Johannbibel

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Gesetz und Gnade (SBB-PK, Abteilung Historische Drucke, Libri in membr. impr. fol. 9)

Die Johannbibel ist eine sog, Cranach-Bibel oder auch Kurfürsten-Bibel. Sie wurde für den Fürsten Johann IV. von Anhalt-Zerbst (1504-1551) als zweibändige Pergamentbibel hergestellt, 1541 von Hans Lufft (1495-1584) in Wittenberg gedruckt und von Lucas Cranach dem Jüngeren koloriert und mit zusätzlichen Miniaturbildern ausgestattet. Die Bibel gehörte bereits zu den besonderen Kostbarkeiten des Gründungsbestandes der Kurfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree (heute: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Abteilung Historische Drucke, Signatur: Libri in membr. impr. fol. 8 und 9).

Geschichte

Im Jahre 1585 wird im Bestand der fürstlichen Bibliothek zu Dessau eine zweibändige Pergamentbibel mit den Bildnissen der Fürsten Georg und Joachim erwähnt, bei der es sich wohl um das Berliner Exemplar handeln dürfte.[1]
Fürst Johann Georg II. von Anhalt (1627-1693) schenkte die zweibändige Pergamentbibel um 1659 dem Großen Kurfürsten. Im Jahre 1659 heiratete Johann Georg mit Henriette Katharina von Oranien eine Schwester der ersten Ehefrau des Großen Kurfürsten, der - ebenfalls 1659 - die Kurfürstliche Bibliothek ins Leben rief.
Im Handschriftenkatalog des ersten Bibliothekars der Kurfürstlichen Bibliothek Johann Raue (1610-1679) wird diese zweibändige Pergamentbibel bereits beschrieben:
"Biblia Germanica Lutheri in membrana impressa Witembergae 1541 et illuminata a Luca Cranach; praefixae imagines Georgii et Wolfgangi Anhaldinorum principum a manu Cranachii. In schwarz geblühmten Sammet."[2]
Eine Verwechslung des Fürsten Wolfgang von Anhalt-Köthen (1492-1566) mit Joachim I. von Anhalt-Dessau (1509-1561) ist aufgrund der starken Ähnlichkeit der beiden Fürsten hier durchaus denkbar.
Die von Raue beschriebenen Einbände wurden ca. 1819 unter Friedrich Wilken (1777-1840) durch neue Bibliothekseinbände ersetzt[3]. Der zweite Band wurde in den 1930er Jahren erneut restauriert und mit einem Neueinband versehen[4].
Auch die Brüder Johanns IV. von Anhalt-Zerbst, Georg III. der Gottselige (1507-1553) und Joachim I. (1509-1561), die nach der Landesteilung von 1544 Anhalt-Plötzkau und Anhalt-Dessau regierten, besaßen handkolorierte Prachtbibeln der 1541 von Hans Lufft gedruckten Ausgabe. Die Georgsbibel wurde als dreibändige Pergamentbibel angefertigt und ebenfalls von Lucas Cranach dem Jüngeren mit zusätzlichen Miniaturmalereien ausgestattet und handkoloriert.[5]. Aus dem Besitz Joachims I. ist lediglich ein handkoloriertes Papierexemplar in zwei Bänden nachgewiesen[6]. Eine dritte Pergamentbibel des Druckes von 1541 ist die Zerbster Prachtbibel oder Rathausbibel, ein wohl ebenfalls für einen fürstlichen Auftraggeber aus dem Hause Anhalt hergestelltes dreibändiges Exemplar[7]. Die beiden Pergamentausgaben waren bzw. sind wie das Berliner Exemplar in schwarzen Samt gebunden[8].

Erster Band (Libri in membr. impr. fol. 8)

Joachim I. (Abb. Degering 1928, Taf. 10)
Georg III. (Abb. Haebler 1923, Frontisp.)

Zwei Porträts der anhaltinischen Fürsten Georg III. und - vermutlich - Joachim I., der Brüder Johanns, waren ursprünglich vor dem Titelblatt des ersten Bandes eingeklebt. Beide Porträts sind heute aus dem Band entfernt.
Johann Raues Katalogeintrag ist der letzte Beleg für das Vorhandensein von zwei Fürstenporträts in der Bibel.
Spätestens zum Zeitpunkt des Neueinbandes unter Wilken (1819) war nur noch ein Porträt, das Georgs III., vorhanden. Wilken hielt dieses Porträt für eine Darstellung Martin Luthers und so wurde die Bibel auch im Alten Realkatalog der Königlichen Bibliothek in den 1840er Jahren beschrieben[9].
Degering identifizierte das entfernte Joachim-Porträt mit dem spätestens 1918 im Bestand des Berliner Kupferstichkabinetts nachgewiesenen Porträt Joachims I.[10] Allerdings entspricht dieses Porträt v.a. im Hinblick auf Größe und Rahmengestaltung dem Georg-Porträt der Bibel nicht und weist auch keine Klebespuren auf. Wahrscheinlicher ist somit die Vermutung, dass in der Bibel eine andere, heute verlorene Variante enthalten war und das Porträt im Kupferstichkabinett lediglich mit den Porträts aus dem sog. Stammbuch Lucas Cranachs[11] in engeren Zusammenhang zu bringen ist.
Das Georg-Porträt war noch bis 1928 im ersten Band der Bibel enthalten, Spuren eines Rahmens auf dem Titelblatt lassen vermuten, dass es dort als Frontispiz eingeklebt war. Nach Paul Wahl war es auf 1554 datiert[12], ist also erst nach dem Tod Georgs entstanden und deutlich nach dem Druck der Bibel dort eingeklebt worden. Troschke schreibt dazu im Jahr 1939: „Noch 1928 hat Degering es in dieser Bibel gesehen, während es heute herausgelöst (beschnitten?) und der Handschriftenabteilung derselben Bibliothek überwiesen ist“[13].
Bisher ließ sich der Verbleib des Georg-Porträts nicht klären, im heutigen Bestand der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin ist es nicht nachzuweisen. Möglich scheint, dass dieses Porträt in die Sammlung der Libri picturati überführt wurde und damit heute zu den Kriegsverlusten der Staatsbibliothek zu rechnen sein könnte. Derzeit steht deshalb lediglich die Farbabbildung von 1923 bei Haebler zur Verfügung.

