Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden

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Die bereits 1822 gegründete Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden in Berlin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Juden zum Protestantismus zu bekehren. Am 23. Januar 1941 wurde die Geschäftsstelle der Gesellschaft von der Gestapo besetzt. Die Bibliothek der Gesellschaft, die vornehmlich Bücher zu Fragen des Judentums in Deutschland enthielt, wurde beschlagnahmt. 1948 nahm die Gesellschaft ihre Tätigkeit wieder auf, bestand in kleinem Rahmen bis 1982 fort und hatte ihren Hauptsitz in Berlin-Ost.

Stempel

Signaturen

NS-Raubgut

Aus dem Lieferanteneintrag im Akzessionsjournal der Preußischen Staatsbibliothek geht der Sachverhalt NS-Raubgut eindeutig hervor.

Akzessionsjournal
Eintrag im Akzessionsjournal der Preußischen Staatsbibliothek von 1941

Rechtsnachfolge

Die nach Kriegsende zunächst wiederbegründete "Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden" löste sich zum 1. Mai 1982 auf. In die Rechtsnachfolge trat zunächst das "Ökumenisch- Missionarische Zentrum" (ÖMZ) ein; als heutiger Rechtsnachfolger konnte inzwischen das Berliner Missionswerk der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ermittelt werden, das nach der Wende mit dem ÖMZ fusionierte. Die Restitutionsverhandlungen zwischen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem „Missionswerk“ als dem rechtmäßigen Eigentümer sind inzwischen abgeschlossen.

Ermittelte Exemplare

Von dem insgesamt deutlich umfangreicheren Bestand der Bibliothek der "Gesellschaft" konnten rund 400 Exemplare über die Akzessionsjournale der Preußischen Staatsbibliothek nachgewiesen werden bzw. fanden sich in noch unbearbeiteten Beständen. Wie der gesamte Bestand der Preußischen Staatsbibliothek wurden auch diese Drucke durch die Kriegswirren und die Teilung Deutschlands auseinandergerissen. Dies hatte zur Folge, dass zunächst nur ein Teil der Sammlung in einem Akzessionsjournal von 1941 identifiziert werden konnte. Ein weiterer Teil mit insgesamt 186 Drucken wurde erst nach dem Krieg bzw. Anfang der 1950er Jahre mit der Herkunftsbezeichnung "alter Bestand" in die Sammlungen der Staatsbibliothek eingearbeitet. Die restlichen Exemplare konnten entweder nicht ermittelt werden oder müssen zu den Kriegsverlusten der Staatsbibliothek gerechnet werden.

Durch die in den Jahren 2010 und 2012 erfolgten Restitutionsverfahren konnte die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz insgesamt 354 Bände der Gesellschaft an das Berliner Missionswerk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz restituieren.
Am 18. August 2016 konnten weitere 15 Bände an das Berliner Missionswerk übergeben werden. Diese Bücher waren vor 1945 zunächst in die Bibliothek des 1935 in Berlin begründeten Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland und erst 1982 mit einer umfangreichen Schenkung in den Bestand der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz im Westen Berlins gelangt.

Darüber hinaus konnte 2010 auch ein Aktenbestand der „Gesellschaft“ restituiert werden, der 1941 offenbar zusammen mit der Bibliothek beschlagnahmt und über die Preußische Staatsbibliothek noch im gleichen Jahr an das Geheime Staatsarchiv weitergeleitet worden war. Es handelt sich um 76 Einzelakten aus den Jahren 1816 bis 1933, die neben Dokumenten zur Verwaltung und über die Beziehungen zu anderen Missionsgesellschaften auch Tagebücher und Reiseberichte der von der „Gesellschaft“ beschäftigten Missionare enthalten.


Weitere vier Bücher aus der Bibliothek der "Gesellschaft" gelangten 1943 als Geschenkzugänge in den Bestand der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und konnten 2011 an das Berliner Missionswerk übergeben werden:

Literatur

  • Jochen-Christoph Kaiser: Evangelische Judenmission im Dritten Reich, in: Der Holocaust und die Protestanten, hg. v. Jochen-Christoph Kaiser u.a., Frankfurt a. M. 1988 (Konfession und Gesellschaft 1).
  • Heike Pudler: Geschäftsgänge zur Restitution von NS-Raubgut in der Staatsbibliothek zu Berlin - ein Bericht aus der Praxis, in: NS-Raubgut, Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek, hg. v. Hans Erich Boedeker u.a., München 2008.
  • Michaela Scheibe u. a.: Judenmission und Bücherraub, in: Bibliotheksmagazin. Mitteilungen aus den Staatsbibliotheken in Berlin und München, Nr. 2/2010, S.69-74. Online-Ausgabe

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