Protokoll vom 21.5.2008

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Deutscher Bibliotheksverband

AG Handschriften und Alte Drucke

UAG: Provenienzforschung und Provenienzerschließung

2. Sitzung am 21.05.2008 in Berlin




Teilnehmer:

  • Reinhard Feldmann (ULB Münster)
  • Annelen Ottermann (StB Mainz)
  • Dr. Bernd Reifenberg (UB Marburg)
  • Michaela Scheibe (SB Berlin, Sprecherin)
  • Dr. Jürgen Weber (HAAB Weimar)
  • Ruth Weiß (SB Berlin, Protokoll)


Entschuldigt: Dr. Kathrin Paasch (UFB Erfurt/Gotha)


Tagesordnung

  1. Begrüßung der Teilnehmer
  2. Perspektiven für eine verbundübergreifende Provenienz-Normdatei im Zusammenspiel mit PND, GKD, SWD
  3. Weiterentwicklung der kooperativen Provenienzerschließung: Datenmodelle für die verbundweite Provenienzerschließung und –recherche im GBV/in PICA
  4. Anwendung des Weimarer Erschließungsmodells in anderen Verbünden (HeBIS, Aleph)
  5. Verschiedenes


Begrüßung und Regularien (TOP 1)

Frau Scheibe als Sprecherin begrüßt die Teilnehmer der Sitzung in Berlin. Als neue Mitglieder sind seit der konstituierenden Sitzung der UAG Frau Annelen Ottermann (StB Mainz) und Frau Dr. Kathrin Paasch (UFB Erfurt/Gotha) hinzugekommen.


Perspektiven für eine verbundübergreifende Provenienz-Normdatei (TOP 2)

Frau Scheibe hat Kontakt zu Frau Hengel-Dittrich, Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) an der DNB, aufgenommen. Die AfS steht dem Vorschlag, in dem geplanten gemeinsamen Normdatenpool aus PND, GKD und SWD auch Normdatensätze für Vorbesitzer zuzulassen, aufgeschlossen gegenüber. Die Situation ist momentan sehr günstig, da seit Februar 2008 eine Expertengruppe an der Zusammenführung von PND, GKD und SWD arbeitet und Erweiterungswünsche hinsichtlich der Provenienznormdaten in diesen ohnehin tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess integriert werden können. Vorschlag: Soweit PND-/GKD-/SWD-Sätze vorhanden sind oder angelegt werden können, sollen diese genutzt und durch weitere Angaben aus der Provenienzerschließung ergänzt werden. Liegen keine ausreichenden Informationen vor, oder lässt sich eine Person bzw. Körperschaft nicht eindeutig identifizieren, werden eigene Normdatensätze auf einem niedrigen Katalogisierungslevel eingebracht (Tp9 = Personennormdatensatz aus der Provenienzerschließung). Auch Monogramme könnten so erfasst werden. Können neue Erkenntnisse gewonnen werden, werden die Sätze hochgestuft.

Die Datensätze müssen als Provenienznormdatensätze selektierbar und als Teilbestand recherchierbar sein. Die UAG wird noch einmal hinterfragen, ob eine Kennung in Kategorie 011 (Teilbestands- und Verwendungskennzeichen) ausreicht. Frau Ottermann berichtet, dass für Provenienznormdatensätze aus HeBIS in der PND bereits das Kennzeichen 011 /h vorgesehen ist.

Für die Nutzung der PND (perspektivisch auch der GKD und SWD) für die Provenienzerschließung werden nur wenige zusätzliche Kategorienfelder benötigt. Unverzichtbar sind ein Kommentarfeld und eine wiederholbare Kategorie (486), in der Links zu Images eingetragen werden können. Es muss ausreichend Platz für Quellenangaben zur Verfügung stehen, insbesondere für Angaben zur Herkunft biographischer und institutionsbezogener Informationen. (Frau Scheibe weist auf die – verbindliche – Prioritätenliste der Nachschlagewerke hin, welche jedoch eher für Fälle relevant sein dürfte, in denen ohnehin ein regulärer Normdatensatz auf einem höheren Level erfasst werden kann.)

