Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Bibliothek

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Die zentrale Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, auch als „Parteiarchiv“ bezeichnet, war eine Sammlung handschriftlicher und gedruckter Quellen zu den parteinahen politischen und sozialen Strömungen (Aktenmaterial, Korrespondenz, Kampfschriften und Broschüren) sowie eine Bibliothek, deren Benutzung Mitgliedern der SPD offenstand. Nicht-Parteiangehörige benötigten eine Genehmigung durch den Parteivorstand.

Geschichte

Die Gründung der Parteibibliothek geht auf einen Vorschlag August Bebels zurück, die wichtigsten ausländischen und inländischen sozialökonomischen Veröffentlichungen, gewerkschaftliche und sozialdemokratische Literatur zusammenzutragen. Der Aufbau der Parteibibliothek begann aufgrund der Sozialistengesetze (1878) im schweizerischen Exil. Im Jahr 1888 zog die zentrale Bibliothek nach London um. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Bestand 3.200 Bände und 160 Zeitschriften in 373 Bänden. Nach Aufhebung der Sozialistengesetze im Jahr 1890 erfolgte der Umzug der Parteibibliothek nach Berlin.[1]

Im Januar 1899 wurde beschlossen, die SPD-Bibliothek der Heimannschen Öffentlichen Bibliothek und Lesehalle (Alexandrinenstraße 26) zur Katalogisierung zu übergeben. Dort war die SPD-Bibliothek separat von der öffentlichen Bibliothek untergebracht und unterlag einer eingeschränkten Benutzung. Um 1904 zog die SPD-Bibliothek in die Lindenstraße um (zunächst Lindenstraße 69, später Lindenstraße 3), wo auch der Parteivorstand und die Zentrale des Vorwärts ihren Sitz hatten.

Bestandsentwicklung bis 1933

Der Aufbau der Bibliothek begann mit dem Aufruf an die Parteimitglieder, Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Protokolle und Broschüren einzusenden.

Weiteren Zuwachs erhielt die SPD-Bibliothek durch Teile der Privatbibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels. Marx selbst überließ seine Bibliothek Friedrich Engels, der einen Teil in seine eigene Bibliothek aufnahm. Insgesamt ca. 2.100 Titel in 3.200 Bänden vermachte Engels 1895 der zentralen SPD-Bibliothek.

Im Jahr 1901 belief sich der Bestand bereits auf ca. 8.000 Bände. Anfang des 20. Jahrhundert profitierte die Bibliothek insbesondere vom Erwerb geschlossener Privatbibliotheken wie z.B. von August Bebel, Paul Singer, Ignaz Auer und Julius Motteler. Hinzu kamen freiwillige Abgaben von Verlagen und Zeitungsredaktionen und Tauschvereinbarungen z.B. mit Bruder- und Schwesterparteien im Ausland. Im Ersten Weltkrieg brach der Austausch von Literatur mit den internationalen sozialdemokratischen Parteien jedoch zusammen.

Aus dem Bestand der Parteibibliothek wurde im Jahr 1931 eine Sammlung von ca. 2.000 Bänden zusammengestellt und entsprechend gestempelt, um das geplante Museum im Karl-Marx-Haus in Trier zu ergänzen. Das Museums-Projekt konnte allerdings nicht mehr vor 1933 realisiert werden.[2]

Noch im Jahr 1932 erhielt die Parteibibliothek Zuwachs durch den Erwerb der Privatbibliothek von Eduard Bernstein, die aber nicht mehr in den Gesamtbestand integriert wurde. Der Bestand der SPD-Bibliothek belief sich nach Schätzungen Anfang 1933 auf etwa 20.000 bis 30.000 Bände.

