Sammlung Edwin Redslob

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Die Sammlung Edwin Redslob wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Kunsthistoriker Edwin Redslob aufgebaut und konzentriert sich schwerpunkmäßig auf die Goethezeit und auf die Kunst der Moderne.

Sammlungsschwerpunkte

Die Sammlung Edwin Redslob hatte zwei Schwerpunkte. Zum einen sammelte Redslob expressionistische Werke und erwarb bereits frühzeitig Grafiken und Künstlerbücher von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Christian Rohlfs und Heinrich Nauen.

Zum anderen richtete sich Redslobs Sammeltätigkeit auf die Epoche zwischen Aufklärung und Biedermeier, es entstand insbesondere seine sogenannte Goethe-Sammlung oder auch Weimar-Bibliothek. Zu seiner Sammlung zählten Publikationen Goethes und aller relevanten Dichter, Wissenschaftler, Theologen, Philosophen und Dramatiker aus dieser Zeit mit Bezug zum klassischen Weimar. Redslobs Augenmerk lag insbesondere auf Erstausgaben sowie Sonder- und Jubiläumsausgaben. Nach dem Tod seiner Eltern wurde die Sammlung durch alle Werke Friedrich Schillers in Erstausgaben ergänzt. Neben Büchern sammelte Redslob auch historische Zeitungen und Zeitschriften, Flugblätter, fürstliche Dekrete, Theaterzettel und Plakate, Briefe und Autografen.[1] Ebenso zählten zu seiner Sammlung Porträts und alte Ansichten Weimars wie auch anderer Goethestätten, darüber hinaus Möbel und Gebrauchsgegenstände weimarischer Herkunft. [2] Thematisch formierte sich Redslobs Sammlung besonders um die Bereiche der weimarischen Geschichte, des Weimarer Parks, des Theaters der Goethe-Zeit, der Kunst des Goethe-Kreises sowie der Persönlichkeiten und Ereignisse des 19. Jahrhunderts.[3] Allein die Bibliothek zur Weimarer Klassik schien bis zu Redslobs Tod auf bis zu 14.000 Bände angewachsen zu sein.[4]

Geschichte der Sammlung

Geboren in Weimar war Redslobs Familiengeschichte wie auch die seiner Ehefrau Charlotte eng mit Weimar und Johann Wolfgang von Goethe verknüpft.[5] Nach eigener Aussage begann Redslobs Sammeltätigkeit mit einer Originalausgabe Goethes, die er in einem Antiquariat erworben hatte: „Das war der eigentliche Anfang meiner Weimar-Sammlung […].“[6]

Insbesondere in den 1930er Jahren bildete sich das Profil der Sammlung heraus. Redslobs publizistische Aufträge und seine schriftstellerische Tätigkeit konnten sein Einkommen zunächst kaum aufbessern, sodass er finanzielle Engpässe mit Verkäufen aus seiner Sammlung ausglich. Expressionistische Werke konnte Redslob unter dem nationalsozialistischen Regime zwar nicht veräußern, aber er bot beispielsweise 1935 Autografen von Ottilie von Goethe und des Weimarer Landesfürsten Carl August als auch Zeichnungen der Weimarer Malerschule beim Berliner Auktionator J. A. Stargardt an.[7] In einer weiteren Auktion bei Stargardt verkaufte Redslob 1937 grafische Werke des frühen 19. Jahrhunderts. [8] Doch Redslob verkaufte nicht nur: Wenn seine finanzielle Lage es zuließ, kaufte er auch neue Objekte hinzu, sodass sich das Profil seiner Sammlung zunehmend schärfte. Objekte mit nur indirektem Bezug zum Weimarer Hof oder dem intellektuellen Leben in der Goethezeit sortierte Redslob aus und veräußerte vor allem Dubletten und weniger kostbare Objekte.[9]