Frau Scheibe und Frau Ottermann berichten, dass die AfS und die HeBIS-Verbundzentrale offenbar keine grundsätzlichen Einwände gegen Provenienz“körperschaften“ haben, die nicht den Ansetzungsregeln für Körperschaften nach RAK-WB entsprechen, da es schon durch die Einträge aus der SWD zu einer größeren Vielfalt von Satzarten kommt. Auch die SWD sieht z.B. Einträge für Familien vor (Name <Familie>).

Die HeBIS-Bibliotheken und die SB Berlin werden in enger Absprache die Integration der provenienzspezifischen Informationen in die verbundübergreifenden Normdaten (PND/GKD/SWD) weiter vorantreiben. Hierzu müssen weitere Gespräche mit der AfS (Frau Hengel-Dittrich) geführt werden.

Verwaltung der Bilddateien

Images können sowohl mit Normdaten gelinkt werden (z.B. Scans von Exlibris, Stempeln, Supralibros, Autogrammen), als auch mit Exemplarsätzen (z.B. Scans auf Einzelwerke bezogener Widmungen).

Benötigt werden persistente URLs bzw. URNs. Auf welchen Servern können die Images hinterlegt werden? In HeBIS vermutlich auf dem Server der Verbundzentrale. In der SB Berlin wird zurzeit eine Interimslösung praktiziert, ein späterer Transfer ist unumgänglich. Ob zentrale Speicherkonzepte oder aber bibliotheksinterne Lösungen verfolgt werden, soll den einzelnen Institutionen überlassen bleiben. Wichtig ist aber eine persistente Adressierung der Images.

Empfehlungen für die Präsentation der Images:

  • in Textfeldern können Erläuterungen eingetragen werden: insbesondere sollte die Herkunft eines Bildes belegt werden (Bibliothek+Signatur)
  • in Maßstab ist nützlich (z.B. zur Prüfung der Echtheit von Stempeln u.a.m.)

Die UAG befürwortet den Vorschlag, dass vor dem Link die abgebildete Evidenz mit dem entsprechenden Thesaurusbegriff erfasst werden soll (ggf. über ein eigenes Unterfeld). Dies ermöglicht gezielte Recherchen nach Images von bestimmten Evidenzen (z.B Exlibris, Stempel usw.).

Umsetzung der Altdaten

Im GBV, wo bereits seit einigen Jahren Provenienzen erfasst werden, muss über ein maschinelles oder halbmaschinelles Zusammenspielen der lokalen Normdatensätze (Tdx) mit PND- bzw. GKD-Sätzen nachgedacht werden. Die Selektion könnte anhand der Quellenangabe „Tpv“ bzw. „Tbv“ in Kategorie 901 erfolgen. Die Hauptansetzungsform dürfte i.d.R. übereinstimmen. Zunächst soll in den Tdx-Sätzen eine Kategorie eingerichtet werden, in der die PND-(bzw. GKD-/SWD-)Identnummer eingetragen werden kann (vorgesehen ist Kategorie 990: keine Anzeige in OPACs und GVK).

Verbundübergreifende Recherche

Da der DFG-Antrag zur Einrichtung eines Provenienzportals abgelehnt wurde, stehen derzeit keine Finanzmittel zur Verfügung. Denkbar erscheint unter diesen Voraussetzungen eine Suchmaschine („KVK-Lösung“): Abfrage verschiedener Verbünde gleichzeitig. Dieses Modell würde keine separate Datenhaltung und Indexierung erfordern, sondern auf die Indizes der Verbünde zurückgreifen. Darüber hinaus könnte der provenienzrelevante Teilbestand der PND/GKD/SWD über eine eigene Oberfläche für die verbundübergreigfende Provenienzrecherche angeboten werden.


