Gsellius Buchhandlung und Antiquariat
Die Gsellius'sche Buchhandlung war ein Berliner Unternehmen, dessen Anfänge in das 18. Jahrhundert zurückreichen.
Inhaltsverzeichnis
Gründung, Orte, Bezeichnungen
Die Gsellius'sche Buchhandlung wurde 1737 in Berlin begründet. Über die Jahrhunderte befand sie sich an verschiedenen Adressen, bspw. in der Kurstrasse 51, der Mohren-Straße 52 sowie am Hohenzollerndamm 92. Auch firmierte sie unter verschiedenen Bezeichnungen, darunter Gsellius'sche Buch- und Antiquarhandlung, Gselliussche Buch- und Antiquariathandlung, Gsellius, Gsellius'sche Buchhandlung oder Gsellius'sche Buch-, Antiquariats- und Globenhandlung F.W. Linde.
Seinem 200-jährigen Bestehen widmete die Buchhandlung einen eigenen Katalog: Zweihundert Jahre Gsellius 1737–1937. 1000 schöne und wertvolle Bücher aus 6 Jahrhunderten. Jubiläums~Katalog.
Gsellius in den Jahren 1933-1945
In den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft war Gsellius in den Handel mit geraubten Büchern involviert. So erwarb die Universitätsbibliothek Marburg 1937 bei Gsellius eine juristische Monographie mit dem handschriftlichen Besitzvermerk „Bruck“. Im Zuge weiterer Recherchen wurde dieser Namenszug Martin Bruck (1878–1942) zugeordnet. „Martin Bruck, geboren 1878 in der schlesischen Stadt Neiße, hatte in Berlin eine eigene Anwaltskanzlei. Infolge des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom April 1933 wurde ihm sein Notariat entzogen, so dass sich die materielle Situation der Familie schnell verschlechterte. 1937 sah er sich gezwungen, verschiedene mehr oder weniger wertvolle Dinge zu verkaufen, darunter Briefmarken und Bücher. […] Als die Situation der Familie im Folgenden immer schwieriger und bedrohlicher wurde, entschieden sich Margarete und Martin Bruck 1939, ihren Sohn mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Seine Schwester emigrierte im selben Jahr nach Palästina.“[1] Margarete und Martin Bruck wurden am 24. Juni 1942 nach Minsk deportiert und dort ermordet.
Auch im Bestand der Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin befindet sich ein von Gsellius geliefertes Buch, welches als NS-Raubgut zu bewerten ist. Der 1933 erschienene Titel „Das Haus Lepsius. Vom geistigen Aufstieg Berlins zur Reichshauptstadt“ enthält ein Exlibris mit der Aufschrift „Dr. Herman Isay“. Der spätere Jurist, Privatdozent und außerordentliche Professor für Bürgerliches Recht, Patent-, Muster- und Warenzeichenrecht an der Technischen Hochschule Berlin Isay wurde 1873 in Berlin geboren und starb 1938 nach schwerer Krankheit ebenda. 1933 wurde er, ähnlich wie auch Martin Bruck, aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entlassen.[2] Im selben Jahr wurde ihm das Notariat entzogen.[3].
Der Umstand, dass sowohl Martin Bruck als auch Hermann Isay für ihre Bücher hatten Exlibris anfertigen lassen, bezeugt dabei die Bedeutung von Büchern im Leben der beiden verfolgten Juristen.
Provenienzmerkmale
Buchhändleretikett Gsellius, Buchhandlung & Antiquariat, Berlin W8, Mohrenstr. 52
- deutschefotothek: Gsellius'sche Buchhandlung / Etikett: Buchhändler/Buchhändlerin
- deutschefotothek: Gsellius'sche Buchhandlung / Etikett: Buchhändler/Buchhändlerin
- Freiburger historische Bestände - digital: Etikett
Ermittelte Exemplare
- Suche einer Provenienz im OPAC der Staatsbibliothek zu Berlin: %22Gsellius+Buchhandlung+und+Antiquariat%22
- Suche einer Provenienz im Verbundkatalog K10plus: %22Gsellius+Buchhandlung+und+Antiquariat%22
Literatur
Bernd Reifenberg: Der lange Weg zur Restitution. In: Ira Kasperowski, Claudia Martin-Konle (Hg.): NS-Raubgut in hessischen Bibliotheken. S. 155-174.
Quellen
Sächsisches Staatsarchiv, 21765 Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (I), Nr. F 03401.
GND-Normdaten
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Bernd Reifenberg: Der lange Weg zur Restitution. S. 155–174, hier S. 167f
- ↑ Vgl. Catalogus Professorum - TU Berlin
- ↑ Vgl. Projektbeschreibung_TriererJuristenJüdischerHerkunft.pdf