Martin Helmer

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Martin Helmer (* 6. November 1926 in Braunschweig; † 21. Februar 1977 in Aschheim bei München) war ein deutscher Theologe und Pfarrer. Er floh 1963 gemeinsam mit seiner Ehefrau Friedesine Helmer, geb. Wenzel, aus der DDR nach Westberlin.

Leben

Nach dem Besuch des Gymnasiums 1937–1939 in Nordhausen am Harz, 1939–1943 in Frankfurt am Main diente Helmer 1943–1944 als Luftwaffenhelfer in Magdeburg. Dem folgte die Einberufung zur Wehrmacht und die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Soldat. Ordiniert wurde Helmer am 24. Oktober 1954 in Brandenburg an der Havel. Er diente 1951–1954 als Prädikant und 1954–1955 als Hilfsprediger in Langen bei Wustrau. 1955–1962 war er Pastor an der Stadtkirche St. Laurentius in Berlin-Köpenick. 1962/63 wirkte er an den Kirchen St. Marien und St. Nikolai in Berlin-Mitte. Nach seiner Flucht nach Westberlin war er u.a. 1965–1968 Pastor der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Oslo (Norwegen) und 1968–1969 Geschäftsführer des 14. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart (1969). Am 1. Dezember 1975 wurde er in den Ruhestand versetzt.[1]

Bibliothek

Die lt. Akten knapp 4.700 Bände umfassende Bibliothek von Martin Helmer wurde der Deutschen Staatsbibliothek (DSB) 1963 kurz nach der „Republikflucht“ der Familie Helmer angeboten. Das Angebot unterbreitete der Rat der Gemeinde Zeuthen als Treuhänder der Bibliothek. Nach zwischenzeitlicher Übernahme der gesamten Bibliothek, ihrer Vorsichtung und Sortierung erwarb die DSB 1.292 Exemplare der Bibliothek Helmer käuflich. Von diesen arbeitete sie bis August 1964 250 Bände moderne Literatur ein, 1.042 Bände Rara stellte sie sicher.[2] „Kirchlich-militaristische“ und „kirchlich-faschistische Literatur“ im Umfang von „530 Gramm“ wurde aussortiert und an den Altstoffhandel abgegeben, d.h. makuliert. Ca. 1.100 Bücher und Broschüren, sicherlich theologischen Inhalts, wählte ein Vertreter des Staatssekretariats für Kirchenfragen aus. Den nicht genauer bezifferten „restlichen Bestand“, er dürfte über 1.000 Bände umfasst haben, übernahm das Zentralantiquariat der DDR. Alle drei Institutionen, die Deutsche Staatsbibliothek, die Evangelische Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg und das Zentralantiquariat, zahlten für die übernommenen Bände eine symbolische Summe an den Treuhänder der Bibliothek Helmer, den Rat der Gemeinde Zeuthen. Im Zuge des Forschungsprojekts zur Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände und NS-Raubgut nach 1945 konnten in den Zugangsbüchern der DSB aus dem Jahr 1964 etwas über 40 Exemplare moderner Literatur aus der Bibliothek Helmer identifiziert werden. Einzelne dieser Exemplare wurden zeitnah als Dubletten wieder ausgeschieden. 33 Exemplare befinden sich noch heute im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin. Ein weiteres Exemplar, welches zu den an das Zentralantiquariat der DDR abgegebenen Bänden gehörte, wurde inzwischen im Zuge des Projektes zum Zentralantiquariat der DDR in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek identifiziert. Es ist das bisher einzige, das ein Provenienzmerkmal enthält, welches direkt auf Martin Helmer verweist und wohl von seiner Hand stammt. Die in Zeuthen zurückgelassene Bibliothek enthielt neben Büchern ohne Provenienzmerkmale auch Bücher von Friedesine Helmer, geborene Wenzel, sowie von Helmers Schwiegervater, Theodor Wenzel. Von den etwas über 1.000 als Rara bezeichneten Exemplaren fehlt bisher jede Spur.

Provenienzmerkmale

Exemplare in der SBB

Suche einer Provenienz im OPAC der Staatsbibliothek zu Berlin: Helmer+Martin

Literatur

Arnim, Hans von: Theodor Wenzel. Ein Leben christlicher Liebe in der Wende unserer Zeit. Berlin(-Friedenau), 1960. Dehnel, Regine: Übernommen, weiterverteilt, zerstreut. Die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände und NS-Raubgut nach 1945. Frankfurt am Main: Klostermann 2024 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie; 126), S. 285–291. Dehnel, Regine, Scheibe, Michaela: „Hinterlassene Bibliotheken“ nach „illegalem Abgang“. Vier Beispiele aus drei Jahrzehnten DDR-Geschichte. In: Enteignet, entzogen, verkauft. Zur Aufarbeitung der Kulturgutverluste in SBZ und DDR, herausgegeben von Mathias Deinert, Uwe Hartmann, Gilbert Lupfer, Berlin; Boston: De Gruyter, [2022], S. 112–122, hier S. 117–118.

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Vgl. Catalogus pastorum. Die Pastoren der evangelisch-lutherischen Gemeinde Niedersachswerfen, Ernst Gustav Karl Helmer (1891–1980), Online: http://www.glass-portal.privat.t-online.de/cp/nsw/helmer_karl.htm.
  2. Vgl. DSB, ZwA, Lang an DSB, Hauptdirektion über DSB, Genzel, 10.8.1964. DSB, ZwA 1,38, Bl. 260–261.