Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek (Wien)

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Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek (Wien): Die AK Bibliothek Wien ist Österreichs bedeutendste Spezialbibliothek im Bereich der Sozialwissenschaften. Sie ist die zentrale Bibliothek der österreichischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Die Bibliothek wurde 1921 gegründet und war von 1922 bis zur Schließung durch die nationalsozialistischen Machthaber 1938 öffentlich zugänglich. Bereits 1945 fand die Neugründung statt.

Den Kernbestand der ehemaligen Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Arbeiterkammer in Wien bildeten mit fast 50.000 Bänden die dort verwahrten Sammlungen der sozialdemokratischen Politiker Engelbert Pernerstorfer, Leopold Winarsky und Viktor Adler sowie der Nachlass des Wiener Rechtswissenschaftlers Anton Menger. Durch weitere Erwerbungen und Schenkungen wuchs der Bestand der Studienbibliothek bis 1932 auf etwa 135.000 Bände an. Im Jahr 1938 kann der Gesamtbestand auf etwa 150.000 bis 160.000 Bände geschätzt werden. In der Folge des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich und der Vereinnahmung des seit 1934 bestehenden Gewerkschaftsbundes der österreichischen Arbeiter und Angestellten unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) wurde die Bibliothek im März 1938 durch Gestapo und Sicherheitsdienst der SS durchsucht; die als besonders wertvoll geltenden Sammlungen Pernerstorfers, Winarskys und Adlers wurden kurz darauf beschlagnahmt und ins Berliner SD-Hauptamt überführt. Die verbliebene „Restbibliothek“ wurde im Januar 1939 ebenfalls nach Berlin in die unter Verwaltung des Arbeitswissenschaftlichen Instituts (AWI) der DAF stehende Zentralbücherei der Deutschen Arbeitsfront verbracht, wo sie nicht weiter erschlossen, sondern lediglich eingelagert wurde. In der Folge wurde der Bestand unter anderem durch Abgaben an die NS-Ordensburg Krössinsee in Pommern, durch kriegsbedingte Auslagerungen in Depots in Schlesien und Böhmen sowie durch Zerstörungen im Bombenkrieg verstreut.

Provenienzmerkmale

Ermittelte Exemplare

In der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart wurden im Rahmen der Suche nach NS-Raubgut von 2016 bis 2019 insgesamt vier Bände aus dem Bestand der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek (Wien) gefunden, dazu drei Bände aus der Bibliothek von Engelbert Pernerstorfer und ein Band aus der Bibliothek von Anton Menger. Beide Privatsammlungen waren Bestandteile der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek.

In der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel wurde bei der Prüfung der antiquarischen Zugänge ein Band aus der ehemaligen Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek identifiziert, der 1984 im Rahmen des Schriftentauschs in den Bestand gelangt war.

Literatur

  • K. Stubenvoll, Das Ende einer „sozialistischen“ Bibliothek. Die Plünderung und Zerstörung der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer durch die Nationalsozialisten, in: medien & zeit 19/4 (2004), S. 4–17.
  • K. Stubenvoll, Die SS und der Raub der „Marxistenbibliotheken“ in der Wiener Arbeiterkammer. Neue Facetten der Bibliotheksplünderung im Jahr 1938, in: AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften. Jahrbuch 2011, S. 59‒92.

Weblinks

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