Moritz Simon

Aus ProvenienzWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Moritz Simon (nachgewiesen 1897-1933) war ein jüdischer Kaufmann und Münzsammler in Berlin.

Exlibris In pietate robur

Leben

Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem Auftraggeber dieses Exlibris um den Kaufmann und Münzsammler Moritz Simon, wohnhaft Hardenbergstr. 14 in Berlin-Charlottenburg. In den Berliner Adressbüchern ist Moritz Simon seit 1897 verzeichnet. Zunächst erscheint er als Teilhaber der Kohlenhandlung Rahmer und Simon in der Dennewitzstr. 35, wo er auch wohnt. 1910 ist er Inhaber einer Kohlengroßhandlung in Charlottenburg (Hermann Sontag Nachfolger, Galvanistr. 8). Nachdem die Kohlengroßhandlung 1923 in eine GmbH umgewandelt wurde, fungiert Moritz Simon als Geschäftsführer. Ende der 20er Jahre scheint diese Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten zu sein, jedenfalls veräußert Moritz Simon 1930/1931 seine wertvolle Münzsammlung und tritt aus wissenschaftlichen bzw. bibliophilen Gesellschaften aus (1932 aus der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin, bereits zuvor, spätestens im März 1931, aus der Soncino-Gesellschaft). 1932/1933 ist Moritz Simon letztmalig nachweisbar, er wohnt nun in der Waitzstr. 14 in Charlottenburg und hat auch den Sitz der Hermann Sontag Nachfolger GmbH dorthin verlegt. 1934 wurde die Kohlenhandlungsgesellschaft liquidiert[1], auch Moritz Simon ist seit 1934 nicht mehr in Berlin nachzuweisen.

Seine umfangreiche Münzsammlung wurde zum 26. Nov. 1930 und zum 26. Febr. 1931 vom Frankfurter Auktionshaus Adolph E. Cahn versteigert. In den Berliner Münzblättern vom November 1930 wird unter der Rubrik "Münzversteigerungs- und Lagerkataloge" der Katalog Nr. 68 von Cahn angezeigt und folgendermaßen kommentiert: "Der schon seit einiger Zeit erwartete Katalog der schönen Slg. des Herrn Direktor Simon übertrifft in Aufmachung und Erhaltung der hier zahlreich abgebildeten Stücke manche Erwartung und verspricht verdienten Erfolg für Bearbeiter und Auftraggeber" [2].

Moritz Simon gehörte zu den ersten Mitgliedern (Mitgliedsnummer 11) der 1924 gegründeten Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches und fungierte als deren Schatzmeister. In den Mitteilungen der Soncino-Gesellschaft von März 1931 wird Moritz Simon nicht mehr als Schatzmeister genannt. Nach den Erinnerungen von Abraham Horodisch, dem Mitbegründer der Soncino-Gesellschaft, stellte Moritz Simon auf der zweiten Jahresversammlung der Soncino-Gesellschaft am 5. Dez. 1926 in Berlin Teile seiner Sammlung aus: "altpalästinensische Münzen sowie jüdische Medaillen und Plaketten"[3]. Gleichzeitig zeichnete Moritz Simon für die zur Jahresversammlung am 5. Dez. 1926 hergestellte Gabe der Soncino-Gesellschaft über den jüdischen Medailleur Abraham Abramson (gestorben 1800) verantwortlich[4]. Zum 17. Febr. 1929 überreichte Moritz Simon den Mitgliedern und Freunden der Soncino-Gesellschaft eine Reproduktion des Stiches "Vinzentz Fettmilchs Todesgang", eines seltenen Blattes seiner Sammlung [5].

Buchbesitz

Über das Schicksal der Bibliothek ist bisher nichts bekannt. Die in der Staatsbibliothek zu Berlin ermittelten Exemplare mit dem Exlibris Moritz Simons stammen aus der Bibliothek der Berliner Spinoza-Loge des 1938 aufgelösten Unabhängigen Ordens B'nai B'rith und sind dorthin offenbar über die Bibliothek ihres Mitglieds Ludwig Holländer (1877-1936) gelangt. Ludwig Holländer war Direktor des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Bibliothek des Central-Vereins wiederum war Mitglied der Soncino-Gesellschaft, so dass eine Bekanntschaft der beiden Männer schon aus diesem Grunde zu vermuten ist. Ob die - sicher vorhandene - numismatische Literatur aus dem Besitz Moritz Simons etwa auch an die Frankfurter Münzhandlung Cahn ging, ist bislang nicht zu belegen.

Im Zuge von Provenienzermittlungen in den Beständen des Centrum Judaicum wurde ein weiteres Exemplar mit dem Exlibris von Moritz Simon entdeckt. Das Exlibris wurde hier mit dem Namen "Rut Simon" überstempelt (siehe Bild unten), weitere Provenienzspuren sind nicht vorhanden. Die Identität von Rut Simon konnte noch nicht ermittelt werden. Sie muss wohl in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu Moritz Simon gestanden haben und hat offensichtlich Teile seiner Bibliothek - auf dem Erbwege (?) - übernommen. Ähnliches könnte für Hans Simon gelten: In einem Exemplar aus der Bibliothek des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn, Abt. für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte, das über den Nachlass Kurt u. Hanna Erdmann in den Bestand gelangte, ist im Exlibris Moritz Simons "Moritz" handschriftlich in "Hans" verbessert worden.

Weitere Exemplare mit dem Exlibris von Moritz Simon bzw. mit dem Stempel "Rut Simon" wurden nach Kriegsende auch beim Offenbach Archival Depot registriert. Nicht klar ist, ob sich der Stempel hier ebenfalls auf dem Exlibris befand.

Exlibris von Moritz Simon mit Stempel von Rut Simon (aus dem Bestand des Centrum Judaicum)

Ermittelte Exemplare

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Datenbank: Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
  2. Berliner Münzblätter N. F. 50 (1930), S. 172.
  3. Abraham Horodisch, Ein Abenteuer im Geiste. Die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches, in: Bibliotheca docet. Festgabe für Carl Wehmer, Amsterdam 1963, S. 181-208, hier S. 185.
  4. Moritz Simon: [Abraham] Abramson, Berlin 1926 (Druck der Soncino-Gesellschaft aus Anlaß der 2. Jahresversammlung am 5. Dez. 1926).
  5. Vinzentz Fettmilchs Todesgang. Nach einem gleichzeitigen Stich den Mitgliedern u. Freunden d. Soncino-Gesellschaft überreicht zum 17. Febr. 1929 diese Wiedergabe eines seltenen Blattes seiner Sammlung Moritz Simon, Berlin 1929 (Gaben der Soncino-Gesellschaft 1929,11).

GND-Normdaten