Max Senf

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Max Senf (*2. Juli 1863 in Salzwedel; †12. November 1926 in Wittenberg) war ein Wittenberger Buchbinder, Verleger und Heimatforscher.

Leben

Max Senf wuchs als Sohn des Schneidermeisters Friedrich Wilhelm Senf und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Spohn, in Salzwedel auf. Nach dem frühen Tod der Mutter im Jahr 1872 zog die Familie wohl bald nach Schönebeck (Elbe) um. Vermutlich bestand zu dem dort ansässigen Stadtrat und Buchhändler Otto Senff eine verwandtschaftliche Beziehung. Zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort Max Senf seine Ausbildung zum Buchbinder machte, ist nicht bekannt. Um 1880 zog er nach Wittenberg und arbeitete als Buchbindergehilfe in der Werkstatt von Gustav Anton Franziskus, der jedoch Ende 1882 verstarb. Die Buchbinderwerkstatt in der Jüdenstraße 6 wurde zunächst von dessen Witwe Amalie Wilhelmine Elisabeth, geb. Neumann, vermutlich mit Unterstützung von Max Senf fortgeführt. Am 6. Dezember 1888 heiratete Max Senf die Witwe und führte nach Erhalt seines Meistertitels die Werkstatt erfolgreich weiter. Am 29. Oktober 1890 wurde Sohn Otto Max geboren, der sich später Max Senf Junior nannte.

Spätestens seit 1891 wohnte Max Senf mit seiner Familie in dem Haus in der Jüdenstraße 5, welches er samt Grundstück mit Nebengebäuden und Garten im September 1895 gekauft hatte. Dort betrieb er unter dem Namen „Firma Senf“ neben der Buchbinder-Werkstatt nun zusätzlich einen Verlag sowie einen Verkaufsladen für Papier- und Tapetenwaren. Max Senf verstarb nach längerer Krankheit am 12. November 1926.[1]

Schriftstellerisches Wirken

Neben seiner Tätigkeit als Buchbinder, Verleger und Geschäftsmann beschäftigte sich Max Senf intensiv mit Studien zur Heimatforschung und verfasste kleinere Beiträge, Aufsätze und Zeitungsartikel zur Geschichte der Stadt Wittenberg, ihren Gebäuden und Institutionen. Seit 1924 war er als lokalgeschichtlicher Mitarbeiter der „Blätter für Heimatgeschichte“ tätig, die im September 1923 erstmals als Beilage zur „Wittenberger Zeitung“ erschienen.

Eine Besonderheit stellt das im Jahr 1912 im Selbstverlag erschienene „Calendarium Historicum Vitebergense“ dar, in dem Max Senf „uff ein jeden tag durchs gantze Jar, eine namhaffte Geschicht oder Historien, so sich voriger oder neulicher zeit hin und wider in Wittenberg zugetragen, vermeldet und gezeigt wird“. Erwähnt werden Geburts- und Todestage bekannter Wittenberger Persönlichkeiten, Reformations-, Kriegs- und Besatzungsereignisse, Hinrichtungen, tödliche Unfälle, Tötungsdelikte durch Erdolchen oder Erschießen, Brände, Aufenthalte von Staatsoberhäuptern und anderen berühmten Personen, technische und medizinische Erneuerungen, Stiftungen, Festsakte für Denkmäler und vieles mehr. Die Geschehnisse umfassen einen Zeitraum vom 4. Dezember 1197 mit der ersten Erwähnung Wittenbergs als größeren Ort in einer Urkunde von Papst Cölestin III. bis zum 24. Juni 1894, dem Tag der Enthüllung des Bugenhagendenkmals auf dem Kirchplatz.

Zur Neueröffnung der Lutherhalle am 17. Juni 1916 gab Max Senf einen kleinen Beitrag zum Wittenberger Augustiner-Kloster als Privatdruck heraus . Dabei handelt es sich um einen Auszug aus einer unveröffentlichten Chronik Wittenbergs des lutherischen Theologen Andreas Charitius (1690–1741). Diese Chronik lag ihm unvollständig als Abschrift der Einleitung vor, die zwischen 1720 und 1730 entstanden und für den Buchdrucker bestimmt war, wie Max Senf im Vorwort vermerkt. Dem Exemplar der Staatsbibliothek zu Berlin ist eine eigenhändig verfasste Postkarte von Max Senf an Prof. Johannes Luther (1861–1954) in Greifswald vom 28. November 1916 vorgebunden.[2] Darauf kündigt er „eine Illustr. Zeitung, und einige andere Drucksachen“ von sich an, die der Direktor der Lutherhalle Julius Jordan (1868–1928) an diesen geschickt hätte. Seinem Gruß der „verlebten Plauderstunde gern gedenkend“ ist zu entnehmen, dass er mit dem stellvertretenden Direktor der Universitätsbibliothek Greifswald und bekannten Lutherforscher in regem Austausch stand.

