Institut für Marxismus-Leninismus (Berlin, Ost). Bibliothek

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Die Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus in Ost-Berlin war die zentrale wissenschaftliche Bibliothek der SED-Partei und eine Spezialbibliothek zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie zur Marx-Engels-Forschung.

Geschichte

Die Bibliothek gehörte zum Institut für Marxismus und Leninismus, wurde aber zunächst 1949 als Bibliothek des Marx-Engels-Lenin-Instituts beim Parteivorstand der SED gegründet. Sie übernahm Bestände des aufgelösten „Forschungsinstituts für wissenschaftlichen Sozialismus beim Parteivorstand der SED“ sowie unbearbeitete Bestände der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek (heute Staatsbibliothek zu Berlin). Die Bibliothek wurde 1953 in „Bibliothek des Marx-Engels-Lenin-Stalin-Instituts“ und ab 1956 in „Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus“ umbenannt. Mit der Wiedervereinigung 1989 kam es zur Umbildung des Instituts für Marxismus-Leninismus in „Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung“ (IfGA). Im Jahr 1993 gingen die Bestände der Bibliothek schließlich geschlossen an die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO).

Zu den Aufgaben der Bibliothek zählte seit Beginn die Forschung zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Hinzu kam die Herausgabe von Werken deutscher und internationaler Akteure der Arbeiterbewegung sowie von Werken von Marx, Engels und Lenin.

Der Bestand der Bibliothek wuchs im Laufe der Jahrzehnte von zunächst etwa 150.000 Bänden im Jahr 1950 auf ca. 750.000 Bände an, die 1993 an die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO) übergeben wurden.[1] Die Erwerbung unterstand in den Anfängen dem ersten Leiter der Bibliothek, Bruno Kaiser. Der Aufbau des Bestandes erfolgte über Geschenke und Nachlässe, Bestände, die von anderen Parteibibliotheken übersendet wurden (ab 1. Dezember 1949 erhielt die Bibliothek Pflichtexemplare aller neu erscheinenden Parteiveröffentlichungen [2]), als auch Tauschlisten.

Der überwiegende Teil des Bestandes ist nach 1900 erschienen. Die Bibliothek diente vor allem auch als Sammelstelle von Parteischriften (darunter z.B. von der SED herausgegebene Bücher, Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften, Graue Literatur) und fungierte somit als Archivbibliothek. Eingang in den Bestand fanden auch Veröffentlichungen von deutschen Arbeiterorganisationen und Verlagen.

Die Bibliothek wurde zur Spezialbibliothek für die deutsche und internationale Arbeiterbewegung von den Anfängen bis zur Gegenwart und zur Marx-Engels-Forschung. Zu diesem Zweck wurde auch die Rekonstruktion der Privatbibliotheken von Marx und Engels angestrebt [3], sowie der Aufbau einer Sammlung all ihrer Schriften inklusive Übersetzungen und Beiträgen in Zeitschriften. Unter den Sondersammlungen fanden sich zudem zahlreiche Nachlässe und Privatbibliotheken als auch eine Sammlung von illegalen Druckschriften aus der Zeit von 1933 bis 1945 (z.B. Tarnschriften) mit etwa 1.300 Titeln.

Provenienzmerkmal

Signaturensystem und Systematik

Die Sonderbestände der Bibliothek wurden separat aufgestellt. Die Signaturen verteilten sich dabei wie folgt[4]:

T: Sammlung der illegal erschienen deutschen Druckschriften und Tarnschriften aus der Zeit von 1933 bis 1945
SPD: Exemplare der historischen Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
NL: Einzelstücke aus Nachlässen mit Widmungen, Marginalien des Besitzers oder anderen besonderen Kriterien
Ma: Privatbibliothek von Karl Marx und Friedrich Engels
Gr: Bibliothek des Ökonomen, Statistikers und Historikers Henryk Großmann
CZ: Bibliothek von Clara Zetkin
WP: Teilbestand der Bibliothek von Wilhelm Pieck
WU: Teilbestand der Bibliothek von Walter Ulbricht
OG: Teilbestand der Bibliothek von Otto Grotewohl

Ermittelte Exemplare

Die Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus wurde 1993 von der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) im Bundesarchiv übernommen.

Weitere ermittelte Exemplare:

SBB

ZLB

Literatur

  • Barbara Kontny, Hans-Jürgen Voß, Jürgen Stroech, „Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv“, in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Hildesheim 2003.[Stand: März 1995] Online-Version
  • Ingrid Skambraks, Die Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 90 (1976) Heft 7, S. 315-321.

Weblinks

Siehe auch

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Vgl. Dagmar Goldbeck, Der Bestandsaufbau in der Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (IML), S. 27. Online unter: Website des Förderkreises Archive und Bibliotheken, Bibliothek des IML, Letzter Zugriff: 08.06.2018; Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv
  2. Vgl. Goldbeck, Der Bestandsaufbau in der Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus, S. 3.
  3. Im Jahr 1959 wurden Originale aus dieser Sammlung als Geschenk an die Sowjetunion übergeben. Vgl. Goldbeck, Der Bestandsaufbau in der Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus, S. 20.
  4. Vgl. Goldbeck, Der Bestandsaufbau in der Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus, S. 17-21.