Im Gebäude an der Lindenstraße befand sich Anfang der 1930er Jahre außerdem die Sammlung des russischen Fürsten David Bebutow, die er 1911 dem SPD-Parteivorstand übergeben hatte mit der Auflage, die Sammlung an die Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei (Menschewiki) weiterzugeben, sobald die politischen Umstände es erlaubten. Teil dieser russischen Sammlung war außerdem der Nachlass des russischen Menschewik Pawel Borissowitsch Axelrod.[3]

Kataloge und Verzeichnisse

Zentrale SPD-Bibliothek

Die Katalogisierung der SPD-Bibliothek wurde ab 1899 von dem Sozialdemokraten Hugo Heimann übernommen. Es wurde ein Alphabetischer Zettelkatalog angelegt, der bis 1933 weitergepflegt wurde. Im Jahr 1945 wurde eine „Kartothek“ – vermutlich dieser alphabetische Zettelkatalog – von der Preußischen Staatsbibliothek an den Berliner Zentralausschuss der SPD übergegeben. Charakteristisch für die zentrale SPD-Bibliothek sind im Zuge der Katalogisierung die Signaturen, die sich aus einer Zahlenfolge zusammensetzten. Dabei wurde offenbar nach Sprache unterschieden, sodass französischer, englischer, russischer etc. Literatur bestimmte Nummernkontingente vorbehalten waren.

Außerdem wurden zwei Systematische Kataloge angefertigt.

  • Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Systematischer Katalog Berlin, September 1901. Bibliographische Daten
  • Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Systematischer Katalog. Berlin 1927. Bibliographische Daten

Der erste gedruckte Katalog von 1901 umfasste folgende Sachkategorien[4]:
Volkswirtschaft,
Sozialwissenschaft, Sozialismus und Sozialdemokratie,
Geschichte,
Staatswissenschaften,
Rechtswissenschaft,
Krieg- und Heerwesen. Militarismus. Abrüstung- und Friedensbestrebungen,
Bildungs- und Erziehungswesen,
Religion und Philosophie,
Geographie,
Naturwissenschaft,
Medizin,
Sprach- und Literaturwissenschaft,
Allgemeines,
Zeitungen

Da während des Ersten Weltkriegs neue Materialien in die zentrale SPD-Bibliothek eingingen, die sich nicht in die bisherige Systematik einfügten, und außerdem die Spaltung der politischen Arbeiterbewegung hinzukam, wurde die Systematik angepasst und 1927 ein neuer systematischer Katalog in 3 Bänden maschinenschriftlich fertiggestellt und in kleiner Auflage gedruckt.

Zwischen 1918 und 1920 wurde außerdem ein Katalog für den russischsprachigen Bestand der SPD-Bibliothek angefertigt (etwa 450 Titel). Diese Titel haben fortlaufende Signaturen ab 44000 erhalten.[5]


Marx-Engels-Forschung

Ein separates Verzeichnis von Friedrich Engels‘ Bibliothek zum Zeitpunkt der Übergabe an die SPD-Bibliothek 1895 existiert nicht. Im Zuge der Herausgabe einer Marx-Engels-Gesamtausgabe, für die in den 1920er Jahren das Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und das Marx-Engels-Institut in Moskau zusammenarbeiteten, wurde deshalb Boris Iwanowitsch Nikolajewski Ende 1924 vom Direktor des Moskauer Marx-Engels-Instituts mit der Durchsicht der SPD-Bibliothek beauftragt und erstellte ein Verzeichnis von 1.130 Titeln in 1.414 Bänden mit Arbeitsspuren von Marx und Engels.

