Institutum Judaicum in Berlin

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Das Institutum Judaicum in Berlin war ein Seminar für nachbiblisches Judentum.

Geschichte des Institutum Judaicum

Das Institutum Judaicum wurde 1883 von Hermann Lebrecht Strack, außerordentlicher Professor für Altes Testament, in Berlin gegründet. Strack leitete das Institut bis 1922 und legte den Schwerpunkt darauf, Kenntnisse über das Judentum und Judenmission an angehende Theologen zu vermitteln. Nach dem Tod Stracks und unter dem nationalsozialistischen Regime nahm die judenmissionarische Orientierung des Instituts ab. Das Institut wurde in die Theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin eingegliedert. Ab dem Wintersemester 1936/37 wurden die Lehrveranstaltungen eingestellt und unter dem neuen Leiter Johannes Hempel erhielt das Institut eine neue religionsgeschichtliche Ausrichtung unter dem Einfluss nationalsozialistischer Politik und Weltanschauung. Mit der Wiedereröffnung der Berliner Universität im Jahr 1946 wurden die Lehrveranstaltungen wieder aufgenommen. Das Institut wurde 1956 mit dem Weggang seines letzten Leiters geschlossen.

Bibliothek

Bereits zum Zeitpunkt seiner Gründung wurde dem Institutum Judaicum eine Bibliothek angegliedert. Die Grundlage des Bestandes waren zunächst die Privatbibliotheken der ersten beiden Leiter des Instituts, Hermann Lebrecht Strack und Hugo Gressmann. Die Erwerbung in den 1920er und 1930er Jahren legte den Fokus dann auf das Judentum in seiner Gesamtheit. Der Bestand wuchs zum Beispiel durch Teile der Bibliothek Adolf von Harnack (150 Bände). Außerdem wurde ein zusammenhängender Bestand des Zentralvereins für Mission unter Israel in Leipzig übernommen (darunter insb. Titel judenmissionarischen Inhalts und Traktate). [1] Im Jahr 1930 zogen das Institutum Judaicum und seine Bibliothek in die Gebäude des Theologischen Seminars um. Den Zweiten Weltkrieg und die Auslagerung überstand die Bibliothek weitestgehend unbeschadet durch die Initiative von Leonhard Rost, ab 1946 Leiter des Institutum Judaicum.

Auch nach Schließung des Institutums Judaicum existierte die Bibliothek weiter. Im Jahr 1969/70 wurde sie im Rahmen der 3. Hochschulreform der DDR und der damit einhergehenden Vereinheitlichung des Bibliothekswesens in den Universitäten als Abteilung Institutum Judaicum in die Zweigbibliothek Theologie der Universitätsbibliothek eingegliedert. Die Struktur und das Signaturensystem wurden jedoch beibehalten.

Im Juni 1993 belief sich der Bestand der Bibliothek auf etwa 4.380 Bände und verteilte sich auf die Themen der jüdischen Literaturgeschichte, jüdisches Recht sowie Antisemitismus und Zionismus. Außerdem gehörten Mischna- und Talmud-Ausgaben sowie gesammelten Schriften jüdischer Gelehrter zum Bestand. [2]. Die ältesten Bücher der Sammlung stammten aus dem 16. Jahrhundert

Provenienzmerkmal

Signaturensystem und Systematik

Die Sammlung Gressmanns war bis in die 1970er Jahre gesondert aufgestellt und verfügte über einen eigenen Katalog (500 Bände und 520 einzelne Zeitschriften). Dann wurden jedoch Dubletten aussortiert und auf verschiedene Abteilung der Zweigbibliothek aufgeteilt (z.B. Abteilung Altes Testament und Neues Testamten). [3]

Nach der neuen Aufstellung der Bibliothek im Gebäude der Theologischen Bibliothek wurde von 1931 bis 1935 ein Realkatalog erarbeitet, der sich in folgende Hauptsachgruppen gliederte [4]:
A Semitische Sprachwissenschaft
B Alter Orient
C Altes Testament
D Neues Testament
E Targum und Peschitta
F Mischna, Talmud, Tosefta
G Midrasch, Haggada, Halacha
H Kabbala
I Exegese zu E bis H
K Jüdische Geschichte
L Jüdische Religionsgeschichte
M Jüdische Kulturgeschichte
N Jüdische Literaturgeschichte
O Jüdische Autoren des 19. und 2o. Jahrhunderts
P Jüdische Autoren in anderen Sprachen
R Jüdische Parteien
S Antisemitismus
T Judenmission
U Wörterbücher
V Sammelwerke
W Bibliographien
X Verschiedenes
Y Lehre und Forschung auf dem Gebiet des Judentums und der Judaistik
Z Zeitschriften

Ermittelte Exemplare

Die Bibliothek des Institutum Judaicum ist heute eine geschlossene Sammlung und der Bibliothek des Instituts Kirche und Judentum an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin angegliedert.

Weitere ermittelte Exemplare:

SBB

Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Literatur

  • Ralf Golling, Das ehemalige Institutum Judaicum in Berlin und seine Bibliothek, Berlin 1993, (Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin 57).DOI: 10.18452/5012
  • Ralf Golling, Peter von der Osten-Sacken (Hg.), Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin, Berlin 1996.
  • Adolf Laminski, Udo Hartmann, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Zweigbibliothek Theologie, in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Hildesheim 2003. [Stand: Januar 1994] Online-Version

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Vgl. Ralf Golling, Die Bibliothek des Institutum Judaicum, in: Golling/Osten-Sacken (Hg.), Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin, Berlin 1996, S.134.
  2. Vgl. dazu Laminski, Hartmann, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Zweigbibliothek Theologie.
  3. Vgl. dazu Ralf Golling, Die Bibliothek des Institutum Judaicum, S. 125-126, 133.
  4. Nach Ralf Golling, Die Bibliothek des Institutum Judaicum, S.135-136