Den zweiten Weltkrieg überstand Redslobs Sammlung offenbar unbeschadet. Die zunehmenden Luftangriffe auf Berlin 1943 veranlassten Redslob, über eine Auslagerung seiner Sammlung aus seinem Haus in Potsdam-Babelsberg nachzudenken und nach entsprechenden Möglichkeiten zu suchen. Im Februar 1944 kontaktierte Redslob schließlich die brandenburgische Kulturverwaltung, die für die Sicherung der Bestände der Potsdamer Schlösser und Gärten, Schulen und Bibliotheken zuständig war: „Nachdem die letzten Terrorangriffe auch Babelsberg galten und unserem Haus infolge der Erschütterung immerhin einige Schläge verursachten, erlaube ich mir die Anfrage, ob die Schutzmaßnahmen für Kunstbesitz und wertvolle Bibliotheken […] auch auf Besitz und Studienmaterial Privater ausgedehnt werden kann. In diesem Fall möchte ich den Antrag stellen, dass wenigstens ein paar antike Möbel sowie Bilder und Plastiken von Kunstwert, ein paar Beispiele alten Kunstgewerbes und je nach Platz und Trockenheit einige Kisten mit Büchern (Erstausgaben) und graphischen Blättern in Obhut der Kulturabteilung des Oberpräsidenten zu nehmen.“ [10] Am 10. Mai 1944 hatte Redslob 26 Kartons gepackt, die abgeholt und verlagert wurden – wohin bleibt unklar. Den Wert der ausgelagerten Bestände gab er mit 20.000 Mark an. Einige Bücher, auf die er für die Bearbeitung mehrerer publizistischer Aufträge – er schrieb unter anderem für den Reclam Verlag an einer weiteren umfänglichen Biografie über Johann Wolfgang von Goethe – angewiesen war, blieben in Potsdam. 1948 wurden die Bestände zurückgeführt und Redslob präsentierte seine Sammlung in mehreren Ausstellungen, u.a. 1948 im Schloss Charlottenburg unter dem Titel „Goethe und seine Zeit“. [11]

Über seine Goethe-Sammlung schrieb Redslob 1972: „Sie ist […] nicht groß genug, um als solche erhalten und verwaltet zu werden.“ [12] Neben den großen Goethesammlungen und -museen in Frankfurt und Weimar war Redslobs Sammlung dennoch eine der bedeutenden Privatsammlungen in Deutschland zu Goethes Weimar. Er konkurrierte freundschaftlich mit dem Insel-Verleger Anton Kippenberg, der über reichere finanzielle Mittel als Redslob verfügte und wohl die umfangreichste Privatbibliothek zu Goethe in Deutschland besaß. Als Anton Kippenberg 1950 starb, gründeten seine Erben eine selbstständige Stiftung mit Sitz in Düsseldorf, um seine Goethesammlung mit ca. 25.000 Zeugnissen als Ganzes zu erhalten.[13] Da Redslob dem Insel-Verleger viele Jahre freundschaftlich verbunden gewesen war, entschied er sich 1968 dazu, auch ein Konvolut zur Weimarer Klassik aus seiner Sammlung dem Goethe-Museum Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung zu übergeben und damit die dortigen Bestände um die Schwerpunkte Weimar und weimarische Geschichte vor der Goethezeit und im 19. Jahrhundert, bildende Kunst und Kulturgeschichte zu ergänzen. Zu den mehr als 500 Objekten, die Redslob übergab, zählten unter anderem Autografen, Ölgemälde, Zeichnungen und Aquarelle, Möbel, Grafiken, Drucke und Zeitungsausschnitte. Die Übergabe beinhaltete auch die geschlossene Schiller-Bibliothek in Erstausgaben. [14] Nach Redslobs Tod wurden weitere Bestände von Redslobs Witwe Charlotte verkauft [15] oder gingen in den Besitz von Redslobs Tochter Ottilie Selbach über.

Provenienzmerkmale

Etikett Sammlung Edwin Redslob

Etikett Goethe-Sammlung

Ermittelte Exemplare

Ca. 500 Exponate und Bücher mit Bezug zur Weimarer Klassik übereignete Edwin Redslob 1968 dem Goethe-Museum in Düsseldorf:

Weitere Drucke aus der Sammlung Edwin Redslob sind 1997 mit dem Nachlass und der Übereignung der Privatbibliothek von Redslobs Tochter Ottilie Selbach und ihrem Ehemann Helmut Selbach in den Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin gelangt.

Ottilie Selbach schenkte 1999 einen Teil des Nachlasses von Edwin Redslob – darunter eine Sammlung von Separatdrucken und Druckschriften mit Aufsätzen von Edwin Redslob, eine Autographensammlung (15.-20. Jahrhundert) und Drucke verschiedener Autoren – dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar (Bestand Redslob, Edwin).