Das Editionsprojekt zur Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) wurde in den 1970er Jahren in deutsch-russischer Forschungskooperation in Berlin und Moskau begonnen und ab 1990 von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung (IMES) in Amsterdam fortgesetzt. Im Zuge der MEGA wurde der Buchbesitz von Marx und Engels zu etwa zwei Dritteln rekonstruiert und ein annotiertes Verzeichnis der 1.450 wiederaufgefundenen Titel in mehr als 2.100 Bänden mit bibliographischen Angaben, Standortbezeichnungen und Angaben zu Eigentumsvermerken erstellt.[6]

  • Die Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels: Annotiertes Verzeichnis des ermittelten Bestandes, bearb. von Hans-Dieter Harstick u.a., Berlin 1999. (MEGA, 4. Abt., Vorauspublikation zu Bd. 32). Bibliographische Daten, PPN = 308745825

Provenienzmerkmale

Stempel

Signatur

Nummer

Zugangsnummer der Preußischen Staatsbibliothek

Gesamtansicht - Beispiel

NS-Raubgut

Beschlagnahme und Verteilung 1933 bis 1945

Ab 1933 gerieten die Organisationen politischer Gegner unter dem NS-Regime zunehmend unter Druck. Im Juni 1933 wurde das Gebäude an der Lindenstraße besetzt und Archiv und Bibliothek beschlagnahmt. Teil dieses beschlagnahmten Bibliotheksbestands war auch die bereits gestempelte Sammlung zur Ausstattung des in Trier geplanten, aber wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht realisierten Karl-Marx-Museums.


Rettungsversuche: Internationales Institut für Sozialgeschichte (IISG), Amsterdam

Ein Teil des Bestandes – darunter vor allem Archivmaterial – konnte vor der Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht werden.[7] Der Marx-Engels-Nachlass wurde offenbar schon im Februar 1933 außer Landes gebracht und später der dänischen sozialdemokratischen Partei in Kopenhagen übergeben.

Die russische Menschewiki-Bibliothek wurde Anfang Mai 1933 mit Unterstützung des russischen Sozialdemokraten Boris Iwanowitsch Nikolajewski an die Französische Botschaft übergeben und gelangte in die französische Nationalbibliothek. Neben den 30 Paketen der russischen Bibliothek wurde weiteres Archivmaterial aus der SPD-Bibliothek verladen. In der Nationalbibliothek durfte der Bestand jedoch nicht bleiben, sodass Nikolajewski für eine andere Unterbringung in Paris sorgte.

Einen weiteren Teil der SPD-Bibliothek verschickte der Mitarbeiter Jonny Hinrichsen an das Internationale Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam.[8] Diese Sendung erreichte das IISG im August 1935.[9]

Im Jahr 1938 verkaufte der Parteivorstand der SPD im Exil (SOPADE) die Teilbestände der SPD-Bibliothek aus Kopenhagen, Paris und Amsterdam an das IISG.[10]

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 konfiszierte der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg die Buchbestände des IISG. Ein 1944 begonnener Transport ins Deutsche Reich erreichte sein Ziel nicht mehr, so dass die Bestände im Frühjahr 1946 nach Amsterdam zurückgeführt werden konnten.


Zerschlagung der zentralen SPD-Bibliothek

Bereits Ende Mai 1933 nahm der Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek mit dem Geheimen Staatspolizeiamt Kontakt auf, um die Berücksichtigung der Staatsbibliothek bei der bevorstehenden Übernahme der wissenschaftlich wertvollen Bibliothek zu sichern. Zwei Mitarbeiter begutachteten im Februar 1934 die im Gebäude an der Lindenstraße verbliebenen Buchbestände. Aufgrund der missverständlichen Bezeichnung „Archiv“ wurde die Parteibibliothek im April 1934 jedoch dem Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem überwiesen.

