Louis Lamm (Berlin)

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Louis Yehuda Lamm war ein Antiquar und Verleger in Berlin und Amsterdam, (* 12. Dezember 1871 in Wittelshofen; † 19. November 1943 in Auschwitz).

Leben

Louis Lamm wurde im fränkischen Wittelshofen 1871 in einer jüdischen Familie, die der orthodoxen Glaubensrichtung angehörte, geboren. Aufgewachsen ist er jedoch im schwäbischen Buttenwiesen, unweit von Donauwörth. Zeit seines Lebens pflegte er eine enge Beziehung zu seiner Heimat. Worüber auch seine Privatsammlung Aufschluss gibt, in der er viele Zeugnisse jüdischen Lebens in der ländlichen Region um Buttenwiesen sammelte.[1]
Der handwerkliche Beruf des Vaters hat Louis Lamm sicherlich weniger geprägt als dessen Tätigkeit als Synagogendiener bei der er sich viel mit Büchern beschäftigte, so dass er sich mit einem bereits autodidaktisch angeeigneten Wissen in einer bekannten Antiquariatsbuchhandlung in Frankfurt am Main als Lehrling bewarb.
Sein großes Talent hierzu wurde von seinem Lehrmeister richtig erkannt, so dass dieser ihn verpflichtete ein eigenes Geschäft nach Abschluss der Lehre erst über einen Umkreis von 500 Kilometern hinaus zu gründen. Das war 1903 Berlin. Hier in der Nähe des Hackeschen Marktes, in der Neuen Friedrichstraße, eine Straße, die es heute nicht mehr gibt, gründete er sein Antiquariat, das sich in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Antiquariate in Deutschland entwickeln sollte. 1905 heiratete er Julia Pinczower, mit der er drei Kinder hatte. Neben seiner Tätigkeit als Buchhändler war Louis Lamm selbst auch Autor mit Themen über das Judentum in Deutschland und Verleger anderer jüdischer Autoren, wobei er wohl ein gutes Gespür hatte, denn einige seiner Autoren hatten auch nach Jahren noch weitere Auflagen zum Teil sogar in anderen Verlagen.[2]
Während des I. Weltkriegs, den er als deutscher Patriot erlebte, verlegte er eine kleine Feldbücherei für Soldaten mit jüdischer Herkunft, ein wenig später dann auch Bildpostkarten mit einer ähnlichen Thematik, so etwa die Darstellung eines jüdischen Gottesdienstes im Feld.
Bereits 1933 erkannte er zeitig die Gefahr, die sich für die Zukunft abzeichnete, er verließ Deutschland und musste in Amsterdam zwar erneut beginnen, konnte aber einen großen Teil seiner Bücher und Sammlungen noch mitnehmen, beschrieben wird eine Menge, die mehrere Rheinkähne gefüllt haben sollen, dabei sind eine größere Anzahl von Büchern noch zurück geblieben. 1943 wurde er dann doch von den Nazis mit seiner jüngsten Tochter nach Auschwitz gebracht, wo sich seine Spur verliert.
Ein Teil der Sammlung wurde nach dem Krieg versteigert, ein großer Teil ist wohl für immer verschollen. Lamm machte sich als weitsichtiger Verleger jüdischer Autoren verdient. Und nicht zuletzt wirkte L. Lamm als Autor in seinem Verlag vorwiegend mit Themen über das Judentum in Deutschland, über sein Wirken als Antiquar und auch als Autor und Herausgeber von Antiquariatskatalogen.

Provenienzmerkmal



Literatur

  • Fischer, Ernst: Verleger, Buchhändler & Antiquare : aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933; ein biographisches Handbuch, Elbingen 2011.
  • Hübinger, Gangolf/Müller, Helen: Ideenzirkulation und Buchmarkt. Am Beispiel der konfessionellen und politischen Sortimentsbuchhandlungen im Kaiserreich, in: Raphael, Lutz/Tenorth, Heinz-Elmar: Ideen als gesellschaftliche Gestaltungskraft im Europa der Neuzeit. Beiträge für eine erneuerte Geistesgeschichte, München 2006 (Ordnungssysteme 20), S.289-312, hier S.308.
  • Lamm, Louis: Mein Verlag, in: Neue Jüdische Monatshefte, Heft 2/4, IV Jahrgang, 25. Oktober/25. November 1919, S.78-79.
  • Lamm, Louis: Meine Buchhandlung, in: Neue Jüdische Monatshefte, Heft 2/4, IV Jahrgang, 25. Oktober/25. November 1919, S.80-81.
  • Manasse, Peter M.: "Louis Lamm (1871-1943) - Antiquar und Verleger in Berlin und Amsterdam, Amsterdam 2009.
  • Schroeder, Werner: Die 'Arisierung' jüdischer Antiquariate, Teil II: Louis Lamm, Berlin und Amsterdam, in: Aus dem Antiquariat, Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler, Neue Folge 7 (2009), Nr. 6, S.375-377.
  • Sinn, Andrea: „Und ich lebe wieder an der Isar“, Exil und Rückkehr des Münchner Juden Hans Lamm, München 2008.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The Central Archives for History of the Jewish People Jerusalem (CAHJP), Privatsammlung Louis Lamm - P 16.
  2. Edelmann, Ohler, Eva: Sprache des Krieges. Deutungen des Ersten Weltkriegs in zionistischer Publizistik und Literatur (1914-1918), Berlin 2014, siehe dazu Kapitel "Makkabäa. Jüdisch-literarische Sammlung von Louis Lamm, S.95-109.