Protokoll der Sitzung vom 28.05.2010

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Deutscher Bibliotheksverband

AG Handschriften und Alte Drucke

UAG: Provenienzforschung und Provenienzerschließung

5. Sitzung am 28. Mai 2010 in Dresden




Teilnehmer

  • Frank Aurich (SLUB Dresden-Begrüßung)
  • Jana Kocourek (SLUB Dresden)
  • Norman Köhler (SLUB Dresden)
  • Katharina Meyer (SLUB Dresden)
  • Dr. Bernd Reifenberg (UB Marburg)
  • Michaela Scheibe (SB Berlin, Sprecherin)
  • Dr. Jürgen Weber (HAAB Weimar)

Entschuldigt:

  • Reinhard Feldmann (ULB Münster)
  • Annelen Ottermann (StB Mainz)
  • Dr. Kathrin Paasch (UFB Erfurt/Gotha)

Tagesordnung

  1. Begrüßung der Teilnehmer durch Herrn Aurich (Leiter der Abteilung Sammlungen, an die das Dresdner Provenienzrecherche-Projekt angebunden ist)
  2. Frau Scheibe begrüßt als Sprecherin die Teilnehmer
  3. Frau Meyer wird als Gast in der UAG begrüßt
  4. Genehmigung des Protokolls der Sitzung vom 11. September 2009 in Weimar

Begrüßung, Protokoll der letzten Sitzung (TOP 1)

  • Begrüßung der Teilnehmer durch Herrn Aurich (Leiter der Abteilung Sammlungen, an die das Dresdner Provenienzrecherche-Projekt angebunden ist)
  • Frau Scheibe begrüßt als Sprecherin die Teilnehmer
  • Frau Meyer wird als Gast in der UAG begrüßt
  • Genehmigung des Protokolls der Sitzung vom 11. September 2009 in Weimar

Provenienz-Normdaten: Nutzung der SWD für die Provenienzerschließung / Normsätze zu seriellen Provenienzmerkmalen (TOP 2)

Aufgrund der im Oktober 2009 abgegebenen Voten der DBV-AG Handschriften und Alte Drucke und der Arbeitsgemeinschaft Alte Drucke (AAD) beim GBV hat die Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) der DNB im März 2010 einen Formatentwurf für die Erfassung von seriellen Provenienzmerkmalen in der SWD vorgelegt. Die vorgeschlagene Einführung von SWD-Normsätzen für Provenienzmerkmale wird von der UAG befürwortet. Dies wird der AfS (Frau Hengel-Dittrich, Frau Scheven) übermittelt. Die HeBIS-Bibliotheken halten weiterhin an dem dort 2009 eingeführten Erfassungsmodell (Verwendung von PND- und GKD-Sätzen für die Vorbesitzer) fest. Geplant ist, den von Frau Scheibe vorgestellten Formatentwurf für die SWD zeitnah umzusetzen, da die Einführung der GND noch einige Zeit brauchen wird (die spätere Umsetzung in das von der GND verwendete Marc21-Format ist aber gesichert). Von der AAD ist dieser Formatentwurf bereits am 11. März diskutiert und akzeptiert worden. Auch die Expertengruppe Sacherschließung hat das Datenmodell akzeptiert. Frau Scheibe stellt anhand von Beispielen das geplante Datenmodell zur Erfassung der Provenienzmerkmale in der SWD vor (Tischvorlage, siehe Anlage):

Feld 800:
Ansetzung erfolgt dabei unter der Körperschaft bzw. Person, die sich durch das Provenienzmerkmal als Besitzer ausweist. Frau Scheibe wird versuchen „NN“-Sätze bei der Redaktion der SWD in der Form durchzusetzen, dass das Feld 800 unbesetzt bleibt (eine Suchabfrage NN im Feld 800 würde eine unüberschaubare Anzahl an Treffern liefern), aber die Beschreibung des Merkmals in den übrigen Feldern normal erfolgt (z. B . Motive, Maße und Umschriften/Inschriften).

