Lutherhalle Wittenberg
Die Lutherhalle Wittenberg wurde als Museum der Reformationsgeschichte gegründet, zu dem auch eine Bibliothek mit reformationsgeschichtlichem Schwerpunkt gehörte.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte der Lutherhalle Wittenberg
Die Lutherhalle Wittenberg wurde 1883 anlässlich des 400. Geburtstages Martin Luthers als reformationsgeschichtliches Museum im wiederaufgebauten Lutherhaus gegründet. Bereits am 18.2.1877 erfolgte im Wittenberger Kreisblatt ein Aufruf zur Museumsgründung, um bei der Eröffnung renommierte Objekte präsentieren zu können.
Ab 1972 erhielt das Museum den Namen „Staatliche Lutherhalle Wittenberg“. Im Februar 1983 erfolgte nach einer baulichen Um- und musealen Neugestaltung die Wiedereröffnung der Lutherhalle zum 500. Geburtstag des Reformators. 1997 wurde das Museum in die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt eingegliedert und ist damit Bestandteil der UNESCO-Weltkulturerbestätten. 2003 wurde das Museum schließlich in „Lutherhaus Wittenberg“ umbenannt. Im Jahr 2018 erfolgte dann die Zusammenführung der Bibliothek des Lutherhauses mit der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars zur Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek im Schloss Wittenberg.[1]
Bibliothek
Den Grundstock des Museums für Reformationsgeschichte bildete die Sammlung Augustin, für die der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 3.000 Taler zur Verfügung gestellt hatte, um sie dem Lutherhaus zu schenken.[2] Die Sammlung Augustin ist nach dem evangelischen Theologen und Halberstädter Oberdomprediger Christian Friedrich Bernhard Augustin (1771–1856) benannt.
Neben ca. 5.000 Drucken der Reformationszeit umfasste die Sammlung auch 6.800 Grafiken, 34 Gemälde sowie nahezu 500 Münzen und Medaillen.[3] Unter den Reformationsschriften waren jeweils ca. 1.200 Drucke Martin Luthers und seiner Zeitgenossen sowie etwa 2.600 Flugschriften der Reformationszeit, Lebensbeschreibungen Luthers und seiner Weggefährten sowie Jubiläumsliteratur enthalten.[4] Nach ihrer Überführung im Herbst 1860 nach Wittenberg wurde die Sammlung zunächst im Predigerseminar Wittenberg aufbewahrt, die Aufstellung in der Lutherhalle erfolgte erst im Jahr 1880.[5]
1893 erfolgte der Ankauf des Hauptteils der Bibliothek von Joachim Karl Friedrich Knaake (1835–1905), dem Begründer der Weimarer Lutherausgabe. In seiner Bibliothek versammelte er die drei größten und wertvollsten Privatsammlungen an Lutherdrucken, von denen er mehr als die Hälfte für die Finanzierung der Lutherausgabe verkaufen musste und deren erste und zweite Sammlung von der Königlichen Bibliothek zu Berlin erworben wurden. Im Jahr 1893 wurden 3.027 der 4.168 Titel der Königlichen Bibliothek an die Lutherhalle in Wittenberg weiterverkauft.[6]
Mit dem Amtsantritt des Konservators Julius Jordan (1868–1928) im Jahr 1912 setzte eine systematische Inventarisierung und Katalogisierung sowie eine kontinuierliche Erweiterung der Sammlungsbestände ein. Zwischen 1931 und 1933 konnten 142 Drucke der Fürstlichen Bibliothek von Stolberg-Wernigerode angekauft werden. Im Jahr 1932 gelangte auch das Unikat der zweiten Auflage des Klugschen Gesangbuches[7], die 1533 von Josef Klug in Wittenberg gedruckt wurde, in die Lutherhalle.[8]
