Artur Rubinstein

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Artur Rubinstein (* 28. Januar 1887 in Łódź; † 20. Dezember 1982 in Genf) wird zu den bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts gezählt und gilt bis heute als einer der größten Chopin-Interpreten.

Bibliothek

Artur Rubinstein besaß in seinem Haus am Square de l'Avenue Foch in Paris eine ca. 4.000 Bände sowie zahlreiche Musikhandschriften umfassende Privatbibliothek (Datei:CCP Wiesbaden Titelliste Rubinstein 508-510 Anschreiben.pdf). Im September 1939, kurz nach dem Überfall deutscher Truppen auf Polen übersiedelte Rubinstein mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten von Amerika. Nach dem Einmarsch in Paris konfiszierte der "Sonderstab Musik" des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (ERR) 1940 den Pariser Besitz des weltberühmten jüdischen Pianisten und brachte seine Privatbibliothek in die Zentralbibliothek des Reichssicherheitshauptamtes nach Berlin.
Mehrere seltene Bücher aus Rubinsteins Bibliothek sind in der vom Central Collecting Point (CCP) München zusammengestellten "List Of Property Removed From France During The War 1939 - 1945" aufgeführt, in den "Claims from France" des CCP Wiesbaden ist eine drei Seiten umfassende Titelliste enthalten: Datei:CCP Wiesbaden Titelliste Rubinstein 508-510.pdf.

Nach 1945

Nach Kriegsende wurden Teile der konfiszierten Bestände im Reichssicherheitshauptamt von der Roten Armee in die UdSSR abtransportiert. Darunter befand sich auch eine im Februar 1946 von den Trophäenkommissionen nach Moskau verschickte Kiste mit dem Vermerk "RUBIN - Noten aus der Sammlung von A. Rubinstein". Im Zuge der Rückführung eines Teils der deutschen Kulturgüter durch die Sowjetunion 1958/1959 an die DDR gelangten einige Musikhandschriften aus der Bibliothek Artur Rubinsteins wieder nach Berlin. Sie wurden der Musikabteilung der Deutschen Staatsbibliothek zugewiesen, wo sie sich über Jahre als ein Bestand unbearbeiteter Musikquellen befanden. Erst 2003 gelang die Zuordnung der Bestände zur Sammlung von Artur Rubinstein, woraufhin die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sich mit den Erben Rubinsteins in Verbindung setzte und 2006 eine 71 Positionen umfassende Sammlung von Musikalien an diese restituierte.
Andere Teile der nach Moskau verschickten Bestände aus Rubinsteins Bibliothek befinden sich bis heute in Moskau. Bekannt sind 7 Musikhandschriften im Bestand "F 96" des Glinka-Museums für Musikkultur, eine Verteilung auch an andere russische Institutionen ist anzunehmen. Eine Veröffentlichung der Nationalbibliothek der Republik Udmurtien, Ischewsk (Russische Föderation) legt nahe, dass sich dort mindestens ein Buch aus Rubinsteins Bibliothek befindet. Damit ist davon auszugehen, dass nicht nur Musikalien in die Sowjetunion verbracht wurden. Das Buch wird in Ischewsk von der Abteilung für fremdsprachige Literatur verwahrt und zählt zum Bestand der seltenen und wertvollen Bücher. In die Abteilung, die 1961 gegründet wurde, gelangte das Buch vermutlich über den innerbibliothekarischen Tausch- und Reservebestand der damaligen Staatlichen Allunionsbibliothek für Ausländische Literatur, heute Allrussische Staatliche Bibliothek für Ausländische Literatur M. I. Rudomino.
Die Bücher aus Rubinsteins Bibliothek blieben zumindest teilweise in Berlin als sogenanntes herrenloses Bibliotheksgut zurück (vermutlich in der Eisenacher Straße) und gelangten von dort in die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek (spätestens am 6. April 1950 wurde ein Exemplar als "Alter Bestand" eingearbeitet) und in die Berliner Stadtbibliothek.
Auch im Offenbach Archival Depot sind einige Bücher mit dem Exlibris Rubinsteins verzeichnet worden. Laut französischen Quellen sind 1949 aus den nach Kriegsende sichergestellten Beständen insgesamt 137 Bücher an Rubinstein zurückgegeben worden.
Die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände verteilte in der DDR auch einzelne Exemplare aus der Bibliothek Rubinsteins weiter, z.B. 1960 aus unbekannter Quelle an die UB Leipzig und aus der Berliner Stadtbibliothek (ohne Abgabedatum) an die Staatsbibliothek zu Berlin.

Provenienzmerkmale

Exlibris
Das Exlibris "Arthur Rubinstein" geht zurück auf eine Tuschezeichnung des in Łódź geborenen Graphikers Joseph Hecht (1891–1951) und ist vom Künstler signiert. Der in der gleichen Stadt wie Rubinstein geborene und auch etwa gleichaltrige Hecht zog 1920 ebenfalls nach Paris. In den bisher bekannten Exemplaren trägt das Exlibris immer auch die handschriftlich vermerkte Signatur des jeweiligen Buches. Außerdem wurden die bekannten Exlibris meist links unten auf dem vorderen Spiegel angebracht.

Signaturen
Artur Rubinstein nutzte für seine Bibliothek ein Signaturensystem, das aus dem Anfangsbuchstaben des Verfassernamens und einer laufenden Nummer (hier scheint es keine tiefergehende alphabetische Ordnung zu geben), getrennt durch Schrägstrich bestand. Bei mehrbändigen Werken wurde offenbar weiter gezählt. Diese Signaturen finden sich jeweils handschriftlich auf dem Exlibris.
Bekannte Signaturen:

Widmungen
In einigen Fällen, insbesondere bei (Musik-)Handschriften verwandte Artur Rubinstein nicht sein Exlibris. Diese Exemplare - wie auch einige der bisher identifizierten Bücher - sind jedoch häufig mit Widmungen an Artur Rubinstein versehen und lassen sich so seiner Bibliothek zuordnen.

Exemplare aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin (Auswahl)

John Alden Carpenter: Eight Pieces for Piano, s. l. 1922.

Kaikhosru Shapurji Sorabji: Concerto pour Piano et Grand Orchestre, s. l. 1918.

Miguel de Cervantes Saavedra: El Ingenioso Hidalgo Don Quixote De La Mancha. Parte Primera, Tomo III, Madrid 1797.

Vicente Huidobro: Mío Cid Campeador. Hazaña, Madrid 1929.

D. H. Lawrence: The man who died, London 1931.

Exemplar aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig

Karel Čapek: Letters from Spain, London 1931.

Ermittelte Exemplare

SB Berlin

ZLB Berlin

UB Leipzig

Glinka-Museum für Musikkultur Moskau

  • 7 Musikhandschriften im Bestand F 96, vgl. Liste in Forum Musikbibliothek 24 (2003), S. 423.

Nationalbibliothek der Republik Udmurtien, Ischewsk (Russische Föderation)

  • 1 Buch mit dem Exlibris Rubinsteins (ohne bibliographische Daten)

Quellen

Literatur

Weblinks

GND-Normdaten