Deutsches Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht

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Das Deutsche Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin, von 1915 bis ca. 1936 „Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht“, war eine außeruniversitäre pädagogische Sammlung-, Auskunfts- und Arbeitsstelle für Erziehungs- und Unterrichtswesen mit der Aufgabe zwischen Universität und Schule sowie zwischen Staat und kommunalen Verbänden und pädagogischen Fachinstitutionen zu vermitteln. Zu diesem Zweck wurden u.a. Veranstaltungen und Lehrgänge organisiert.

Das Zentralinstitut gliederte sich zunächst in drei Abteilungen: Die Pädagogische Abteilung mit einer Handbibliothek und Bücherschau, die Ausstellungsabteilung und die Auskunftsabteilung. Ab 1919 kamen eine Bildstelle und eine Auslandsabteilung hinzu.[1]

Geschichte des Zentralinstituts

Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht wurde 1915 von der „Jubiläumsstiftung für Erziehung und Unterricht“ gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die deutschen Länder (mit Ausnahme Bayerns) die Trägerschaft und ab 1934 schließlich das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.[2]

Unter dem Nationalsozialismus konnte das Zentralinstitut sich der personellen und ideologischen „Gleichschaltung“ nicht entziehen. So wurden zum Beispiel 1933 Lehrgänge in Rassenkunde eingeführt und die institutseigene Bücherschau zunehmend um von der nationalsozialistischen Weltanschauung geprägte Werke erweitert.[3]

Während des Zweiten Weltkriegs dehnte sich die Schulungsarbeit des Instituts in die besetzten Gebiete aus. So wurde beispielsweise 1940 die Pestalozzi-Gesellschaft in Prag vom Deutschen Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht übernommen. [4]

Bibliothek

Zur Pädagogischen Abteilung des Zentralinstituts gehörte eine pädagogische Fachbibliothek , deren Bestand sich im Jahr 1920 auf ca. 22.000 Bände belief und bis 1942 auf etwa 71.000 Bänden anwuchs.[5]

Außerdem gehörte zur Pädagogischen Abteilung auch eine Bücherschau mit den Veröffentlichungen pädagogischer Verlage.[6]

Nach 1945

Ein Teil der Bibliothek wurde im Zweiten Weltkrieg nach Rankeheim ausgelagert. Franz Tinz von der Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken berichtete im September 1945 von etwa 30.000 verlagerten Büchern, deren Abtransport geklärt werden sollte, nachdem der „russische Kreiskommandant die Bücher beschlagnahmt“ hatte.[7] Da das Gebäude des Zentralinstituts in der Potsdamer Str. 51/53 im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, gelten etwa 50% des Bestandes der Bibliothek als vernichtet. [8]

Provenienzmerkmal

Ermittelte Exemplare

SBB-PK Berlin:

Verbundkatalog des GBV: UB Rostock etc.

ZLB Berlin:

Literatur

  • Günther Böhme, Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht und seine Leiter. Zur Pädagogik zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus, Karlsruhe 1971.
  • Heinz-Elmar Tenorth, Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Außeruniversitäre Erziehungswissenschaft zwischen Politik, Pädagogik und Forschung, in: Gert Geißler, Ulrich Wiegmann (Hgg.), Außeruniversitäre Erziehungswissenschaft in Deutschland. Versuch einer historischen Bestandsaufnahme, Köln 1996, S. 113–135.

Weblinks

GND-Normdaten

Einzelnachweise

  1. Vgl. Böhme, Das Zentralinstitut, S. 38f.
  2. Vgl. Tenorth: Das Zentralinstitut, S. 115f.
  3. Vgl. Böhme, Das Zentralinstitut, S. 186, 199.
  4. Vgl. Böhme, Das Zentralinstitut, S. 208.
  5. Vgl. Böhme, Das Zentralinstitut, S. 38, 209.
  6. Vgl. Böhme, Das Zentralinstitut, S. 38f.
  7. Zitiert nach: Brief an Günter Elsner von Franz Tinz: Verlagerte Bücherbestände des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, 19. September 1945, in: Landesarchiv Berlin, C Rep. 120 Nr. 512, Bl. 226 Online
  8. Vgl. Aktenvermerk von Fritz Tinz: Bestandsbeschreibung der Bibliothek des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, 1.Oktober 1945, in: Landesarchiv Berlin, C Rep. 120 Nr. 512, Bl. 225. Online