Zweiter Band (Libri in membr. impr. fol. 9)

Allegorische Darstellung Gesetz und Gnade (vor dem Zwischentitel am Beginn des zweiten Bandes eingeklebtes Einzelblatt).

Literatur

  • [Bock 1921] Die deutschen Meister. Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Zeichnungen mit 193 Lichtdrucktafeln, bearb. von Elfried Bock (Staatliche Museen zu Berlin: Die Zeichnungen alter Meister im Kupferstichkabinett, hrsg. v. Max J. Friedländer), Berlin 1921 (S.21 Nr. 399).
  • [Boёs 1928] Adolf Boёs, Die Zerbster Rathausbibel und die anhaltinischen Bibeln von 1541, in: Zerbster Jahrbuch 13 (1928).
  • [Degering 1928] Zehn Bilder und Porträts von der Hand Lucas Cranach des Jüngeren nach den Orig. im Besitz der Preußischen Staatsbibliothek und des Kupferstichkabinetts in Farbenlichtdruck hrsg. von der Reichsdruckerei. Mit einer hist. Einl. von Hermann Degering, Berlin 1928.
  • [Haebler 1923] Konrad Haebler, Deutsche Bibliophilen des 16. Jahrhunderts. Die Fürsten von Anhalt, ihre Bücher und ihre Bucheinbände, Leipzig 1923.
  • [Troschke 1939] Asmus Freiherr von Troschke, Miniaturbildnisse von Cranach D. J. In Lutherbibeln, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 6 (1939), S.15-28.
  • [Wahl 1935] Paul Wahl, Die Lutherbibel in Anhalt, in: Sachsen und Anhalt 11 (1935), S. 137-150.
  • [Wilken 1828] Friedrich Wilken, Geschichte der Königlichen Bibliothek zu Berlin, Berlin 1828 (S.237 Nr. 70/71).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. In der am Dessauer Hof entstandenen anhaltinischen Chronik des fürstlichen Sekretärs Bartholomäus Schwanberg(er) von 1585 (überarbeitete Fassung 1587), zitiert bei Boёs 1928, S.9f. Vgl. Michael Hecht, Die Erfindung der Askanier, in: Zeitschrift für Historische Forschung 33 (2006), S.1-31, hier S.13f.
  2. SBB-PK, Handschriftenabteilung, Ms. Catal. A 465 (1668 fertiggestellt), zitiert nach Degering 1928, S.3 (hier auf 1682 datiert).
  3. Degering 1928, S.3.
  4. Etikett auf dem hinteren Spiegel: Gebunden in der Buchbinderei der Preuß. Staatsbibliothek Berlin.
  5. Bis 1927 in der Georgsbibliothek, heute in der Anhaltinischen Landesbücherei Dessau.
  6. SBB-PK, Abteilung Historische Drucke, Signatur: Biblia sacra fol. 33a und 33b
  7. Im Besitz der Stadt Zerbst.
  8. Boёs 1928, S.4 u. 9
  9. Wilken 1828, S.237 Nr. 70/71. Der Eintrag im Alten Realkatalog wurde später korrigiert und aus dem Luther- ein Georg-Porträt gemacht. Die Aussage von Boёs 1928, S.10, das Joachim-Porträt wäre nicht mehr im Band, aber noch im Besitz der Preußischen Staatsbibliothek vorhanden, ist so nicht nachzuvollziehen.
  10. Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, KdZ Nr. 399, Farbabbildung bei Degering 1928, Taf. 10. Katalogisiert von Bock 1921, S.21 Nr. 399.
  11. Seit 1819 im Besitz der Königlichen Bibliothek zu Berlin, unter der Signatur Libri picturati 1 in der Handschriftenabteilung aufbewahrt und heute zu den Kriegsverlusten der SBB-PK zu zählen. Die darin enthaltenen Porträts abgebildet bei Degering 1928, Taf. 1-9.
  12. Wahl 1935, S.146.
  13. Troschke 1959, S.21. Ob Paul Wahl 1935 das Porträt noch in der Bibel oder bereits separat gesehen hat, ist unklar, Wahl 1935, S.146.