Georg Manasse (Stettin)

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Georg Manasse (* 31. Dezember 1852, † 13. September 1923 in Frankfurt a. Main, begraben in Stettin, Pommern, heute Szczecin, Polen) war ein jüdischer Kaufmann, Kommerzienrat und königlich schwedischer Generalkonsul in Stettin.

Nicht zu verwechseln mit:


Leben

Kommerzienrat Georg Manasse war - zusammen mit Franz Manasse, vermutlich seinem Bruder - Inhaber der Firma L. Manasse jun., einer Saaten- und Salzgroßhandlung in Stettin (Bollwerk 4-5, Oderhof, 1. Portal) und von 1906 bis 1923 Obervorsteher der Kaufmannschaft. Außerdem war er Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten: Neue Dampfer-Co., Stettiner Oderwerke, Union Fabrik chemischer Produkte, Deutsche Bank Berlin, Stettiner Dampfschiffsgesellschaft J. F. Bräunlich, Union AG für See- und Flußversicherung Stettin, Stettiner Vulcan-Werft (1910-1923), Stettiner Oelwerke AG.

Manasse wurde zum Ehrenbürger der Stadt Stettin ernannt und erhielt von der Universität Greifswald die Ehrendoktorwürde. Er besaß ein Haus in der Falkenwalder Str. 89. In der Sammlung Eckhard Wendt, Remagen, ist ein Foto nach einem Porträt von Max Liebermann erhalten. Das Germanische Nationalmuseum besitzt eine von Bernhard Bleeker geschaffene Medaille mit dem Porträt Manasses als "Ehrenbürger der Stadt Stettin und Obervorsteher der Kaufmannschaft"[1].

Seine Frau Kaethe Manasse (geb. Lichtheim) zog nach dem Tod ihres Mannes in die Grabower Str. 27 und ist dort noch im Adressbuch von 1943 als Eigentümerin eingetragen (seit 1942 wieder ohne den diskriminierenden Namenszusatz "Sara").

Manasses Sohn Georg Manasse jun. (* 22. Oktober 1891, zwei weitere Söhne sind im Ersten Weltkrieg gefallen[2]) erscheint 1922 erstmals als Mitinhaber der Firma L. Manasse jun. und führte nach dem Tod seines Vaters zusammen mit Franz Manasse die Firma weiter. Die Tochter Lena Manasse war zunächst mit Helmuth Kaldrack verheiratet, der ebenfalls im Ersten Weltkrieg fiel. In zweiter Ehe war sie mit dem Juristen und späteren Landgerichtsdirektor Fritz Toepffer verheiratet.

Provenienzmerkmale

Dieses mit "P. Telemann. 03. Berlin" signierte Exlibris dürfte demnach 1903 für Georg Manasse (den Älteren), zu dessen unternehmerischen Tätigkeiten das aufwändige Bildprogramm hervorragend passt, entworfen worden sein. Die Verbindung zu Stettin (Wappen, Stadtansicht) und zu der Schiffs- und Lokomitvenherstellung (der Vulcan-Werft) wird dabei besonders deutlich. Eine Verwechslung mit Georg Manasse jun., mit einem weiteren Samenhändler Georg [Meyer] Manasse in Dramburg (Pommern) oder dem berühmten Kaufhausbesitzer Georg Manasse ist damit ausgeschlossen.

Dieser Namenszug aus dem 1880 Georg Manasse gewidmeten Exemplar scheint von anderer Hand zu stammen als die Georg Manasse jun. zugeordneten Namenszüge und dürfte somit dem Vater zuzuschreiben sein.


Ein weiteres, undatiertes Exlibris sowie zwei weitere Namenszüge sind aller Wahrscheinlichkeit nach Georg Manasse jun. zuzuordnen, der die Bibliothek seines Vaters ganz oder teilweise übernommen haben dürfte.


Ermittelte Exemplare

  • WLB Stuttgart, Signatur: A12/115 und A12/490

Quellen

Literatur

  • Manfred Höft: Der Vulcan in Stettin und Hamburg, Bd. 2: 1905-1929. Der Handelsschiff- und Maschinenbau, Bremen 2015, v.a. S. 20 (Abb. Porträt Liebermanns) und Anlage 5 (Sterbedatum).
  • Hermann Maué: Georg Manasse, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2002, Nürnberg 2002, S. 396 f.
  • Carl Meister: Die Stettiner Kaufmannschaft und ihr Wirken in Pommern, Baltische Studien NF 46.1959, S. 79-91, v.a. S. 83 Digitalisat der UB Greifswald

Einzelnachweise

  1. Maué, Manasse, S. 396 f.
  2. Ernst Manasse fiel am 15.8.1915 bei Różan, Polen, vgl. Frank Henseleit, Werkverzeichnis Bernhard Bleeker, Diss. Augsburg 2005, Bd. 2, Nr. 76 (Medaille 1915). - Ob der im WV unter Nr. 51 (Marmorbüste ca. 1913) genannte Kommerzienrat Otto Manasse ein weiterer Sohn von Georg Manasse war, ist unklar.