In seiner Eigenschaft als Handwerker galt sein spezielles Interesse den in Wittenberg ansässigen Handwerksinnungen. Im Jahr 1905 verfasste Max Senf für die 25-jährige Jubiläumsfeier der 1880 neu gegründeten Buchbinderinnung eine Festschrift. Die darin enthaltenen Chronik, die die Ursprünge der Wittenberger Buchbinderei und der Buchbinderinnung seit ihrer Gründung 1534 darstellt, brachte er 1909 unter dem Titel „Die Buchbinder-Innung zu Wittenberg im 16. Jahrhundert“ als eigenständige Publikation heraus.[3] Nach eigenen Angaben hatte er hierfür Stadtrechnungen im Wittenberger Ratsarchiv und Kirchenbücher ausgewertet. In den Jahren kurz vor seinem Tod folgten weitere kleine Beiträge zur Maurer-, Bäcker-, Schuhmacher- und Fleischerinnung, die zusätzlich in den „Blättern für Heimatgschichte“ ohne Illustrationen und in verkürzter Form veröffentlicht wurden.

Bibliothek

Die Bibliothek von Max Senf spiegelt sein Wirken als Stadtchronist wider. Besonders stark vertreten sind Werke zur Geschichte und Theologie des 16. bis 20. Jahrhunderts, darunter zahlreiche Schriften zur Lutherforschung. Daneben zeichnet sich die Bibliothek durch eine umfangreiche Sammlung von Manuskriptbänden aus, in denen Max Senf eine Fülle an Quellenmaterial zur Stadt- und Universitätsgeschichte, zum Kurkreis Wittenberg, zu Vereinen und Innungen und vieles mehr gesammelt hatte. Seine unzähligen Abschriften aus Akten des Wittenberger Ratsarchivs und der Universität, aus Bürger-, Gerichts-, Handels- und Kirchenbüchern umliegender Dörfer, seine sorgsam zusammengetragenen Personen-, Matrikel- und Ortsverzeichnisse sowie detaillierten Auflistungen von Ämtern und Berufen spiegeln seine Forschungsinteressen wider. Max Senf sorgte auf diese Weise zudem dafür, dass zahlreiche zur Aussonderung oder Versteigerung vorgesehene Archivakten als Quellenmaterial zur Geschichte Wittenbergs erhalten geblieben sind.

Im Jahr 2003 wurde der Restbestand der Bibliothek von Max Senf – einschließlich der Manuskriptbände – der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars übergeben, die heute im Bestand der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek Wittenberg ist.[4]

Provenienzmerkmale

Ermittelte Exemplare

RFB Wittenberg:

In Privatbesitz:

Literatur

Katharina Bethge, Max Senf – Sein Leben und Wirken für die Buchbinderei und die Geschichte Wittenbergs und Umgebung, in: Einband-Forschung 48 (2021), S. 33–40.

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Das gesamte Unternehmen in der Jüdenstraße 5 wurde von Max Senf jun. bis zu dessen Tod am 10. April 1963 weitergeführt. Daraufhin übernahmen seine beiden Töchter die Buchhandlung und die Buchbinderei. Letztere wurde ca. 1990 aufgelöst, der Buchladen ging an einen neuen Inhaber über.
  2. SBB-PK, Abteilung IIIA Historische Drucke, Signatur: 50 MA 25907-4,1 : R. Bibliographische Daten, PPN = 247601276.
  3. Vgl. bspw. das Exemplar SBB-PK, Signatur: Ff 4143/10. Bibliographische Daten, PPN = 450268004
  4. Im Jahr 2018 erfolgte die Zusammenführung der Bibliotheken des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg und des Lutherhauses der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zur die Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek Wittenberg. Vgl. auch die Informationen über die Bestände auf der Website der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek.