Hans Fürstenberg

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Hans Fürstenberg (französisch Jean Furstenberg) war ein Bankier und Büchersammler in Berlin, (* 20. Januar 1890 in Berlin; † 03. Mai 1982 in Beaumesnil/Frankreich).

Leben

Hans Fürstenberg war der Sohn des Bankiers Carl Fürstenberg und seiner Frau Daniela Natanson. Nach dem Abitur 1908 studierte er zunächst in Berlin und München und absolvierte dann ab 1910 in der Berliner Handels-Gesellschaft (BHG) eine Banklehre. Aufgrund seines seines großen Privatvermögens konnte er schon in jungen Jahren eine wertvolle Büchersammlung aufbauen.
Als Jude musste er 1936 emigrieren und zahlte dafür die Reichsfluchtsteuer, seine Bibliothek mit 16.000 Bänden konnte er jedoch mitnehmen. 1938 kaufte und bezog er das Renaissanceschloss Beaumesnil in der Normandie. Seine Sammlung von 800 Erstausgaben der Weimarer Klassik stiftete er 1938 der Bibliothèque nationale de France.
Nach Kriegsausbruch 1939 organisierten er und der Bibliotheksdirektor Julien Cain eine Teilauslagerung der Bestände der Bibliothèque nationale nach Beaumesnil. Der Archivar und Oberkriegsverwaltungsrat Georg Winter wies Gerhard Utikal vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) auf die Bibliothek Fürstenbergs hin, die daraufhin offenbar größtenteils vom ERR in die Zentralbibliothek der Hohen Schule der NSDAP (ZBHS) überführt wurde, wobei die Provenienz vertuscht wurde.
Fürstenberg wurde in Frankreich von der Gestapo verfolgt, floh 1940 in die Schweiz und entging damit dem Holocaust. Er kehrte 1945 nach Beaumesnil zurück, wo er nun daranging, die Lücken in den Sammlungsbeständen aufzufüllen.

Provenienzmerkmale

Literatur

  • Sutter, Sem C.: Looting of Jewish Collections in France by the Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg. In: Regine Dehnel (Hg.: Jüdischer Buchbesitz als Raubgut (= Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderhefte 88). Frankfurt am Main 2006, S. 120–134.
  • Sotheby’s London: The collection of Otto Schäfer. Part 4: The Hans Fürstenberg Collection of eighteenth-century French books. London 1995.
  • Sammlung Hans Fürstenberg. Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Katalog, 2 Teile. Antiquariat Fritz Eggert, Stuttgart 1966/67.
  • Die italienischen Renaissance-Einbände der Bibliothek Fürstenberg. Maximilian-Gesellschaft, Hamburg 1966.