Weiterentwicklung der verbundweiten Provenienzerschließung und –recherche in PICA und Aleph (TOP 3/4)

Frau Ottermann und Herr Dr. Reifenberg berichten über Planungen zur Provenienzerschließung in HeBIS. Für nicht ausreichend individualisierbare Personen sind verbundinterne Tnp-Sätze und der Vermerk „ungeklärte Provenienz“ vorgesehen [jetzt: „Tni-Sätze“; Ergebnis des 4. Treffens der Adhoc-AG Provenienzerschließung im HeBIS-Verbund vom 29.5.2008]. Alternativvorschlag der UAG: verbundübergreifende Normdatensätze auf niedrigem Katalogisierungslevel, s. TOP 1.

Links zwischen Normdaten und Provenienzeinträgen und ILN-übergreifende Suche Die HeBIS-Verbundzentrale sieht nach Auskunft von Frau Ottermann und Herrn Dr. Reifenberg kein Problem in der Verknüpfung überregionaler Normdaten (PND/GKD/SWD) mit Exemplarsätzen. Genau entgegengesetzt ist die Reaktion der Verbundzentrale Göttingen (VZG) des GBV. Vor allem sieht man dort Probleme beim Nachvollziehen von Umlenkungen. Die VZG favorisiert stattdessen die im VD 17 praktizierte Präsentation von Provenienzvermerken auf bibliographischer Ebene. Dieses Verfahren halten jedoch sowohl die Mitglieder der UAG als auch die Arbeitsgemeinschaft Alte Drucke beim GBV (AAD) für nicht sachgemäß (Vermischung der Ebenen; Aufblähung der bibliographischen Beschreibungen mit langen Reihen verschiedener Provenienzeinträge; Qualifizierung z.B. einer ganzen Ausgabe als NS-Raubgut).

Eine Nachfrage der HeBIS-Verbundzentrale bei OCLC/PICA hat ergeben, daß die ILN-übergreifende Indexierung / Recherche der Provenienzdaten auf Exemplarebene (Kategorien 68xx) technisch derzeit nicht möglich ist, aber ohne größeren Programmieraufwand eingerichtet werden könnte. Um trotz der umfangreichen "Wunschliste" bei OCLC/PICA eine zeitnahe Umsetzung zu erreichen, wird ein gemeinsames Auftreten der interessierten PICA-Verbünde angestrebt.

Leider hat eine Umfrage unter den Mitgliedern der AAD beim GBV bisher nur vereinzelte Reaktionen erbracht. Frau Scheibe wird als Mitglied der AAD versuchen, weitere Rückmeldungen zu bekommen und gleichzeitig die Frage der ebenenübergreifenden Verknüpfung von Normdaten und Exemplarsätzen mit Hinweis auf HeBIS erneut mit der VZG erörtern.

Die UAG ist übereinstimmend der Meinung, dass die direkte Verlinkung der PND-/GKD-/SWD-Sätze mit der Exemplarebene zusammen mit einer verbundweiten Indexierung / Recherchemöglichkeit der Provenienzdaten die beste Lösung für die Weiterentwicklung der kooperativen Provenienzerschließung darstellt.

Provenienzdeskriptoren

Geplant ist in HeBIS, die Deskriptoren aus dem Thesaurus der Weimarer Empfehlungen zur Provenienzerschließung (s. http://aad.gbv.de/empfehlung/aad_provenienz.pdf) zu benutzen, jedoch keine Ketten zu bilden, sondern die Thesaurusbegriffe als Stichwörter zu verknüpfen. zum GBV ist dafür die Kategorie 6899 (wiederholbar) [=neuer Stand, nach 4. Treffen der Adhoc-AG Provenienzerschließung im HeBIS-Verbund vom 29.5.2008] vorgesehen (Link zum Normdatensatz in 6880 ff., Kommentare in 4801: wie GBV).

