Erich Schmidt

Aus ProvenienzWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Erich Schmidt (* 20. Juni 1853 in Jena; † 29. April 1913 in Berlin) war ein deutscher Literaturwissenschaftler.

Leben

Nach dem Schulabschluss in Schulpforta studierte der Professorensohn Erich Schmidt in Graz, Jena und Straßburg klassische Philologie, promovierte dann aber 1874 bei Wilhelm Scherer in neuerer deutscher Literaturgeschichte. Ein Jahr später habilitierte er in Würzburg und wurde 1877 Scherers Nachfolger in Straßburg. 1880 ging Schmidt als Professor nach Wien und wurde 1885 Direktor des neugegründeten Goethe-Archivs in Weimar. 1887 folgte er wiederum Scherer als ordentlicher Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin nach, wurde Gründungsdirektor des Germanistischen Seminars und war 1909 bis 1910 Rektor der Universität. Von 1906 bis zu seinem Tod war er Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar, bereits 1895 wurde er als ordentliches Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Schmidt war in den literarischen Salons Wiens und Berlins zu Hause und als Hochschullehrer und Wissenschaftsorganisator breit vernetzt.

Bibliothek

Erich Schmidt besaß eine umfangreiche germanistische Bibliothek (ca. 10.000 Bände), die auch viele bibliophile Stücke wie Erstausgaben und Widmungsexemplare umfasste. Besonderer Schwerpunkt seiner Sammlung waren Werke von und über Goethe, aber auch Lessing und Kleist. Gleichzeitig erhielt Schmidt als Förderer moderner Literatur von der nachklassischen Zeit bis zum Naturalismus zahlreiche Widmungs- und Rezensionsexemplare zeitgenössischer Autoren. Neben dem Exlibris und einem Stempel aus seiner Wiener Zeit hinterließ Erich Schmidt häufig handschriftliche Annotationen und seinen Namenszug in seinen Büchern, so dass diese meist eindeutige Provenienzspuren aufweisen.
Nach dem Tod des Sammlers im Jahr 1913 kaufte der Berliner Verleger Rudolf Mosse vor einer geplanten Auktion die komplette Bibliothek Erich Schmidt von dem Antiquar Martin Breslauer an. Die Autographen-Sammlung Schmidts wurde 1914 tatsächlich von Martin Breslauer verkauft. Rudolf Mosse ließ die Bibliothek im Erdgeschoß seines Hauses am Leipziger Platz 15 aufstellen und machte sie ab März 1914 an vier Tagen der Woche für jeweils zwei Stunden unter Auf­sicht öffentlich zugänglich. Als Bibliothekar engagierte er Hans von Müller. Ob das vierbändige maschinenschriftliche "Verzeichnis der Büchersammlung Rudolf Mosse <früher Univ.-Prof. Erich Schmidt>" aus dieser Zeit stammt oder erst beim späteren Verkauf der Sammlung entstand, ist noch ungeklärt.
Nach der Einziehung des Privateigentums der Familie Mosse im NS-Regime begann 1934 der Verkauf der Bibliothek Schmidt/Mosse, wobei die Provenienz Erich Schmidt in den Vordergrund gestellt wurde. Involviert war bereits 1934 die Buchhandlung von Sophie Szczepanski in Berlin-Charlottenburg. Ebenfalls 1934 erschien ein Katalog des Berliner Wertheim-Antiquariats „gemeinsam mit Antiquar Friedrich Korn“, anschließend auch Katalogangebote von den Berliner Antiquariaten Agnes Straub und Der Bücherwurm.
Aus den erhaltenen Akten der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) geht hervor, dass 1974 von der ZwA 1.000 Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt, die auf ungeklärtem Weg als Versteigerungsrest an die Christian Weise Bibliothek Zittau gelangt waren, übernommen und vermutlich weiter vermittelt wurden.

