Friedrich Wilhelm Puhlmann

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Porträtfoto von Friedrich Wilhelm Puhlmann, ca. 1875
Privatbesitz Thomas Geigengack
Künstler: Adolph Menzel [08.12.1815 - 09.02.1905]
Titel: "Puhlmanns Bücherregal"
Zeichnung, Bleistift auf Papier (1844), "Ad. Menzel / 44. / Potsdam"
Blattmaß 26,9 x 21,0 cm
Standort: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Inventar-Nr.: SZ Menzel N 1027
Copyright: bpk / Kupferstichkabinett, SMB


Visitenkarte von Friedrich Wilhelm Puhlmann, gezeichnet von Adolph Menzel, 1836
Privatbesitz Thomas Geigengack

Friedrich Wilhelm Puhlmann (* 2. April 1797 in Potsdam; † 1882 in Potsdam) war ein deutscher Militärarzt und Freimaurer sowie Mitbegründer und erster Vorsitzender des “Vereins deutscher Freimaurer”. Er gehörte der Loge Teutonia zur Weisheit zu Potsdam an.

Leben

Friedrich Wilhelm Puhlmann wurde als Sohn des Malers Johann Gottlieb Puhlmann (1751-1826) geboren. Der Potsdamer Gastwirtssohn Johann Gottlieb Puhlmann war 1787 von seinem Studium bei dem Historienmaler Pompeo Battoni in Rom zurückgekehrt und im gleichen Jahr von Friedrich Wilhelm II. zum Galerie-Inspektor und Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt worden.[1]

Friedrich Wilhelm Puhlmann besuchte die Stadtschule (seit 1812 Gymnasium) in Potsdam, 1813 bis 1817 das medizinisch-chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut für Militärärzte in Berlin. In den Befreiungskriegen arbeitete Puhlmann zeitweise als Lazarettchirurg und danach als Chirurg an der Berliner Charité. 1825 bis 1827 studierte Puhlmann an der Universität Berlin Medizin und promovierte 1827. Im gleichen Jahr wurde er zum Stabsarzt ernannt und 1828 approbiert. Vom 2. März 1828 bis zu seinem Tod war Puhlmann Regimentsarzt beim Garde-Husaren-Regiment in Potsdam. In dieser Funktion nahm er 1864 am Feldzug gegen Dänemark und 1866 am preußisch-österreichischen Krieg teil und wurde mit dem Roten Adlerorden und dem Ritterkreuz des Hohenzollernschen Hausordens ausgezeichnet. Zum 50jährigen Regimentsjubiläum 1878 wurde ihm der Ehrentitel eines Generalarztes verliehen.

Puhlmann heiratete 1828 Constanze Steinert (1805-1852), Tochter des Hofbaurates Johann Friedrich Heinrich Steinert und der Dorothea Friederike Müller[2], mit der er drei Kinder hatte: Sein ältester Sohn Oscar Emil Wilhelm Puhlmann (1831-1889) ergriff ebenfalls den Beruf eines Militärarztes und wurde 1882 sein Nachfolger als Regimentsarzt. Der jüngere Sohn Alexis Benno Theodor Puhlmann (* 25. Sept. 1832 in Potsdam † 1923 in Santo Angelo - Agudo, Brasilien) studierte seit 1854 an der Akademie in Karlsruhe und wurde Landschaftsmaler. Er heiratete 1872 in Stuttgart Justina Kerner (* 5. Oktober 1846 in Weinsberg; † 12. Februar 1941 in Weinsberg), die Tochter des Arztes und Dichters Theobald Kerner. Spätestens 1878 war er wieder im Berliner Umland (Ruhlsdorf bei Zerpenschleuse) ansässig. Eine 1883 zunächst als zweijähriger Malaufenthalt geplante Reise des Ehepaars nach Brasilien führte zur dauerhaften Übersiedlung in die deutsche Kolonie Santo Angelo (heute: Agudo)[3]. Bei der 1857 zusammen mit Oscar Puhlmann als Verfasserin zweier Gedichte erwähnten Sophie Heegewaldt, geb. Puhlmann, handelt es sich schließlich um Puhlmanns einzige Tochter, deren Porträt Menzel im Oktober 1844 zeichnete.

Puhlmann war selbst musisch begabt und darüber hinaus als Sammler und Kulturförderer sehr aktiv, u.a. als Mitbegründer und Mitglied verschiedener Kunstvereine. Er war einer der wenigen engen Vertrauten des Malers Adolph Menzel (1815-1905), der seit 1830 in Berlin lebte. Die beiden hatten erstmals 1836 Kontakt, als Puhlmann Menzel mit dem Entwurf einer Mitgliedskarte für den kurz zuvor gegründeten Potsdamer Kunstverein beauftragte (außerdem zeichnete Menzel 1836 eine Visitenkarte für Puhlmann). Durch diese Freundschaft - die auch über zahlreiche Briefe Menzels an Puhlmann dokumentiert ist - gelangte eine Vielzahl von Zeichnungen und graphischen Werken Menzels in Puhlmanns Besitz (u.a. zeichnete Menzel 1844 Puhlmanns Bücherregal in Potsdam). 1882 konnte Puhlmanns Menzel-Sammlung für die Nationalgalerie in Berlin erworben werden. Das Stadtmuseum Potsdam erwarb in den 1920er Jahren von der Witwe Oscar Puhlmanns einige Kunstwerke aus Familienbesitz.

