Hedwig Hesse

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Hedwig Hesse geb. Bachur (* 8. Mai 1880 in Berlin; † August 1942 in Riga) war eine deutsche Jüdin. Sie und ihr Mann Max Hesse (* 30. Juli 1880 in Leipzig) wurden am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

Leben

Hedwig Bachur kam am 8. Mai 1880 als Tochter von Siegfried Bachur und seiner Frau Fanny, geborene Levy, in Berlin zur Welt. Sie heiratete am 1. April 1905 Max Guido Hesse, Inhaber eines Industriedruckbetriebes in Berlin. Max Hesse wurde am 30. Juli 1880 in Leipzig geboren. Das Paar hatte drei Kinder: Peter, Susi und Walter. Die Familie lebte in der Helmstedter Straße 5 in Berlin. Die Hesses wurden in Deutschland als Juden verfolgt. Die Kinder Peter, Susi und Walter Hesse konnten rechtzeitig nach Südafrika bzw. in die USA emigrieren. Hedwig und Max Hesse wurden zusammen am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

Bibliothek

Das Exlibris Hedwig Hesses spricht für eine umfangreiche und wohlorganisierte Büchersammlung. Es existiert in einer kleineren und einer größeren Variante zur Verwendung für entsprechend variierende Buchformate. Das Exlibris enthält bereits ein vorgedrucktes „Nr…“, als hätte die Besitzerin eine handschriftliche Nummerierung eintragen wollen. Solche handschriftlichen Eintragungen sind bislang allerdings nicht bekannt.

NS-Raubgut

Hedwig Hesses Bücher gelangten im Zuge der Verfolgungs-, Enteignungs- und Verwertungspolitik der Nationalsozialisten aus ihrer Wohnung in Charlottenburg über Zwischenstationen in die Hände verschiedener Bibliotheken oder anderer neuer Besitzer. 1943 kaufte die Berliner Stadtbibliothek ca. 40.000 Bücher aus der Berliner Städtischen Pfandleihanstalt an, die aus den Wohnungen deportierter Jüdinnen und Juden stammten. Hinzu kam 1951 die Erwerbung von über 1.000 Büchern aus der Verwaltungsstelle Sondervermögen in der Abteilung Finanzen des Berliner Magistrats, ebenfalls teilweise beschlagnahmter jüdischer Besitz. Von der Stadtbibliothek wurden später etliche Bände wieder an andere Bibliotheken abgegeben. Auf diese Weise gelangten die wenigen heute bekannten Bücher Hedwig Hesses schließlich bis nach Rostock und Dresden.

Restitution

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin identifizierte in ihrem Bestand 42 Bücher aus dem Besitz Hedwig Hesses und restituierte sie an die Erben. 2017 folgte ein Band aus der Universitätsbibliothek Rostock und 2018 konnten die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Berliner Staatsbibliothek zusammen vier weitere Bände an die Familie übergeben.

Provenienzmerkmal

Der Produktgestalter und Gebrauchsgraphiker Adolf Behrmann, der 1903 bis 1933 in der Eisenacher Straße in Berlin-Schöneberg zu Hause war, schuf für die mit ihrem Mann in Charlottenburg wohnhafte Hedwig Hesse im Mai 1918 ein Exlibris, das in einer großen und einer kleinen Variante nachgewiesen ist. Eine persönliche Bekanntschaft des Künstlers mit dem Ehepaar darf aufgrund des beruflichen Umfelds von Max Hesse als Inhaber eines Industriedruckbetriebes vermutet werden.

Ermittelte Exemplare

SB Berlin

ZLB Berlin

Verbundkatalog des GBV

Weblinks

GND-Normdaten