Provenienzmerkmale

Exlibris und Stempel

Autogramm

Widmung

Ermittelte Exemplare

Die dank des Exlibris und anderer Spuren gut zu erkennenden Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt sind in zahlreichen Bibliotheken identifiziert und erschlossen worden, darunter die Staatsbibliothek zu Berlin, SLUB Dresden, Goethe- und Schiller-Archiv (über die Faust-­Sammlung Gerhard Stummes, die zusammen mit Teilen des Nachlasses 1954 von der Weimarer Zentralbibliothek erworben wurde) und Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar, Zentral- und Landesbibliothek Berlin und die Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Lessing-Museum Kamenz
Nachlass Erich Schmidt, u.a. Literatur zur Lessingforschung aus der Bibliothek Erich Schmidts:

Kataloge

Autographensammlung Erich Schmidt 1913/14

  • Katalog Martin Breslauer 27: Autographensammlung aus dem Besitz von Erich Schmidt nebst seiner Bildersammlung zur deutschen Literaturgeschichte, Berlin 1914.

Büchersammlung Rudolf Mosse (i.e. Büchersammlung Erich Schmidt)

  • Verzeichnis der Büchersammlung Rudolf Mosse <früher Univ.-Prof. Erich Schmidt>, [Berlin], [undatiert, 1934?], Bd. 1-4 [Masch.]. - Bd. 1-3 insgesamt 584 Bl. (ca. 7.000 Einträge) sowie Bd. 4 mit 71, 24, 16 Bl. zu Lessing, Goethe und Schiller (ca. 1.300 Einträge). Digitalisat. - Bearbeiter/Hrsg. unbekannt [eventuell nach 1913/14 im Auftrag von Rudolf Mosse erstellt?]. Zugang des Katalogs an die PSB: 19. Juni 1935 von Sophie Szczepanski, Buchhandlung Berlin-Charlottenburg (Zugangsnummer D 1935.737).
  • Kostbarkeiten der deutschen Literatur aus der Bibliothek Erich Schmidt [Antiquariatskatalog]. - Berlin, Wertheim Antiquariat gemeinsam mit Antiquar Friedrich Korn, [1934]. - 31 S. - Zusatz auf der letzten Seite: „Die Bibliothek Erich Schmidt enthält etwa 10.000 Bde Deutsche Literatur und Germanistik: Bei Angabe von Desideraten erfolgen Angebote bereitwilligst.“
  • Deutsche Literatur, Literatur- und Theatergeschichte, z.T. a.d. Besitz des Germanisten Erich Schmidt, Berlin, Bücherwurm 1935 (Kat. 164).
  • 1000 Seltenheiten aus den Bibliotheken und Sammlungen Prof. Erich Schmidt, Dr. Arnold Reimann und aus anderem Besitz, Berlin, Agnes Straub, 1935 (Kat. 83).
  • Originalausgaben deutscher Dichtungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine erlesene Bibliothek [aus dem Besitz von Erich Schmidt und später Rudolf Mosse], welche fast alle großen und begehrten Seltenheiten der deutschen Literatur aufweist, 3 Bände, Berlin, Agnes Straub [ca. 1935] (Kat. 86).
  • Deutsche Literatur … Goethe-Literatur aus der Bibliothek Erich Schmidt, Berlin : Agnes Straub [ca. 1936] (Kat. 87).
  • Deutsche Literatur. Literaturwiss. Teil der Bibliothek Prof. Erich Schmidt, Berlin, Agnes Straub [ca. 1936] (Kat. 88).
  • Deutsche Litera­tur. Literaturwiss. Teil der Bibliothek Prof. Erich Schmidt, Teil II, Berlin, Agnes Straub [ca. 1936] (Kat. 89)

Literatur

  • Roland Folter, Deutsche Dichter- und Germanistenbibliotheken, Stuttgart 1975, S. 177f.
  • Wolfgang Höppner: Schmidt, Erich, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) 23.2007, S. 182 f. Digitalisat
  • Sabine Knopf, Berliner Verleger als Sammler, in: Imprimatur N.F. 21.2009, S. 225-258, hier S. 237-240.
  • Rüdiger Haufe: Bücher aus der Bibliothek Erich Schmidt, in: Supralibros 22 (Nov. 2018), S. 7-9. Online-Ausgabe

Weblinks

GND-Normdaten