Arthur Goldschmidt

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Der Leipziger Unternehmer und Publizist Arthur Goldschmidt (* 17. Juni 1883 in Leipzig; † 12. Januar 1951 in Cochabamba, Bolivien) hatte eine umfangreiche Büchersammlung aufgebaut.

Leben und Verfolgung

Als ältester Sohn einer Leipziger Familie führte Arthur Goldschmidt das väterliche Fuhrmittelunternehmen Kleiegold weiter. Goldschmidts wahre Leidenschaft galt jedoch den Büchern - von Jugend auf sei er ein eifriger Leser und Büchersammler gewesen, schreibt er in der Einleitung seines Werkes "Goethe im Almanach" (s. Abschnitt zur Almanachsammlung). Später sollte sich ein eigens angestellter Bibliothekar um Erschließung und Pflege seiner im Laufe der Jahre auf 40.000 Bände angewachsene Bibliothek kümmern. Das Haus der Familie in Leipzig war Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle, es wurden Hauskonzerte, Lesungen und Diskussionsrunden veranstaltet.
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begann die Verfolgung der Familie. 1933 wurde die Firma enteignet und vom Reichsnährstand übernommen. Arthur Goldschmidt sah sich gezwungen, seine Büchersammlung zu veräußern. 1938 wurde der Sohn Peter Goldschmidt in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, auch Arthur Goldschmidt war vorübergehend in Leipzig inhaftiert worden. Den Kindern Hannelore und Peter, später auch ihren Eltern Hertha und Arthur Goldschmidt, gelang Ende der 1930er Jahre die Flucht nach Bolivien. Arthur Goldschmidt schaffte es nicht, dort noch einmal Fuss zu fassen, er starb 1951 verarmt im Exil.

Almanachsammlung

Ein besonderes Interesse Goldschmidts galt den Almanachen, jährlich erscheinenden Publikationen mit kurzen Texten zu Belletristik, Theater, Mode, Musik, Natur und Reisen, zumeist angereichert mit Kupfern. Er baute eine Sammlung von 2.000 Almanachen des 17. bis 19. Jahrhunderts auf. Im Jahre 1932 veröffentlichte Arthur Goldschmidt eine Bibliographie zu Goethe im Almanach (Volltext ab 2021 kostenfrei verfügbar), hier führte er in Auswertung der Almanache zahlreiche Erstdrucke von Goethes Werken, aber auch Nachdrucke, Rezensionen und Übersetzungen auf.
1935 bot er die vollständige Sammlung dem Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv an. Er selbst schätzte den Wert der Sammlung auf 50.000 RM, war aber aufgrund seiner Notlage gezwungen, 1936 das Angebot des Archivdirektors Hans Wahl (Wikipedia), pro Band nicht mehr als eine Mark zahlen zu können, anzunehmen. Den niedrigen Preis für diese bedeutende Sammlung konnte Hans Wahl im Bericht an den Verwaltungsausschuss mit der Anmerkung "weil Herr Goldschmidt natürlich Jude ist" begründen.
1954/55 gelangte die Sammlung in die neu gegründete Zentralbibliothek der deutschen Klassik, einer Vorgängereinrichtung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Nach einer gütlichen Einigung mit den Erben Arthur Goldschmidts und der Jewish Claims Conference konnte die Klassik Stiftung Weimar 2012 die als NS-Raubgut identifizierte Almanachsammlung Arthur Goldschmidts rechtmäßig für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek erwerben. Hier finden Sie die identifizierten Bände der Sammlung.

Provenienzmerkmale

Literatur

  • Jürgen Weber: "...Weil Herr Goldschmidt natürlich Jude ist.", 2013
  • Pressemitteilung der Klassik Stiftung Weimar zur Restitution der Almanach-Sammlung, 2013
  • Kulturstiftung der Länder zur Erwerbungsförderung der Almanach-Sammlung Goldschmidt nach erfolgter Restitution, 2013
  • Volker Wahl: "Es ist unsere Hoffnung und unser Wunsch, beides, Sammlung wie Kartothek, nicht nur bewahren, sondern auch in Ihrem Sinne weiter führen zu können" : wie die private Almanach-Sammlung des jüdischen Sammlers Arthur Goldschmidt 1936 in die Obhut des Goethe- und Schiller-Archivs gekommen ist. In: Hans Wahl (1885 - 1949) - Direktor des Goethe-Nationalmuseums (1918 bis 1949), Leiter der Klassischen Stätten in Weimar und Dornburg (1923 bis 1949), Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar (1928 bis 1949), Weimar 2013, S. 11-15
  • Volker Wahl: Die Erwerbung der privaten Almanach-Sammlung des jüdischen Sammlers Arthur Goldschmidt aus Leipzig durch das Goethe- und Schiller-Archiv 1935/36 : eine Recherche. In: Die Pforte : Veröffentlichungen des Freundeskreises Goethe-Nationalmuseum e.V., Weimar 2014, S. 228-240
  • Romy Langeheine: Der Fall Arthur Goldschmidt, Blog der Klassik Stiftung Weimar, 2016

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