Puhlmann wurde am 19.8.1822 in die Potsdamer Loge Teutonia zur Weisheit aufgenommen und am 29.6.1823 zum Meister erhoben. Kurz vor seinem Tod, im Jahre 1881, feierte er sein 50-jähriges Jubiläum als Vorsitzender Meister der Loge. Der von ihm gegründete "Verein zur Fürsorge von Witwen und Waisen verstorbender Brüder“ wurde später in „Puhlmann-Stolte-Stiftung“ umbenannt. Oscar Puhlmann trat auch hier zunächst in die Fußstapfen seines Vaters: er wird im Mitgliederverzeichnis von 1860 als stellvertretender Redner, Archivar und Bibliothekar der Loge genannt, ist aber spätestens 1873 nicht mehr Mitglied der Loge. Sein jüngerer Bruder Alexis ist dagegen von 1854 bis zu seiner Brasilienreise als Logenmitglied verzeichnet (zuletzt 1882).

Provenienzmerkmale

Autogramm

Von Puhlmann eingetragene Eigentumsvermerke der Loge Teutonia zur Weisheit in Potsdam

Ermittelte Exemplare

Siehe auch

Literatur

  • [Auktionskatalog Puhlmann 1883] Verzeichniss einer werthvollen Sammlung von Werken, Manuscripten u. Autographen zum Theil aus dem Nachlasse des General-Arztes Dr. Puhlmann und einer Schlossbibliothek, bezeichnet Schack v. Wittenau. Versteigerung durch den Königl. u. städt. Auctions-Commissar für Kunstsachen u. Bücher Rudolph Lepke, Dienstag den 8. Mai 1883 u. folg. Tage von 10-2 Uhr gegen baare Zahlung im Auctions-Hause zu Berlin S. W. Koch-Strasse 29, [Berlin], 1883. Digitalisierte Ausgabe
  • Feier der Grundsteinlegung zum Bau des Logenhauses am 16. November 1879, der Einweihung des neu erbauten Logenhauses, des Johannisfestes und des fünfzigjährigen Jubiläums des Mstr. v. St., sehr ehrw. Br. Puhlmann als hammerführender Meister der Johannis-Loge "Teutonia zur Weisheit" im Or. Potsdam am 19. Juni 1881, Potsdam 1882.
  • Heinz Goerke: Heilkunde im alten Potsdam, Hildesheim u.a. 2002, S.114-120.
  • Rainer Graefe: Die Bauräte und Hofgärtner der Familie Steinert, in: Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg, München [u.a.] 2002, S. 303-306. ISBN 3-422-06396-X
  • Ulrich-Dieter Oppitz: Dr. Wilhelm Puhlmann. Sammler von Handschriften und Menzel-Freund, in: Rudolf Bentzinger: Grundlagen. Forschungen, Editionen und Materialien zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Stuttgart 2013, S. 573-582. ISBN 3-7776-2348-2 ISBN 978-3-7776-2348-1 eBook
  • Michael Sachs: Geschichte der operativen Chirurgie, Bd. 5: Ergänzungs- und Registerband, Heidelberg 2005, S.104-107. ISBN 3-922777-29-5

Weblinks

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Eventuell spielten hier auch private Beziehungen eine Rolle: Puhlmanns Schwester Marie Sophie Elisabeth brachte 1774 einen unehelichen Sohn Friedrich Wilhelms zur Welt, den von ihrem Ehemann Johann George Steinert (1739/40-1807) adoptierten Georg Steiner(t) (1774-1834). Zu den Hofgärtnern Steinert vgl. das Hofgärtnerverzeichnis in: Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen, Leipzig 2004, S. 302-339. ISBN 3-89487-489-9
  2. Friederike war Steinerts Cousine und die Tochter des Rheinsberger Hofgärtners Christian Friedrich Müller (1749-1833) und der Dorothea Marie Luise Puhlmann, einer Schwester des Malers Johann Gottlieb Puhlmann. Die vielfachen verwandtschaftlichen Beziehungen der Familien Müller, Steinert und Puhlmann gehen auch aus den Briefen des Malers aus Rom hervor, hrsg. v. Götz Eckardt, Ein Potsdamer Maler in Rom, Berlin 1979.
  3. Offenbar war Alexis Puhlmann in Sant Angelo auch als Arzt tätig (ein Medizinstudium in Berlin ist allerdings nicht nachweisbar) und engagierte sich weiterhin als Freimaurer (wohl in der 1899 gegründeten Loge Estrella de Santo Ângelo de Agudo) wie nicht zuletzt sein mit Winkelmaß und Zirkel geschmückter Grabstein belegt. - Abbildung des Grabes und Biographie in: 75 Jahre Deutschtum. Santo Angelo - Agudo 1857-1932, São Leopoldo 1932, S. 25-28, sowie Abbildung des Porträts von der Hand des italienischen Malers Angeli S. 4. Die Festschrift enthält auch einen Beitrag von Justina Puhlmann-Kerner (unter dem Titel "Erinnerungen einer 85-Jährigen", S. 207-209). Justina Puhlmann-Kerner kehrte 1938 mit über 90 Jahren nach Weinsberg zurück, wo sie 1941 starb.