Antiquariat Agnes Straub

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Das Antiquariat Agnes Straub war eine bis 1943 in der Lützowstraße 30 in Berlin ansässige Antiquariatsbuchhandlung, die anschließend noch bis 1952 in Siebigerode im Harz existierte.

Geschichte

Ab dem Herbst 1943 verlegte Thomas Graf, der in erster Ehe mit der 1937 verstorbenen Agnes Straub, geb. Hoffmann, verheiratet war, das von ihm unter dem Namen seiner Frau weitergeführte Antiquariat aus Berlin nach Siebigerode im Harz. Nach Grafs Tod 1951 erfolgte der Verkauf der Restbestände des Antiquariats Agnes Straub durch seine Witwe Elfriede Graf, die der Antiquar 1944 in zweiter Ehe geheiratet hatte. Die Berliner Akademiebibliothek (Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) erwarb insgesamt rund 24.000 Einzelstücke (ca. 12.000 Bücher und 11.000 Graphiken) sowie zwei Karteien, nach denen offenbar die Bücher bei der Weiterverteilung ausgewählt wurden. Etwa 75 Prozent der Bestände wurden in den Jahren 1952/1953 an externe Institutionen weiter verteilt bzw. verkauft:

  • Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek:
    • ca. 7.300 Bände Bücher, sowie 200 Bände "aus besonderer Auswahl" und 118 Bände "aus Vorrecht-Inanspruchnahme"
    • 5.350 Blatt Portraitsammlung, Graphiken
    • 300 Blatt Landkarten
    • 242 Fotos aus Sammlung Rudolf Mosse (Autographen)
  • Berliner Akademiebibliothek und Institute
    • ca. 2.886 Bücher
    • 82 Graphiken
    • 1 Handschriftenmappe
  • Marx-Engels-Lenin-Institut beim ZK der SED
    • ca. 2.500 Broschüren und Bände (Literatur des Vormärz und der Revolution 1848 inkl. Flugblätter uund Karikaturen, Sozialistica etc.)
  • Staatlichen Museen Berlin
    • 2 Mappen Graphiken, 497 Blatt
    • 19 Mappen diverse Sammlungen Genre, 3.292 Blatt
    • 2 Mappen Exlibris, 322 Blatt

Auch etliche Akademiemitglieder (als Privatpersonen) erhielten Teilbestände. Bruno Kaiser profitierte ebenfalls als Privatperson von diesem Verkauf.
Die in den Exemplaren entdeckten Antiquariatsnotizen lassen sich durch Vergleich mit den Katalogen dem Antiquariat Agnes Straub in Berlin zuweisen.
Ein Großteil der Exemplare aus der Bibliothek Heinrich Stahl stammt aus dem Verkauf der Restbestände. Auch weitere im Restbestand des Antiquariats Agnes Straub entdeckte Vorprovenienzen könnten als NS-Raubgut zu bewerten sein.

Provenienzmerkmal

Nummer
Mit Bleistift eingetragene Nummern und Preise, meist auf Spiegel oder Vorsatz, die Katalogangebote von 1935 bis 1940 (Kataloge Nr. 86 bis 118) betreffen, häufig zusammen mit dem Exlibris Heinrich Stahl.

Ermittelte Exemplare

SB Berlin

Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Quellen

  • Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Akte VA-1308

Literatur

  • Sandra Butte: Das Antiquariat Agnes Straub. Von Berlin nach Siebigerode, 1921 bis 1952. In: Aus dem Antiquariat N.F. 12 (2014) H. 1, S. 24-27.
  • Sandra Butte u. Stefan Wiederkehr: "... da Mittel zur Anschaffung von Büchern überhaupt nicht zur Verfügung stehen." NS-Raubgut in der Berliner Akademiebibliothek. Ein Werkstattbericht. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 37 (2013) H. 2, S. 220-228.

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