Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt (Berlin)

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==Stempel==
Provenienz: Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt <Berlin>
Umschrift/Beschriftung: Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt Beth-Ha-Midrasch
Maße: 29x42mm
Motiv: ovaler Rand
Zeitraum: ca. 1860-1934
Werksatz GND: 1030427089
==Vorlage==
Standort: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Bibliographische Daten, PPN = 404740057
==Blindstempel==
Provenienz: Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt <Berlin>
Beschriftung/Umschrift: Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt Beth-Ha-Midrasch Berlin
Maße: 20x50mm
Werksatz GND: 1060407655
==Vorlage==
Standort: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Bibliographische Daten, PPN = 144157993
==Notiz==
Provenienz: Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt <Berlin>
Beschriftung: Talmud Ausgabe, gedruckt in 33, gebunden in 25 Bänden, ist Eigenthum der Ephraim Veitel-Stiftung, angekauft vom Buchhändler Peiser [wohl der Berliner jüdische Verlagsbuchhändler Wolf J. Peiser, dessen Geschäft sich in der Friedrichstraße 142 befand] im Juni 1860 zum Preise von [...] Berlin den 15. Aug. 1860. F.Lt. [Fürchtegott Lebrecht]
Maße: 85x127mm
Zeitraum: 15.08.1860
==Vorlage==
Standort: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Bibliographische Daten, PPN = 404740057
==Alte und neue Signatur==
==Vorlage==
NS-Raubgut in der Zentral- und Landesbibliorthek Berlin

Die Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt ist nach Veitel Heine Ephraim (1703-1775), dem wirtschaftlich äußerst erfolgreichen Hofjuden Friedrichs des Großen, benannt. Ephraim regelte in seinem Testament vom 23. Oktober 1774 die Finanzierung der zu seinen Lebzeiten errichteten "thalmudischen Lehranstalt", die bis zum Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts bestand und zusätzlich über Mittel aus der Stiftung seines Sohnes Ephraim Veitel Ephraim (1729-1803) finanziert wurde. Ein genaues Gründungsdatum der Lehranstalt ist nicht bekannt.
Ephraims viertes Kind Zacharias (1736-1779) stiftete eine eigene Schule, die Zacharias-Veitel-Ephraim'sche Lehranstalt.

Geschichte

Die Bibliothek der Lehranstalt umfasste zum Zeitpunkt der Schließung der Lehranstalt (zwischen 1927 und 1930) vermutlich weit über 1.000 Bände, darunter zahlreiche wertvolle Erstausgaben wichtiger Werke der jüdischen Literatur. Eine umfangreiche Schenkung soll die Bibliothek aus dem Nachlass des im März 1851 verstorbenen Rentiers Ruben Samuel Gumpertz erhalten haben, der alle rabbinisch-hebräischen Werke aus dem Besitz seines Vaters (ca. 600 Werke, darunter 7 Handschriften) an die Lehranstalt überwies, während die von ihm selbst erworbenen Bücher zur Auktion kamen[1]. Die Feststellung aus dem Jahr 1852, dass die Bibliothek damit etwa 1.000 Werke "in rabbinischer Sprache" sowie etwa ein Dutzend Handschriften enthalte[2], passt allerdings nicht recht zu der Angabe in der Vorrede zu den Wissenschaftlichen Blättern 1862, dass die Bibliothek nun 140 Werke in 270 Bänden umfasse, wobei 30 Bände Geschenke seien[3].

Seit 1856 fand unter der Aegide des Leiters und Bibliothekars der Veitel-Heine-Ephraim'schen Lehranstalt Fürchtegott Lebrecht (1800-1876) eine grundsätzliche Neuorientierung der Lehranstalt hin zur Wissenschaft des Judentums mit akademisch-universitärem Anspruch statt. Nachdem der traditionelle religiöse Lehrbetrieb seit 1841 offenbar völlig zum Erliegen gekommen und die vorhandenen Bücher an andere Institutionen abgegeben bzw. abhanden gekommen waren (1856 waren nur noch 24 Bände der ursprünglichen Bibliothek vorhanden), fand bereits seit 1851 auch eine Neuorganisation der Bibliothek statt. Diese Neuorganisation umfasste auch den Erlass eines Bibliotheksreglements u.a. mit dem strikten Verbot, Bücher mit nach Hause zu nehmen. Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts benutzte die Bibliothek der Lehranstalt ein einfaches sachlich orientiertes Signaturensystem mit den Buchstabengruppen A bis (mindestens) M zusammen mit einer Nummer. Danach wurden alle Bände mit einer fortlaufenden Nummer - ohne sachliche Systematisierung - versehen. Diese neuere Nummernsignatur befand sich auch auf einem kleinen quadratischen Rückenetikett[4].