Die Preußische Staatsbibliothek trat daher mit dem Geheimen Staatsarchiv in intensive Verhandlungen um die zentrale SPD-Bibliothek.[11] Nachdem sich die Preußische Staatsbibliothek und das Geheime Staatsarchiv im Februar 1936 einigten, dass im Archiv nur die in der Preußischen Staatsbibliothek bereits vorhandenen Titel verbleiben sollten, begann die Zerschlagung der SPD-Bibliothek. 6.700 bibliographische Einheiten sollten nach dieser Vereinbarung der Staatsbibliothek überlassen werden. Unklar ist, in welchem Umfang das Münchener Hauptarchiv der NSDAP bereits vor Übergabe an die Preußische Staatsbibliothek Bände aus dem Bestand in Berlin-Dahlem entnommen hat. Der Restbestand blieb im Geheimen Staatsarchiv, allerdings wurden 1940 3.618 Titel an das Institut für Staatsforschung in Berlin-Wannsee und später weitere 1.300 Titel an das Staatswissenschaftlich-Statistische Seminar der Friedrich-Wilhelm-Universität abgegeben.[12]

Für die übernommenen Werke der SPD-Bibliothek wurde in der Preußischen Staatsbibliothek ein gesondertes Akzessionsjournal angelegt mit der Bezeichnung „S.P.D (Teile der Bibliothek der ehemaligen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, 1933)“. Dieses heute erhaltene Sonderjournal umfasst allerdings nur 34 Nummern, da im Rahmen der Arbeit am Preußischen bzw. Deutschen Gesamtkatalog und für die Berliner Titeldrucke lediglich die Schriften August Bebels (Reden 1870-93) aus der SPD-Bibliothek herausgezogen und katalogisiert wurden. Diese Bebel-Titel wurden dabei am 24. und 26. Oktober 1938 akzessioniert und in den Bestand eingearbeitet. Ein separates Akzessionsjournal für Zeitschriften (SPD Z) wurde aber vermutlich nie angelegt. Der Teilbestand der zentralen SPD-Bibliothek in der Preußischen Staatsbibliothek befand sich also größtenteils unbearbeitet in den Kellern des Gebäudes Unter den Linden.[13]

Nach 1945

Nach Kriegsende recherchierte der Archivar Paul Neumann im Auftrag des Berliner Zentralausschusses der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Verbleib der Parteibibliothek.[14]


Teilbestand Preußische Staatsbibliothek / Geheimes Staatsarchiv
Neumanns Suche begann in den Kellern der Preußischen Staatsbibliothek. Er fand dort 10.000 Bände aus der zentralen SPD-Bibliothek vor, die am 10. September 1945 mit einer „Kartothek“ – vermutlich der alphabetische Zettelkatalog – an den Berliner Zentralausschuss der SPD zurückgegeben wurden. Das Geheime Staatsarchiv übergab im November 1945 weitere 4.000 bis 5.000 Bände aus der zentralen SPD-Bibliothek an den Zentralausschuss der SPD.[15]

Mit der Gründung der SED unter Zwangsvereinigung der Parteien KPD und SPD im April 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone ging dieser Teil der zentralen SPD-Bibliothek in eine neue sozialistische Spezialbibliothek beim ZK der SED ein und gelangte später in die Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus (IML) in Berlin. Der Bibliotheksbestand aus dem IML befindet sich heute in der Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) im Bundesarchiv in Berlin.

Auf der Suche nach Bänden aus den Privatbibliotheken von Marx und Engels identifizierte der Direktor der Bibliothek des IML in Berlin, Bruno Kaiser, in den 1950er Jahren in diesen aus der Preußischen Staatsbibliothek stammenden SPD-Bänden 504 Titel, die auf Beschluss des ZK der SED dem Moskauer Institut für Marxismus-Leninismus als Geschenk übergeben wurden. [16]

Die Sammlung der Bände, die für das Karl-Marx-Haus in Trier vorgesehen gewesen waren, war laut Neumann hingegen 1945 aus der Preußischen Staatsbibliothek in das Ermeler-Haus (Ratsbibliothek bzw. Berliner Stadtbibliothek) transportiert worden und von dort – im Zuge von Recherchen seitens des Moskauer Marx-Engels-Lenin-Instituts (IMEL) nach Dokumenten von und über Marx und Engels – nach Moskau überführt worden.[17]