Feld 801:
Darauf folgt der Gattungsbegriff des Thesaurus T-PRO als eine Art Formalsachtitel. Feld 802: Als eindeutiges Identifikationsmerkmal dient die (persistente) Adresse des Image (PURL / URN), diese gilt als Signatur.

Feld 808a:
Quellenangaben erfolgen mit einleitender Wendung „Quelle:“ dem Kürzel der Bibliothek sowie der Signatur (eventuell Titel und Seitenzahl). Der Hinweis von Frau Meyer statt des Bibliothekskürzels die ISIL Kennzeichnung zu verwenden (Vorteile: spätere Verlinkung und eindeutige Identifizierung bei Namensänderung möglich) wird der SWD vorgeschlagen.

Feld 808b:
Hier werden gegebenenfalls Motiv, Maße (für Exlibris und Stempel von größter Bedeutung) sowie eventuell der Künstler erfasst. Es wird vorgeschlagen, für die Maße ein eigenes Unterfeld (sofern möglich) einzurichten, damit es, falls im Motiv Zahlen vorkommen, keine Verwechslungsmöglichkeiten bestehen. Bei den Maßen wird zuerst die Höhe dann Breite angegeben. Für runde Stempel/Etiketten muss noch eine Konvention gefunden werden (möglich wäre einleitende Wendung „Durchmesser“ oder die Angabe Durchmesser x Durchmesser). Für die Künstler soll die Möglichkeit der Verlinkung in diesem Feld überprüft werden.

Feld 814:
Die mit dem Provenienzmerkmal verbundene Jahreszahl oder der Verwendungszeitraum wird dort abgelegt.

Feld 815:
Der neue Entitätencode zur Kennzeichnung der Provenienzsätze "tip" (Einrichtung des Codes erfolgt im Juni) ist in diesem Feld untergebracht.

Feld 830:
Die Umschriften oder Inschriften werden in Vorlageform vollständig (sämtliches Buchstaben- und Zahlenmaterial) abgeschlossen mit der obligatorischen Bemerkung „*Umschrift/Inschrift“ als Synonym-Verweisung in Feld 830 abgelegt. Die Initialen sollen ebenfalls in diesem Feld untergebracht (die Unterbringung im Feld 800 wurde verworfen). Für die Nutzung ist aber die Möglichkeit der Phrasensuche für dieses Feld notwendig.

Feld 850:
Hier soll der Gattungsbegriff als Oberbegriff SWD-konform ergänzt werden. In einigen wenigen Fällen weichen die SWD-Begriffe von der Bezeichnung des Thesaurus der Provenienzbegriffe ab. Ein Beispiel dafür wäre „Autogramm“, das in der SWD anders verwendet wird, dem T-PRO entspräche der Begriff „Namenszug“. Die Überlegung, ob der T-PRO ggf. an die SWD angepasst (z. B. Ersetzung von „Autogramm“ durch „Namenszug“) oder doch lieber eine Konkordanz zwischen T-PRO und SWD-Begriffen erstellt werden soll, werden Frau Scheibe und Herr Weber bei der Überarbeitung des neuen Thesaurus (im Juni 2010) einfließen lassen.

Diskutiert wurde auch ob und wenn ja, wie alte Signaturen abgebildet werden sollen? Es bestand weitgehend Einigkeit über die Vorteile der Aufnahme alter Signaturen. Denkbar wäre dabei ein Beispielbild der alten Signatur im Feld 802 sowie die Angabe der tatsächlich vorliegenden Signatur im Provenienzdatensatz im Feld 830.

Zu klären bleibt außerdem das redaktionelle Verfahren, das Durchführen von Schulungen, Berechtigungen etc. SWD-Sätze für Provenienzmerkmale sollen grundsätzlich durch normale Bibliothekare angelegt werden können. Nach der Einrichtung des Entitätencodes sollen von der UAG Provenienzforschung und Provenienzerschließung (Frau Scheibe und Herr Weber) gemeinsam mit der AfS Erfassungsrichtlinien für die SWD-Sätze für Provenienzmerkmale erarbeitet werden.

