Bibliothek Heinrich Stahl

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Geschichte

Ein Großteil der heute bekannten Bestände mit dem Exlibris Heinrich Stahl stammt aus dem Verkauf der Restbestände des Antiquariats Agnes Straub. Die Akademiebibliothek (heute Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) kaufte Anfang der 1950er Jahre diesen umfangreichen Bestand und gab den überwiegenden Teil an externe Institutionen weiter: an das Institut für Marxismus-Leninismus, die Staatlichen Museen Berlin und vor allem die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek. Auch Bruno Kaiser profitierte für seine Privatbibliothek von diesem Verkauf.

Die in den Exemplaren entdeckten Antiquariatsnotizen lassen sich durch Vergleich mit den Katalogen dem Antiquariat Agnes Straub in Berlin zuweisen. Es handelt sich um Katalognummern aus den Jahren 1935 bis 1940. Unklar ist dabei, ob zu diesem Zeitpunkt bereits das Exlibris Heinrich Stahl enthalten war.
Am 9. August 1943 erwarb die Preußische Staatsbibliothek einen Band mit dem Exlibris Heinrich Stahl von dem Antiquariat Agnes Straub (zusammen mit einem mehrere Titel umfassenden Ankauf).
Damit ist denkbar, dass ein Sammler bis 1940 noch bei Agnes Straub einzelne Bücher erwarb, und dann ca. 1941 seine Bibliothek dorthin verkaufte oder verkaufen musste. Möglich ist aber auch, dass diese Sammlung von dem Antiquariat Agnes Straub bereits vor 1935 komplett bzw. spätestens ab 1935 sukzessive erworben wurde.

Provenienzmerkmale

Exlibris
Das einzige nach bisherigem Kenntnisstand wohl vom Sammler selbst stammende Provenienzmerkmal ist ein kleines, nicht signiertes Exlibris. In einigen Fällen finden sich (spätere) Ausrisse bzw. Tekturen des Namens Heinrich Stahl.

Motto und Motiv lassen sich bisher nicht eindeutig mit dem Versicherungsdirektor und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Berlin Heinrich Stahl (* 1868; † 1942) und der Bibliothek aus seiner Villa in Dahlem, Im Dol 32, in Verbindung bringen. Das Motto in exakt dieser Form (übersetzt mit „Immer nützlich sein, niemals verharren!“) ist als Unternehmenswahlspruch bzw. Werbeslogan des Reifenherstellers Continental (Hannover) Anfang des 20. Jahrhundert bzw. in den 1920er Jahren belegt. Es wurde auch von Ernst Jünger (In Stahlgewittern, 1920) in umgekehrter Reihenfolge verwendet; der Teil „Numquam retrorsum“ ist als Devise des Welfenhauses (Braunschweig-Lüneburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Königreich Hannover), des hannoverschen St.-Georgs-Ordens und verschiedener studentischer Gruppierungen im 19. Jahrhundert belegt. Der Künstler konnte nicht ermittelt werden (nicht signiert); die typographische und künstlerische Gestaltung weisen auf die 1910er bzw. 1920er Jahre.
Bisher wurde in den Bänden kein eigenhändiger Namenszug oder hs. Notizen, die von dem Exlibris-Eigner Heinrich Stahl stammen könnten, aufgefunden.

Nummer

Mehrfach finden sich in den Exemplaren mit Bleistift eingetragene Nummern, die von dem Antiquariat Agnes Straub stammen und Katalogangebote von 1935 bis 1940 betreffen.
Anhand dieser Exemplare lässt sich nicht entscheiden, ob das Exlibris zum Zeitpunkt der Antiquariatseintragungen bereits vorhanden war.
Beispiele:

  • 86/... = Katalog Agnes Straub 86.1935
    • 86/907
    • 86/1980
    • 86/1981
    • 86/2069
    • 86/2130
    • 86/2770
    • 86/2830
  • 90/314 [= vermutlich Katalog Agnes Straub 90.1935, ZDB kein Bestand]
  • 100/... = Katalog Agnes Straub 100.1938, SLUB Dresden, Signatur 2.A.7584-2-4:
  • 118/2012 [= vermutlich Katalog Agnes Straub 118.1940, ZDB kein Bestand]

Ermittelte Exemplare

SB Berlin:
Nur ein Band bereits 1943 akzessioniert, alle anderen Zugänge ab 1952. Fast die Hälfte der Bände stammen aus der Bibliothek Kaiser.

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Bibliothek:
Zugänge 1953 über das Antiquariat Agnes Straub, Berlin.

SLUB Dresden:

ZLB Berlin:

UB der HU Berlin

  • Karl Simrock: Die deutschen Volksbücher, Frankfurt a.M. o.J., Signatur: LC 72015 S613-5
  • Julius von der Heyden, Der Veteran und sein Sohn Bunzlau: Appun 1837, Signatur: 68 A 5403

University of Michigan:
Dreibändige Tieck-Ausgabe, von privat(?) am 1941 erworben

Offenbach Archival Depot / Wiesbaden Central Collecting Point:
28 Bücher mit Exlibris Heinrich Stahl (mit Abb. des Exlibris, keine Adresse zu Heinrich Stahl ermittelt)

Literatur

  • Hermann Simon, Heinrich Stahl (13. April 1868 - 4. November 1942). Vortrag ... gehalten zur Gedenkfeier der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am 22. April 1993, Berlin 1993 (Schriften der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum), hier v.a. S.10ff.
  • [Erinnerungen eines Großneffen von Heinrich Stahl:] Gert Lippman, A link in the chain. Biographical notes, [Sydney] 1990, S.37-57. Interessant ist hier die Beschreibung der Villa Stahls in Dahlem, Im Dol 32, in der auch kurz die Bibliothek erwähnt wird: „The lower ground floor had … hobby rooms with an unusually large library, walls and walls of shelves containing German and foreign literature, including many rare, early editions and contemporary writers’ autographs and personal messages“, ebd., S.39.

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