Teilbestand Institut für Staatsforschung
Die von dem Institut für Staatsforschung 1940 übernommenen Bände aus der SPD-Bibliothek wurden im Krieg ausgelagert und gelangten nach Kriegsende in verschiedene Bibliotheken in Prag bzw. zum Teil in den 1960er Jahren in den Antiquariatsbuchhandel. Einen Teil kaufte 1963 die Bibliothek des Deutschen Bundestages. Einen weiteren Teil erwarb im Jahr 1967/68 das Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung.[18]

Restitution

Nach Vereinbarung zwischen der SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), ist letztere seit 1969 berechtigt, Restitutionen aus dem Bestand der historischen zentralen SPD-Bibliothek entgegenzunehmen.

Ermittelte Exemplare

SAPMO Berlin, RGA Moskau u.a.:
Im Zuge der Marx-Engels-Gesamtausgabe wurde ein kleiner Teil der Bände aus der zentralen SPD-Bibliothek mit Provenienzspuren von Marx und Engels verzeichnet, die sich heute vor allem in der Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv Berlin (SAPMO) und im Rossijskj Gosudarstvennyj Archiv social’no-politiceskoj istorii Moskva (Russisches Staatliches Archiv für Sozial- und Politikgeschichte in Moskau) befinden. Bei Letzteren handelt es sich offenbar um die an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der KPdSU Moskau abgegebenen Titel.

  • Die Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels: Annotiertes Verzeichnis des ermittelten Bestandes, bearb. von Hans-Dieter Harstick u.a., Berlin 1999. (MEGA, 4. Abt., Vorauspublikation zu Bd. 32).
  • OPAC der Bibliothek des Bundesarchivs


Internationales Institut für Sozialgeschichte (IISG), Amsterdam:

  • SPD. Parteiarchiv Archives, 1907-1932 Collection ID: ARCH02196
  • Kleine Korrespondenz (from SPD Archives) Archives, Collection ID: ARCH01738
  • Karl Marx / Friedrich Engels Papers, Collection ID: ARCH00860
  • Eduard Bernstein Papers, Collection ID: ARCH00042
  • August Bebel Papers, Collection ID: ARCH00029
  • Julius Motteler Papers, Collection ID: ARCH00904

Bände aus der ehemaligen Bibliothek von Marx und Engels lassen sich über eine Suche nach "Collection Marx-Engels Library" finden.


SB Berlin:
In der Staatsbibliothek zu Berlin sind aufgrund der Rückgabe des überwiegenden Teils der geraubten zentralen SPD-Bibliothek im Jahr 1945 heute nur noch Einzelfunde nachgewiesen. So konnten zwei der 1938 eingearbeiteten Reden von August Bebel identifiziert werden. Die restlichen 32 Titel aus dem in der Preußischen Staatsbibliothek angelegten SPD-Journal der Preußischen Staatsbibliothek sind kriegsbedingt verlagert. Unter den Einzelfunden sind außerdem Bände, die erst nach 1945 in den Bestand gelangten, darunter Bände, die zwischen 1961 und 1981 über die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) zugingen und weitere Bände, die aus dem verlagerten Bestand des Instituts für Staatsforschung stammen.

Außerdem gelangten einige Bände über den Bibliotheksbestand des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt a. M. in die Preußische Staatsbibliothek und wurden somit an das Institut restituiert. Bei einigen weiteren Bänden weisen die Provenienzspuren darauf hin, dass es sich um Aussonderungsexemplare des Berliner SPD-Landesverbandes handelt, die somit nicht unter NS-Raubgutverdacht stehen.


GStA Berlin im Verbundkatalog:


ZLB Berlin:
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin restituierte im August 2011 Bände aus der zentralen SPD-Bibliothek (teilweise aus dem für das Karl-Marx-Haus gestempelten Bestand) an die Friedrich-Ebert-Stiftung.