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Sammlungen ausgelagert, kamen jedoch nur unvollständig ins Museum zurück. Zu den wenigen Erwerbungen der Nachkriegszeit zählte unter anderem der Nachlass des Theologen und Reformationshistorikers Johannes Ficker (1861–1944) im Jahr 1948, da zu DDR-Zeiten nur noch sehr wenige Stücke erworben wurden. Erst nach 1990 setzte erneut eine kontinuierliche Sammlungstätigkeit ein, vor allem von Objekten für die neu konzipierte Dauerausstellung.[9] Mit ihrer Eingliederung in die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt ist die Bibliothek verstärkt bestrebt, nachweisbare Bestandslücken systematisch zu schließen.[10]
Bei der Zusammenführung der Bibliotheken des Lutherhauses und des Evangelischen Predigerseminars zur Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek Wittenberg im Jahr 2018, wurden ca. 60.000 Bände aus der ehemaligen Lutherhalle übernommen. Damit verfügt die Bibliothek aktuell über einen Gesamtbestand von etwa 220.000 Bänden und befindet sich in der zweiten und dritten Etage des sanierten und für die neuen Nutzungszwecke umgebauten Schlosses Wittenberg.[11]
Provenienzmerkmale
Ermittelte Exemplare
Literatur
- Petra Grabowski, „Bibliothek der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt“ [Stand: 2009], in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der Historischen Buchbestände, Digitalisiert von Günter Kükenshöner. Hildesheim 2003. Online-Version, letzter Zugriff am 15.02.2022.
- Petra Gröschl, „das man fleys und koste nicht spare, gutte librareyen odder bu[e]cher heuser […] zuverschaffen“. Zur Bestandsgeschichte der Bibliothek des Lutherhauses Wittenberg, in: Matthias Meinhardt (Hg.), Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek Wittenberg. Eine Einladung, Halle (Saale) 2017, S. 84–98.
- Volkmar Joestel (Hg.), Luthers Schatzkammer. Kostbarkeiten im Lutherhaus Wittenberg, Dößel 2008.
- Stefan Laube, Das Lutherhaus Wittenberg - eine Museumsgeschichte. Mit einem Exkurs zur Sammlungsgeschichte von Uta Kornmeier, Leipzig 2003. (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt; 3)
Weblinks
- Informationen über die Bestände auf der Website der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek, letzter Zugriff am 15.02.2022.
- Artikel über das Augusteum und das Lutherhaus Wittenberg in der dt. Wikipedia, letzter Zugriff am 15.02.2022.
- Informationen zum Lutherhaus Wittenberg auf der Website museum-digital.de, letzter Zugriff am 15.02.2022.
GND-Normdaten
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Informationen über die Bestände auf der Website der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek.
- ↑ Vgl. Gröschl, Bestandsgeschichte, S. 86.
- ↑ Vgl. ebd., S. 85. Vgl. auch Informationen zum Lutherhaus Wittenberg auf der Website museum-digital.de.
- ↑ Vgl. Grabowski, Bibliothek der Stiftung Luthergedenkstätten, Absatz 1.1.; Gröschl, Bestandsgeschichte, S. 86.
- ↑ Vgl. ebd.
- ↑ Vgl. Grabowski, Bibliothek der Stiftung Luthergedenkstätten, Absatz 1.2; Gröschl, Bestandsgeschichte, S. 89.
- ↑ Martin Luther, Geistliche lieder auffs new gebessert zu Wittemberg, Wittenberg: Josef Klug, 1533. Digitalisat
- ↑ Vgl. Grabowski, Bibliothek der Stiftung Luthergedenkstätten, Absatz 1.3 und 1.4.
- ↑ Vgl. Informationen zum Lutherhaus Wittenberg auf der Website museum-digital.de. Zur Bestandserweiterung der Bibliothek siehe Gröschl, Bestandsgeschichte, S. 86–98.
- ↑ Vgl. ebd., S. 97.
- ↑ Vgl. Informationen über die Bestände auf der Website der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek.