1892–1940). „Selten sieht einer ihr Ende“. In: Ines Sonder (Hgn.): „Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?“ Privatbibliotheken jüdischer Intellektueller im 20. Jahrhundert. Berlin, Verl. für Berlin-Brandenburg, 2008, S. 41–57.
  • Erdmut Wizisla: Widmungen für die ersten Leser. In: Walter Benjamins "Deutsche Menschen", hrsg. von Barbara Hahn und Erdmut Wizisla, Göttingen : Wallstein-Verl. 2008.
  • Die Unsterblichkeit der Sterne. Von Francisco de Goya über Walter Benjamin zu Vaclav Hável. Gemälde und Grafiken von Francisco de Goya, die rekonstruierte Bibliothek Walter Benjamins, Václav Havel und die deutschsprachige Literatur Böhmens..., Solingen : Kunstmuseum, [ca. 2010]. - Darin: "Die rekonstruierte Bibliothek Walter Benjamins : gelesene, zitierte, rezensierte Bücher und Zeitschriften in der Edition, in der sie Benjamin kannte und nutzte. Gesamtübersicht", S. [353]-415.

Weblinks

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Theodor W. Adorno an Ivan Nagel, 2. November 1961, Theodor W. Adorno Archiv.
  2. Vgl. Benjamin, Walter: Gesammelte Schriften. Band IV/1. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1972, S. 393.
  3. Vgl. Brief an Gershom Scholem, 3. November 1930, in: Benjamin, Walter: Gesammelte Briefe. Band III. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997, S. 548.