Bibliothek des Deutschen Bundestages, Berlin:
Die Bibliothek des Deutschen Bundestages restituierte 2018/2019 insgesamt 81 Titel aus der zentralen SPD-Bibliothek an die Friedrich-Ebert-Stiftung.[19]


Universität Bonn, Fachbereich Rechtswissenschaft:
In den Jahren 2016 bis 2022 restituierte der Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Bonn an die Friedrich-Ebert-Stiftung insgesamt fünf Bände, die aus der historischen zentralen SPD-Bibliothek stammten. Die Provenienz der Bände, die in den 1950er und 1960er Jahren vom Juristischen Seminar sowie vom Kriminologischen Seminar bei verschiedenen Antiquariaten erworben worden waren, war nach und nach entdeckt worden.[20]

Siehe auch

Quellen

  • Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Systematischer Katalog Berlin, September 1901. Bibliographische Daten mit Volltext
  • Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Systematischer Katalog. Berlin 1927. Bibliographische Daten | Volltext Bd. 1 | Volltext Bd. 2 | Volltext Bd. 3
  • Die Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels: Annotiertes Verzeichnis des ermittelten Bestandes, bearb. von Hans-Dieter Harstick u.a., Berlin 1999. (MEGA, 4. Abt., Vorauspublikation zu Bd. 32). Bibliographische Daten, PPN = 308745825
  • Bruno Kaiser/ Inge Werchan (Hrsg.), Ex libris: Karl Marx und Friedrich Engels. Schicksal und Verzeichnis einer Bibliothek, Berlin 1967. Bibliographische Daten, PPN = 02260250X
  • IISG, Labour and Socialist International Archives, „Dossier betr. die Verhandlungen mit dem IISG Amsterdam und dem Marx-Engels-Instituts Moskau und den Verkauf des Archivs der SPD an das IISG insbes. des Marx-Engels-Nachlasses. 1935–1936“, Collection ID: ARCH01368.4102.

Literatur

  • Cornelia Briel, Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet. NS-Raubgut, Reichstauschstelle und die Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945, Berlin 2013, [v.a. S. 166–174].
  • Rolf Hecker, Marx-Engels-Dokumente dem „IMEL zugeführt“. Zur Requirierungsaktion des Moskauer Marx-Engels-Lenin-Instituts 1945/46, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung 39.2 (1997), S. 68–81.
  • Paul Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs und das Schicksal des Marx-Engels-Nachlasses, in: Archiv für Sozialgeschichte VI/VII (1966/67), S. 5–198.
  • François Melis, Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek 1945/46: Eine späte Würdigung von Paul Neumann, in: Carl-Erich Vollgraf (Hrsg.), Die Marx-Engels-Werkausgaben in der UdSSR und DDR (1945–1968), Hamburg 2006, S. 95-140.
  • Larissa Miskewitsch/ Nelly Rumjanzewa, Zum Schicksal der russischen Bücher aus den Bibliotheken von Marx und Engels, in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 29 (1990), S. 214–226.
  • Mario Piel, Restitution: Die Suche nach 13 Büchern aus der ehemaligen SPD-Bibliothek im Bestand der Bibliothek des Deutschen Bundestages, in: APBB aktuell 70 (Juli 2019), S. 4–5.
  • Holger Scheerer, Bundestagsbibliothek und Restitution: Die Rückgabe von 81 Büchern der ehemaligen SPD-Bibliothek, in: APBB aktuell 70 (Juli 2019), S. 6–7.
  • Michaela Scheibe/ Friederike Willasch, Sozialistica in der Preußischen Staatsbibliothek – eine Spurensuche, in: ZfBB 66.5 (2019), S. 214–224.
  • Hannah Schneider, Der ‚Gründungsbestand‘ der Friedrich-Ebert-Stiftung im Fokus der Provenienzforschung, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 8.1 (2021). https://doi.org/10.5282/o-bib/5647.
  • Rüdiger Zimmermann, Das gedruckte Gedächtnis der Arbeiterbewegung bewahren: Die Geschichte der Bibliotheken der deutschen Sozialdemokratie, 3. Aufl. Bonn 2008.