Die Veitel Ephraim Stiftung (begründet von dem 1803 verstorbenen Ephraim Veitel Ephraim), die gemäß ihres Stiftungszwecks mit einem Drittel der verfügbaren Mittel "Unterstützung im Studium jüdischer Schriften" (sog. Schulfonds) leisten sollte, erfüllte diese Bestimmung bis ca. 1930 durch die Finanzierung der Lehranstalt. 1927 war die Lehranstalt definitiv noch tätig, danach aber kam die Lehrtätigkeit wohl endgültig zum Erliegen. Am 8. Dez. 1930 wandte sich der Stiftungsvorstand an den Polizeipräsidenten von Berlin als Aufsichtsbehörde der Stiftung, um die Bewilligung einer notwendigen Satzungsänderung zu erbitten, da u.a. die Lehranstalt nicht mehr besteht. Am 21. Mai 1932 wurde die entsprechende Abänderung der Satzung vom Polizeipräsidenten genehmigt. Unter dem Druck des NS-Regimes folgte wenig später die "Arisierung" der Stiftung. Bereits am 8. Febr. 1934 wurde der Stiftungsname in "Stiftung von 1803" geändert, so dass der Name des jüdischen Stifters getilgt war[5].

Über den Verbleib der Bibliothek der Lehranstalt in den Jahren ab 1930 gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Zumindest Teile der Bestände gelangten vor 1945 an das Deutsche Auslandswissenschaftliche Institut (DAWI) oder seine Vorgängerinstitutionen und befanden sich bei Kriegsende im Hauptgebäude des DAWI am Schinkelplatz 6. Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier allerdings nicht um NS-Raubgut. Ein direkter Übergang der Bestände an das Seminar für orientalische Sprachen ist durchaus nicht unwahrscheinlich.

Provenienzmerkmale

Nach 1945

Fast alle bislang ermittelten Exemplare aus der Veitel-Heine-Ephraim'schen Lehranstalt tragen die Nummer 153 und wurden zwischen Nov. 1945 und Febr. 1946 im Rahmen der Bergungsaktion 153 der Bergungsstelle für Wissenschaftliche Bibliotheken sichergestellt. Die Bände befanden sich bei Kriegsende im Gebäude Schinkelplatz 6 (Bauakademie) und gehörten demnach wohl zu den unbearbeiteten Beständen der Zentralbibliothek des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts (DAWI).

Ein in den Bestand der Zentral- und Landesbibliothek gelangtes Exemplar trägt dagegen die Nummer 102 und stammt demzufolge aus der Bergungsaktion 102, die im Keller des Fürstenberg-Palais (Wilhelmstraße) entdeckte Bestände der Gesellschaft für Erdkunde betraf. Die dabei geborgenen ca. 4.000 Bände wurden offenbar geschlossen an die heutige Zentral- und Landesbibliothek überführt.

In den Jahren 1970 bis 1972 wurden über 800 Bände Hebraica durch das Zentralantiquariat der DDR an das von Willem Burgers (1929-2013) gerade neu gegründete Antiquariaat Spinoza in Amsterdam verkauft, darunter zahlreiche Bände aus jüdischen Provenienzen. Bei diesem Verkauf gelangten Bände aus der Veitel-Heine-Ephraim'schen Lehranstalt nach Amsterdam. Der in Amsterdam lehrende, in Deutschland geborene Rabbiner und Professor Yehuda Aschkenasy erwarb über das Antiquariaat Spinoza 83 Drucke aus dieser Provenienz für seine Privatbibliothek. Ein handschriftlicher Katalog der Bibliothek - dessen Existenz der Sammler andeutete - fand sich allerdings nicht in der Sammlung Aschkenasy. Diese Sammlung befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Potsdam.
Weitere Bände verkaufte Willem Burgers an die Universität Amsterdam bzw. behielt sie selbst.

Ermittelte Exemplare

Literatur

  • Die Stiftungen der preußisch-jüdischen Hofjuweliersfamilie Ephraim und ihre Spuren in der Gegenwart, hrsg. von Karl E. Grözinger. Mit Beitr. von Harry van der Linden .... - Wiesbaden 2009 (Jüdische Kultur 19). - ISBN 978-3-447-05755-4
  • Wissenschaftliche Blätter aus der Veitel-Heine-Ephraim'schen Lehranstalt in Berlin. - Berlin 1862. - ZDB-ID: 3057288. Online-Ressource ZDB-ID: 27927751.
  • Fürchtegott Lebrecht, Die rabbinische Bibliothek des Berliner Bethamidrasch, (Berlin), (1852). - Veränderter u. stark vermehrter Abdruck aus der National-Zeitung / aus der Vossischen Zeitung in wenigen Exemplaren. - Online-Ausgabe: Serapeum 13,3 (1852), S. 39-45.
  • Vera Bendt, Willem Burgers. Ein Amsterdamer Antiquar im Geiste von Spinoza, in: Imprimatur N.F. 24.2015, S. 11-54.

Links

Einzelnachweise

  1. Fürchtegott Lebrecht, Verzeichniss seltener und werthvoller hebräischer Bücher aus dem Nachlasse des Rentiers R[uben] S[amuel] Gumpertz, welche am 4. Mai d. J. ... versteigert werden sollen, Berlin 1852.
  2. Lebrecht, Serapeum 13,3, S. 43.
  3. Wissenschaftliche Blätter, S. XIII.
  4. Grözinger, Stiftungen, S. 53-63.
  5. Grözinger, Stiftungen, S. 107 ff.