Marc Bloch

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Marc Léopold Benjamin Bloch (* 6. Juli 1886 in Lyon; † 16. Juni 1944 in Saint-Didier-de-Formans) war als Mitbegründer der Annales-Schule einer der bedeutendsten französischen Historiker und Mediävisten des 20. Jahrhunderts.

Leben

Marc Bloch entstammte einer ursprünglich im Elsass ansässigen jüdischen Familie, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 das Elsass Richtung Frankreich verlassen hatte. Sein Vater Gustave Bloch war Professor für Alte Geschichte und unterrichtete an der École normale supérieure in Paris unter anderem Lucien Febvre, mit dem Marc Bloch später intensiv zusammenarbeiten sollte. Bloch besuchte in Paris das Lycée Louis-le-Grand und absolvierte anschließend, 1904 bis 1908, ein Studium an der École normale supérieure in Paris. Nach der Ableistung seines Wehrdienstes setzte er 1908/09 seine Studien an den Universitäten in Berlin und Leipzig fort. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Frontsoldat der französischen Armee teil. 1919 heiratete er Simonne Vidal (1894–1944). Das Ehepaar Simonne und Marc Bloch hatte sechs Kinder: Alice, Etienne, Loius, Daniel, Jean-Paul und Suzanne.

1919 wurde Bloch Dozent und 1921 Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg. 1929 gründete er mit Lucien Febvre, der zu dieser Zeit ebenfalls an der Straßburger Universität lehrte, die Zeitschrift Annales. In der folgenden Zeit beschäftigte er sich mit Agrargeschichte und veröffentlichte 1931 die Studie "Caractères originaux de l’histoire rurale française" („Die ursprünglichen Merkmale der französischen Agrargeschichte“). Den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stellt das 1939/40 veröffentlichte zweibändige Werk zur Feudalgesellschaft ("La Société féodale") dar. Im Jahr 1936 wurde Bloch als Professor für Wirtschaftsgeschichte an die Sorbonne in Paris berufen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er noch einmal Soldat und kämpfte als Offizier bis zur Niederlage Frankreichs im Juni 1940.

Die Jahre 1940 bis 1944

In seinem Buch "L’Étrange Défaite. Témoignage écrit en 1940" (in der deutschen Übersetzung „Die seltsame Niederlage. Frankreich 1940“) suchte Bloch Gründe für das militärische Debakel Frankreichs in der Struktur der französischen Armee, aber auch in Politik und Gesellschaft. Er kritisierte die innere Zerrissenheit Frankreichs nach Jahren der Auseinandersetzung zwischen Rechten und Linken über die Volksfrontregierung, den Egoismus der Parteien und Gewerkschaften und den übertriebenen Pazifismus der Linken, zieh die politische und militärische Führung Frankreichs der „Unfähigkeit, den Krieg zu denken“, und klagte sie an, das Versagen eines der Mutterländer der modernen Demokratie vor der nationalsozialistischen Aggression verschuldet zu haben.

Da er wegen seiner jüdischen Abstammung in Paris nicht mehr lehren durfte, berief ihn das Vichy-Regime zunächst nach Clermont-Ferrand und 1941 nach Montpellier. Während dieser Zeit bemühte sich Bloch auch um einen Ruf an die New School for Social Research in New York, den er aber schließlich mit Rücksicht auf seine Familie ablehnte, da diese ihn nicht hätte begleiten können. Nach der Besetzung Südfrankreichs am 11. November 1942 wurde Bloch offiziell in den Ruhestand versetzt. Er zog auf sein Landhaus und schloss sich bald aktiv einer Résistance-Gruppe an. Im März 1944 wurde er in Lyon von der Gestapo verhaftet, inhaftiert und schwer gefoltert. Am 16. Juni 1944 wurde er zusammen mit 27 anderen Gefangenen auf freiem Feld in der Nähe von Lyon erschossen. Er wurde als „normaler Widerstandskämpfer“ ermordet, nicht wegen seiner jüdischen Abstammung.

Ehrungen

Auf einem französisch-deutschen Gipfeltreffen in Berlin wurde im Oktober 1990 die Gründung eines deutsch-französischen Forschungszentrums für Sozialwissenschaften beschlossen, das als „Centre Marc Bloch“ in Berlin-Mitte 1992 gegründet und 1994 offiziell eröffnet wurde. Nach Mittelkürzungen im Jahre 2008 seitens des französischen Außenministeriums war dieses Zentrum eine Zeitlang in seinem Bestand gefährdet. Inzwischen ist es als „An-Institut“ der Humboldt-Universität zu Berlin dauerhaft gesichert.

Raub und Restitution

Die Bibliothek von Marc und Simonne Bloch wurde in der Zeit der Besatzung Frankreichs durch Hitlerdeutschland geraubt. Wer genau die Bände in Paris beschlagnahmte und nach Berlin abtransportierte, muss derzeit offen bleiben. Eine Unterbringung in den Räumlichkeiten des Reichssicherheitshauptamts ist zu vermuten, da sich nach Kriegsende Bücher der Provenienz Bloch im Offenbach Archival Depot wiederfanden.[1]

Die Familie von Marc Bloch bemühte sich bald nach Kriegsende um eine Rückgabe der der Familie geraubten Bücher. Entsprechend wurde der Verlust von 500 bis 700 Büchern in Band 7 des Werkes „Le Répertoire des biens spoliés en France durant la guerre 1939-1945 est publié entre 1947 et 1949 par le Bureau central des restitutions (BCR)“ öffentlich gemacht.[2] In den Jahren 1948, 1949 und 1950 erhielten Alice, Suzanne, Etienne und Dr. André Bloch insgesamt 2.144 Bände zurück.[3]

Zum Charakter der bis heute vermissten Bücher ist in der Literatur ausgeführt, es handele sich um Bände in französischer, deutscher, englischer, einige auch in italienischer Sprache, zur Geschichte im Allgemeinen und zur Geschichte des Mittelalters im Besonderen, ein wenig aus den Bereichen Wissenschaft, politische Ökonomie, Literatur.

Provenienzmerkmale

Exlibris

Autogramm

Ermittelte Exemplare

Digitalisierte Exemplare / Exemplarschlüsselseiten

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Cultural Object Restitution And Custody Records, NARA, M1942.
  2. Vgl. Le Répertoire des biens spoliés en France durant la guerre 1939-1945 est publié entre 1947 et 1949 par le Bureau central des restitutions (BCR), Bd. VII: Archives, Manuscripts And Rare Books, S. 810.
  3. Vgl. Martine Poulain, Liste de personnes spoliées, unter Bezugnahme auf Archives nationales, F 17 17783 à 17994.

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