Die Syntax ist aus Sicht von Herrn Dr. Weber relativ unerheblich. Frau Scheibe u.a. geben jedoch zu bedenken, dass die Ketten Voraussetzung für eine Phrasenindexierung und –recherche sind. Wird darauf verzichtet, ist die kombinierte Recherche z.B. eines bestimmten Namens mit einem bestimmten Deskriptor nur eingeschränkt möglich: Bei größeren Datenmengen erhält man schnell eine zu große Treffermenge. (Beispiel: Gesucht werden Exemplare mit dem hs. Namenszug von Johann Conrad Causenius. Die Recherche mit Causenius + Autogramm führt zu allen Titeln mit einem Exemplar aus der Provenienz Causenius und einem Exemplar, bei dem der Deskriptor „Autogramm“ verwendet wurde. Dieser Begriff kann jedoch in Kombination mit ganz anderen Namen (Müller, Schulze, …) in ganz anderen Exemplaren vorkommen.) In einem umfangreichen Datenpool könnten am Ende nur noch die Namen sinnvoll recherchiert werden. Die HeBIS-Kollegen werden das Problem noch einmal in ihrem Kreis und mit ihrer Verbundzentrale erörtern. [Zusatzinformation: auf der Sitzung vom 29.5. entschied sich die HeBIS-AG erneut gegen Kettenbildung.]

Situation im HBZ

Herr Feldmann berichtet von Initiativen seitens der Bibliotheken im HBZ: Bonn, Münster und Düsseldorf sind dabei, Anforderungen für die Provenienzerschließung zu formulieren. Grundlage bilden die Weimarer Empfehlungen, eine Insellösung soll vermieden werden. In Münster ist vorgesehen, im Anschluss an die Retrokatalogisierung Provenienzen in Zusammenhang mit der Revision des Altbestands zu erfassen.


Verschiedenes (TOP 5)

Herr Dr. Weber unterstreicht, dass die exemplarspezifische Erschließung nicht auf alte Drucke beschränkt ist. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Ermittlung von NS-Raubgut, aber auch auf der Erschließung von Nachkriegserwerbungen z.B. im Zusammenhang mit der Bodenreform in Ostdeutschland.

CERL

Initiativen zur Provenienzerschließung gibt es auch im Rahmen des Consortium of European Research Libraries (CERL). Dazu wurde eine AG gegründet, in der Herr Dr. Weber Mitglied ist. Zur zeit wird ein Fragebogen zur aktuellen Praxis und zum Interesse an der Provenienzerschließung in Bibliotheken vorbereitet. Außerdem ist die Erstellung von Guidelines zur Provenienzdokumentation geplant. Eine Grundlage dürfte der Thesaurus der American Library Association (ALA) sein, auf dem sowohl der französische (Lyon) als auch der dreisprachige Weimarer Thesaurus basieren. Damit gibt es eine gute Grundlage für die Entwicklung internationaler Standards. Im CERL-Thesaurus sind Provenienzen aus den Einträgen in der Hand Press Book Database (HPB) und des GBV bereits jetzt bibliotheksübergreifend recherchierbar: Suche mit „personal names“, eingeschränkt auf „Provenance only“.

Mailingliste – Provenienz-Wiki

Frau Ottermann schlug vor, eine Mailingliste zur Provenienzforschung zu eröffnen, was jedoch ohne regelmäßige Redaktion für problematisch gehalten wird. Die Mitglieder der UAG einigen sich auf die Einrichtung eines Provenienz-Wikis. Die Teilnahme ist nach persönlicher Anmeldung über Frau Scheibe mittels einer Kennung möglich. Frau Scheibe wird sich mit Herrn Diedrichs von der VZG in Verbindung setzen und die Einrichtung des Provenienz-Wikis mit der dort bereits genutzten Software MediaWiki beantragen. Zunächst wird die Datenstruktur festgelegt und durch einige Einträge illustriert. Um Vorschläge für die Strukturierung bzw. Kategorienbildung innerhalb des Wikis wird gebeten. [Zusatzinformation: Parallel dazu wurde die HeBIS-IT beauftragt, eine unmoderierte überregionale Mailingliste mit Archivfunktion und Anmeldung über die VZ einzurichten./ Ergebnis des 4. Treffens der Adhoc-AG Provenienzerschließung im HeBIS-Verbund vom 29.5.2008]



Nächster Termin
03.12.2008, 11 – 16 Uhr in Münster