Weiterentwicklung der kooperativen Provenienz-erschließung: ALEPH, GBV, HeBIS, SWB (TOP 3)

HebIS:
Im Verbund werden unter dem Suchschlüssel „Provenienzen/Exemplarspezifika“ alle Bibliotheken angezeigt, die das Buch besitzen. Der Benutzer muss lediglich noch in den angezeigten Titeldaten der aufgeführten Bibliotheken nach dem betreffenden Provenienzdatensatz suchen.

GBV:
Die Provenienzdaten werden weiterhin auf lokaler Ebene gepflegt. Es erfolgte noch keine Konversion, weil die Kategorien im Verbundkatalog noch nicht endgültig festgelegt sind. Die bibliotheksübergreifende Recherche nach Provenienzdaten wird zeitnah umgesetzt.

ALEPH (HBZ und BVB):
Frau Scheibe berichtet, dass in den ALEPH/SISIS-Verbünden die notwendigen technischen Umstellungen für eine Verlinkung von Normdatensätzen in den Exemplardaten wesentlich größer als in der PICA-Welt sind. Sowohl die Kommission Altes Buch (BVB) wie auch der Arbeitskreis Altes Buch Rheinland und Westfalen streben eine an den PICA-Modellen orientierte Möglichkeit zur Provenienzerschließung an, die dann eine kooperative Erschließung mit allen Verbünden ermöglichen soll. Es wurde vorgeschlagen, ein Mitglied aus einer BVB-Bibliothek (vorzugsweise aus der BSB) für die UAG Provenienzforschung und Provenienzerschließung zu gewinnen.

SWB:
Die Anwendergruppe Altes Buch hat sich im Oktober 2009 mit der Einrichtung neuer Felder zur Provenienz-Erschließung beschäftigt. Es wurde u.a. festgehalten, wie die Anzeige der Provenienzen im SWB-OPAC erfolgen wird. In Analogie zu den Entwicklungen in HeBIS und GBV werden im Rahmen der Provenienz-Erschließung verwendete Personen und Körperschaften direkt in der PND bzw. GKD erfasst. Bis zur Freischaltung auf der Katalogisierungsdatenbank muss noch die Fragestellung des Exportes geklärt werden. Die derzeit in der Verbunddatenbank angezeigten Provenienzdaten (kein AAD-Standard bzw. keine Verwendung von T-PRO) stammen zwar noch aus dem Verbund-Altsystem, werden jedoch bei der Titel-Vollanzeige im SWB-OPAC angezeigt: Bsp.: PPN 023334835 ; PPN 026852632 Das Hauptproblem bei der Teilnahme an dem Erschließungsverfahren im SWB sind die fehlenden Exemplarsätze bei vielen Bibliotheken im Verbund (die Exemplarpflege in der Verbunddatenbank wurde zugunsten der alleinigen Pflege in den Lokalsystemen aufgegeben). Die Mehrzahl der Lokalsysteme bietet darüber hinaus kaum Möglichkeiten, Provenienzen darzustellen.

Umgang mit den Katalogisaten von als NS-Raubgut restituierten Büchern (TOP 4)

Es besteht Einigkeit darüber, diese Daten nicht zu löschen, sondern in den Katalogen zu belassen, neben NS-Raubgut z.B. auch die Kriegsverluste oder andere Restitutionen. Die UAG empfiehlt daher als Standard im Umgang mit Provenienzen, die Katalogaufnahmen zusammen mit den oft unter großem Zeit- und Personalaufwand ermittelten Provenienzdaten trotz fehlenden physischen Buch- bzw. Medienbesitzes (aufgrund der Abgabe bei Restitutionen) im Katalog unbedingt zu belassen.

Vorstellung des Provenienzprojektes an der SLUB (TOP 5)

Herr Köhler und Frau Kocourek stellen in Ergänzung zur Projektvorstellung im September 2009 in Weimar in aller Kürze die Erfassungsdatenbank und die Bilddatenbank, die inzwischen über 3.300 Provenienzmerkmale umfasst, vor.

Nächster Termin

10. Dezember 2010, 11.30 Uhr, in der Stadtbibliothek Mainz

Anlage zum Protokoll

Tischvorlage: Verankerung der Provenienzmerkmale in der SWD