Weblinks

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Für die folgenden Erläuterungen vgl. Zimmermann, Arbeiterbewegung.
  2. Vgl. auch Melis, Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek, S. 97, 104f.
  3. Vgl. IISG, SPD Parteiarchiv, Akte "Schenkungsurkunde, Benutzungsordnung und Korrespondenz, betr. die Bibliothek des Fürsten David I. Bebutow (Bebutoff) . 1911, 1922", Collection ID: 2196.14 Digitalisat.
  4. Nach Zimmermann, Arbeiterbewegung, S. 20ff.
  5. Vgl. dazu Miskewitsch/ Rumjanzewa, Zum Schicksal der russischen Bücher aus den Bibliotheken von Marx und Engels, S. 215f.; Die Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels, S. 57, 91.
  6. Zum Projekt vgl. auch Artikel über die MEGA in der dt. Wikipedia; MEGA an der BBAW.
  7. Zu den nach Amsterdam gelangten Teilbeständen der zentralen SPD-Bibliothek vgl. detailliert bei Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs.
  8. Über diese bereits 1933 verpackte Sendung wurde ein Sachverzeichnis angefertigt. Vgl. IISG, Paul Hertz Papers, Akte „Verbleib des Parteiarchivs“, Collection ID: ARCH00563.16 1 f 8. Digitalisat
  9. Das IISG ließ eine Liste der eingegangenen Dokumente und Bücher anfertigen: Inventarliste „Bibliothek und Archiv der SPD-Berlin (3 Kisten, 2 Blechkoffer)“, Eingang 24. August 1935, in: IISG, Archief Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis, Akte „Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Sopade). 1934-1936, 1938-1939“, Collection-ID: 619. 194. Digitalisat
  10. Der Kaufvertrag ist abgedruckt bei Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs, S. 193f.
  11. Vgl. detailliert bei Briel, Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet, S. 171ff.
  12. Vgl. Die Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels, S. 65; Zimmermann, Arbeiterbewegung, S. 36.
  13. Vgl. Briel, Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet, S. 173; Scheibe/ Willasch, Sozialistica, S. 217.
  14. Vgl. dazu detailliert bei Melis, Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek.
  15. Vgl. Paul Neumann, Notiz über die Mitnahme der Kartothek aus der Preußischen Staatsbibliothek, 10. August 1945, in: Melis, Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek, S. 122; Paul Neumann an die Preußische Staatsbibliothek, Empfangsbestätigung der Bibliothek, 10. September 1945, in: ebd., S. 122; Bericht von Paul Neumann, 28. Januar 1946, in: ebd., S. 133ff.
  16. Vgl. Kaiser/ Werchan, Ex libris: Karl Marx und Friedrich Engels.
  17. Vgl. Brief von Paul Neumann an den Magistrat der Stadt Berlin, 29. Oktober 1945, in: Melis, Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek, S. 126; Brief des Magistrats der Stadt Berlin an den Zentralausschuss der SPD, 29. Oktober 1945, in: ebd., S. 127; Brief von Wladimir Semjonowitsch Kruschkow (Direktor IMEL) an Georgij Fjodorowitsch Aleksandrow, Februar 1946, in: Hecker, Marx-Engels-Dokumente, S. 80.
  18. Vgl. Scheerer, Bundestagsbibliothek und Restitution, S. 6; Zimmermann, Arbeiterbewegung, S. 36f.
  19. Vgl. Scheerer, Bundestagsbibliothek und Restitution; Piel, Restitution.
  20. Vgl. Carl Erich Kesper, Willkommen zurück! Ludwig Fulds Schrift zur Aufhebung des Sozialistengesetzes wieder in der alten SPD-Parteibibliothek, in: FES, Bibliotheks-Blog, 18.6.2018, letzter Zugriff vom 2.6.2022.