Bibliothek Pernerstorfer

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Exlibris Pernerstorfer aus einem Ex. der SBB

Geschichte

Die Privatbibliothek des österreichischen Reichstagsabgeordneten Engelbert Pernerstorfer (1850-1918) kann als "sozialistische Bibliophilenbibliothek" bezeichnet werden.
Sie bildete zusammen mit der Bibliothek Leopold Winarskys als Dauerleihgabe des Parteivorstandes der SDAP den Grundstock der 1922 eröffneten "Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien".
Im Austrofaschismus verlor die Arbeiterkammer und auch die Studienbibliothek ihre Autonomie. Nach dem "Anschluss" im März 1938 wurden Arbeiterkammer und Bibliothek gänzlich aufgelöst. Noch vor Juni 1938 beschlagnahmte die Gestapo einige separat aufgestellte Sammlungen, darunter die Bibliothek Pernerstorfer, und ließ sie nach Berlin bringen. Die restlichen Bestände folgten 1939.
Die Bestände der Studienbibliothek kamen in die Zentralbücherei beim Arbeitswissenschaftlichen Institut der Deutschen Arbeitsfront (DAF) am Leipziger Platz. Bereits 1943 begann die DAF-Zentralbücherei mit Auslagerungen innerhalb und außerhalb Berlins, die verbliebenen Bücher wurden im November 1943 bei einem Bombenangriff teilweise vernichtet.

Rechtsnachfolge

Im Juli 1945 wurde die Wiener Arbeiterkammer wiedererrichtet. Von 1948 bis 1951 konnten ca. 35.000 Bände aus dem Vorkriegsbestand der Studienbibliothek der Kammer aus der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland zurückgeführt werden, darunter auch Bände aus der Bibliothek Pernerstorfer. Der große Rest der ursprünglich 150.000 bis 160.000 Bände umfassenden Studienbibliothek gilt jedoch bis heute als verschollen.

Ermittelte Exemplare

Im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin konnten im Rahmen der Raubgutermittlung kürzlich einzelne Exemplare aus der Bibliothek Pernerstorfer identifiziert werden.

Literatur

  • Geschichte des Sozialismus in Erst- und Original-Ausgaben : Ausstellung von 25. Mai - 5. Juni 1926 / Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek bei der Kammer für Arbeiter und Angestellte. [Verantw. für den Katalog: Fritz Brügel und Otto Mänchen-Helfen]. - Wien [1926].
  • Madeleine Wolensky: Pernerstorfers Harem und Viktor Adlers liebster Besitz oder zwei sozialistische Bibliophile, ihre Bücher und die Arbeiterkammerbibliothek. - Wien 1994.
  • Karl Stubenvoll: 75 Jahre Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien : 1921 - 1996. - Wien 1997.

Links