Weitere Bände mit der Provenienz der Sammlung Edwin Redslob sind in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar nachzuweisen:

Literatur

  • Christina Kröll, Sammlung Redslob, in: Jörn Göres (Hg.), Hausschätze im Schatzhaus. Privatsammlungen in der Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung. Eine Ausstellung des Goethe-Museums Düsseldorf, Düsseldorf 1981, S. 61-91.
  • Edwin Redslob, Von Weimar nach Europa. Erlebtes und Durchdachtes, hrsg. von Paul Raabe, Jena 1998.
  • Weimar zur Goethezeit. Bilder, Drucker und Handschriften aus der Sammlung Edwin Redslob. Eine Sonderausstellung im Schiller-Nationalmuseum Marbach a.N. vom 13. Mai bis 15. November 1961, hrsg. von Walther Migge, Bernhard Zeller, Stuttgart 1961.
  • Christian Welzbacher, Edwin Redslob. Biografie eines unverbesserlichen Idealisten, Berlin 2009.
  • Christian Welzbacher, Sammlung des Kunst- und Kulturhistorikers Edwin Redslob (1884–1973), in: Privates und öffentliches Sammeln in Potsdam. 100 Jahre „Kunst ohne König“, hrsg. vom Potsdam Museum und Potsdamer Kunstverein e.V., Berlin 2009, S. 114–118.

Siehe auch

Weblinks

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Vgl. Welzbacher, Edwin Redslob, S. 251-253.
  2. Vgl. Redslob, Von Weimar nach Europa, S. 285.
  3. Vgl.Kröll, Sammlung Redslob, S. 64f.
  4. Vgl. dazu Welzbacher, Sammlung, S. 115.
  5. Detailliertere Ausführungen bei Kröll, Sammlung Redslob, S. 61f.
  6. Zitiert nach: Redslob, Von Weimar nach Europa, S. 285.
  7. Vgl. J. A. Stargardt (Hg.), Autographen, Handzeichnungen und graphische Blätter des XVI. - XX. Jahrhunderts: 11. und 12. Oktober 1935, Berlin, 1935, Digitalisat. Redslobs Einlieferungen sind dem Auktionskatalog mit dem Kürzel „ 4.Dr.E.R., Berlin“ vermerkt. Detailliertere Informationen auch bei Welzbacher, Edwin Redslob, S. 251.
  8. Vgl. J. A. Stargardt (Hg.), Autographen, Bücher und Handzeichnungen: [darunter Briefe und Manuscripte von Bismarck, Brentano, ..., Widmungs-Exemplare Richard Wagners, Briefe und Handzeichnungen von Chodowiecki, ..., Erstausgaben der deutschen Literatur] ; Versteigerung 28. April 1937 (Katalog Nr. 383), Berlin 1937, Digitalisat. Das Einlieferungskürzel Redslobs ist in diesem Katalog „[11] R., Neubabelsberg“. Darüber hinaus können Einlieferungen von Redslob bei Boerner in Leipzig (vgl. C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat (Hg.), Neuere deutsche Handzeichnungen, alte, meist niederländische Handzeichnungen, deutsche Graphik des 19. Jahrhunderts: Versteigerung 19. Juni 1937 (Katalog Nr. 195), Leipzig 1937, Digitalisat) und bei Perl in Berlin (vgl. Max Perl (Hg.), Deutsche Literatur, illustrierte Bücher des 19. Jahrh., Bücher des 15. - 20. Jahrh., alte u. moderne Graphik, Handzeichnungen, Städteansichten: [...] 18. und 19. März 1937 [...] (Katalog Nr. 196), Berlin 1937, Digitalisat) nachverfolgt werden. Hinzu kommen auch private Veräußerungen. Vgl. dazu bspw. Welzbacher, Edwin Redslob, S. 252.
  9. Vgl. Welzbacher, Edwin Redslob, S. 252.
  10. Edwin Redslob an Prof. Dr. Karpa, Verwaltung des Provinzialverbandes beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, Kulturabteilung, 20. Februar 1944, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Deutsches Kunstarchiv, NL Redslob, Edwin, I B-169c, zitiert nach: Welzbacher, Edwin Redslob S. 308.
  11. Dazu ausführlicher bei Welzbacher, Edwin Redslob, S. 306-309, 472.
  12. Zitiert nach: Edwin Redslob, Von Weimar nach Europa, S. 285f.
  13. Vgl. Regine Zeller, Bibliothek des Goethe-Museums Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Hildesheim 2003 Online Ausgabe.
  14. Einen Einblick in den Bestand von Redslobs Goethe-Sammlung gibt die Ausstellung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach a.N. „Weimar zur Goethe-Zeit“ im Jahr 1961, vgl. Weimar zur Goethezeit.
  15. Vgl. Welzbacher, Sammlung, S. 118.